Meister der Rehwildhege – im Revier mit Rudi Knaack

Knaacks Selektion bei der Rehwildhege

Viele Jäger würden bei der Hege vergessen, dass es nicht nur auf die Böcke ankomme, sondern auch zu 50 Prozent auf die Ricken.

Ricken, die nur schwache, wiederholt nur einzelne oder keine Kitze führen, entnimmt Knaack aus dem Bestand. Ebenso wie alle Kitze, die im November nicht über zehn Kilogramm (aufgebrochen) hinauskommen würden. Bei Kitzpärchen erlegt Knaack grundsätzlich das schwächere, häufig sei dies ein Bockkitz.

Und führt eine Ricke gar zwei Bockkitze, würden beide in der Truhe landen. Er habe die Erfahrung gemacht, dass solche Zwillinge nie über die 300-Gramm-Marke hinaus kämen.

Erstaunlich, würde man doch mancherort förmlich gelyncht, käme man auf so eine Idee. Knaacks starke Trophäen geben ihm jedoch Recht.

Kaum Jagd im Mai – Warum?

Entgegengesetzt der üblichen Praxis, bejagt er Rehwild im Mai so gut wie gar nicht. Jährlinge, außer Knopfböcke, sind in seinem Konzept nämlich bis auf Ausnahmefälle tabu.

Ebenso Schmalrehe. Bei ihnen stünden nämlich die dicken Böcke. Die Blattzeit ist für die reifen Böcke reserviert und für solche, die Knaack in schöner Regelmäßigkeit die Hegenadel des Hegerings bescheren und auf die er besonderes Augenmerk legt – die alten, zurückgesetzten Böcke, die das Alter von acht bis zehn Jahren überschritten haben.

Stark zurückgesetzt: Die Erlegung solch uralter Böcke bereitet Rudi Knaack besondere Freude. ©Pauline von Hardenberg pvh-160330-KNAACK-3631Pauline von Hardenberg Rehwild Rehbock Bock Böcke Rudi Knaack

Stark zurückgesetzt: Die Erlegung solch uralter Böcke bereitet Rudi Knaack besondere Freude. ©Pauline von Hardenberg

Zwei Wunderwaffen der Rehwildhege

Dass es Knaack nicht nur um die Trophäen an sich geht, bemerkt man schnell.

Er liebt „sein“ Wild, er versteht es und kennt seine Bedürfnisse. „Man muss auch verzichten können und die Böcke alt werden lassen“, sind seine weisen Worte.

Er investiert trotz seines fortgeschrittenen Alters und einiger gesundheitlicher Probleme immer noch eine Menge Zeit und Arbeit, um die Kulturlandschaft seines Reviers wildfreundlich zu gestalten. Eine seiner Wunderwaffen sind Apfelbäume, von denen er viele im Laufe der Jahre gepflanzt hat.

Sie bieten Äsung bis in den Winter hinein und haben den Ruf, das Gehörnwachstum positiv zu beeinflussen.

Äsungsflächen

Eine andere sind Äsungs- und Verbissflächen. Viele Kleinstflächen von 20 bis 50 Quadratmeter seien viel effektiver als wenige große Wildäcker.

Erstens könne man den Landwirten solche Ecken viel besser abschwatzen. Und zweitens würde die konstante Beäsung verhindern, dass Luzerne und Klee so auswüchsen, dass sie für das Rehwild uninteressant würden. Außerdem bieten sie den Vorteil, das Revier abwechslungsreicher zu gestalten, was auch vielen anderen Arten, von Insekten über Kleinsäuger bis hin zu Vögeln, zugute kommt.

Dazu kommt eine scharfe Raubwildbejagung. Seit Knaack einmal 16 Kitzschädel an einem einzigen Fuchsbau gefunden hat, ist er Reineke besonders übel gesonnen und rückt ihm auf den Pelz, wo er ihn kriegen kann.

Rudi Knack zeigt JÄGER-Redakteurin Dr. Nina Krüger sein Revier- Überall kommt Rehwild in Anblick @Pauline v. Hardenberg Rehwild Rehbock Bock Böcke Rudi Knaack

Rudi Knack zeigt JÄGER-Redakteurin Dr. Nina Krüger sein Revier @Pauline v. Hardenberg

Wertvolle Blühstreifen

Schon seit einiger Zeit nimmt Knaack auch an einem Versuchsprojekt zusammen mit Professor Dr. Stubbe teil, bei dem die Wirkung von Blühstreifen zwischen unterschiedlichen Ackerkulturen erforscht werden soll. Gesät wird Phacelia und Buchweizen.

Mit durchschlagendem Erfolg. „Was der Mais für die Sauen ist, ist Buchweizen für das Rehwild“, stellt Knaack fest. Die Stücke seien überhaupt nicht mehr aus den Ackerstreifen herauszubekommen.

Das Rehwild ist nicht der einzige Profiteur dieser Reviermaßnahme. Die Blühstreifen bieten vielen anderen Wildtieren Lebensraum und stellen Verbindungen zwischen Biotopen her. So entstehen Wanderrouten für Kleinlebewesen.

Ein Beispiel, wie jagdliches Engagement schlussendlich den gesamten Lebensraum verbessert.

Rudi Knack zeigt JÄGER-Redakteurin Dr. Nina Krüger sein Revier- Überall kommt Rehwild in Anblick @Pauline v. Hardenberg Rehwild Rehbock Bock Böcke Rudi Knaack

Überall kommt Rehwild in Anblick @Pauline v. Hardenberg

Irgendwann ist Schluss

Betrübt höre ich am Ende unseres Gesprächs, dass dunkle Wolken über dem scheinbaren Paradies hängen.

Langsam fühle Rudi Knaack sich zu alt für die viele Arbeit. Nicht nur er, auch seine Frau, die ihn früher oft zur Jagd begleitete, seien angeschlagen, und die Kinder hätten meist anderes zu tun, als dem Vater zu helfen.

Was Knaack jedoch in seinem Revier geschaffen hat, ist zwar einmalig, für einen wie ihn aber kein Hexenwerk.

Es wäre ein Jammer, wenn so eine Revierperle keinen Folgepächter mit der gleichen Bereitschaft zur Opferung all seines Herzbluts fände – jedenfalls für das Rehwild in dieser Region.