Meister der Rehwildhege – im Revier mit Rudi Knaack

Mosaik Rehwildhege

Für die richtige Rehwildhege müssen Reviere eine vernünftige Größe haben, so die Erfahrung des 75-Jährigen.

Auf den kleinen Parzellen um die 100 Hektar, wie sie vielerorts üblich seien, könne man nicht viel ausrichten.

Ein paar hundert Hektar müsse man schon haben, um Ergebnisse sehen zu können. Außerdem gleiche die Rewildhege einem Mosaik, in dem jedes Steinchen seinen Platz habe.

Schenke man nur einem keine ausreichende Beachtung, müsse man die Fehler oft jahrelang ausbaden.

„Den Grundstein bildet das Verständnis der Bedürfnisse dieser Wildart und die enge Zusammenarbeit mit den Landwirten sowie Reviernachbarn“, so Knaack.

Knaack erzählt anhand des Gehörns die Geschichte dieses Bocks. Alt war er, der Reiterknochen rührt von einer Forkelverletzung. Außerdem fehlte dem Reifen ein Hinterlauf. @Pauline v. Hardenberg Rehwild Rehbock Bock Böcke Rudi Knaack

Knaack erzählt anhand des Gehörns die Geschichte dieses Bocks. Alt war er, der Reiterknochen rührt von einer Forkelverletzung. Außerdem fehlte dem Reifen ein Hinterlauf. ©Pauline v. Hardenberg

Bloß kein Stress

Hatte ich bislang geglaubt, dass Rehwild im Unterschied zum Rotwild weniger anfällig für Störungen durch Jagd, Landwirtschaft und Freizeitbeschäftigungen sei, wurde ich eines besseren belehrt.

Laut Knaack ist Rehwild die stressanfälligste Wildart überhaupt, die zu hohe Beunruhigung sofort mit Kümmern, Kitzsterblichkeit und geringeren Trophäen quittiere.

Druck durch freilaufende Hunde, querfeldeinmarschierende Spaziergänger und Reiter, aber auch Beunruhigung durch ständige jagdliche Aktivitäten, seien schädlich für das Rehwild.

Dies sei oft der Grund, wenn Ricken nur ein Kitz führten. Sauen im Revier hingegen störten Rehwild weit weniger, als landläufig geglaubt wird. Die Bejagung schließt Knaack alljährlich Ende Oktober ab, bevor sich das Rehwild in Sprüngen sammelt, damit über die Wintermonate Ruhe einkehren könne.

Damit halte man das Rehwild auch tagaktiv.

Angepasste Wilddichte

Die Rehwilddichte in Knaacks Revier beträgt zehn bis zwölf Stück auf 100 Hektar. Früher seien es mehr gewesen, aber die heutige Dichte sei für sein Revier ein Erfahrungswert, der mit den Gegebenheiten übereinstimme.

Beim Revierrundgang zeigt sich, dass er eigentlich jedes Stück kennt und schon Anfang April weiß, wer wo steht.

Das Frühjahr nutzt er, um sich einen Überblick über seinen Bestand zu verschaffen und zu entscheiden, welcher Bock reif ist und welche Ricke unter Beobachtung gehört.

Zähne eines Reifen: als wären sie aus Perlmut – dank Phacelia. @Pauline von Hardenberg pvh-160330-KNAACK-3703Pauline von Hardenberg Rehwild Rehbock Bock Böcke Rudi Knaack

Zähne eines Reifen: als wären sie aus Perlmut – dank Phacelia. ©Pauline von Hardenberg