Rotwild und Wald: So kann die Balance gelingen

Die Rotwildbrunft steht vor der Tür, doch vielerorts in Deutschland bleibt der Wald still. Wir wollten von Rotwildkenner und Forstmann Ulrich Maushake wissen, wie Rotwild mit Waldbau harmonieren kann und welche Strategien zum Erfolg führen.

Waldbau und gesunde Rotwildbestände müssen kein Widerspruch sein. Jürgen Stahlmann Kopie

Ob Rotwild in einem Gebiet vorkommt, hängt vor allem vom richtigen Zusammenspiel von Jagd und Forstwirtschaft ab. © Jürgen Stahlmann

Rotwild und Waldumbau gemeinsam denken

JÄGER: In der Wald-Wild-Debatte wird zwischen den Extremen Totalabschuss und hohen Wildbeständen polarisiert. Wie können Waldbau und gesunde Rotwildbestände zusammen gedacht werden?

Ulrich Maushake: Natürlich können sie zusammen gedacht werden und das müssen sie auch. Polarisierungen sind immer schlecht, das sieht man auch in der Politik. Wir brauchen vernünftige, sachbezogene Lösungen und insbesondere mehr Sachverstand und weniger Ideologie in dieser Debatte. Die Diskussion Wild und Wald ist Jahrzehnte alt. Sie ist nicht gelöst und wird kurzfristig nicht zu lösen sein. Nicht in einem Schritt, sondern es ist ein permanenter Prozess, den man begleiten und gestalten muss. Dazu sind wir Jäger und Forstleute gemeinsam aufgefordert. Die grundsätzliche Notwendigkeit zum Waldumbau muss jeder akzeptieren. Wer das nicht tut, steht eigentlich nicht in dieser Welt.

Wobei der Waldumbau – je nach Waldbesitzarten – durchaus einen ganz erheblichen Unterschied in der Intensität der Notwendigkeit hat. Bei reinen Nadelholzbeständen, die häufig aus gutem Grund dort etabliert worden sind, ist die Notwendigkeit, gerade im öffentlichen Wald, viel stärker. Bei ohnehin schon gemischten Beständen, die permanent verjüngt werden, ist die Notwendigkeit sehr viel geringer. Insofern ist diese Frage immer vor dem Hintergrund der örtlichen Verhältnisse zu sehen. Wenn wir erfolgreich sein wollen, und das müssen wir, können wir das nur gemeinsam erreichen. Und jede radikale Position, egal von welcher Seite, ist nicht hilfreich. Auch im Sinne des Wildes!

Es kann gelingen, dafür gibt es eine Reihe von Beispielen, eines ist Grafenwöhr. Die Fakten und Daten sind öffentlich zugänglich. In Grafenwöhr haben wir den Waldumbau nahezu abgeschlossen und das mit sehr hohen Rotwildbeständen. Der Grund für den Waldumbau war, dass wir aus militärischen Gründen schnellstmöglich einen Wald formen mussten, der alle Waldfunktionen optimal und nachhaltig erfüllt. Ich sage aber ganz klar, und das hat die Geschichte und Erfahrung gezeigt, hoher Wildbestand bedeutet nicht gleich hohe Wildschäden und geringer Wildbestand bedeutet nicht gleich geringe Wildschäden. Das ist gerade beim Rotwild nicht der Fall. Das zeigen die Fakten sehr deutlich. Diese Tatsache hat sich in Deutschland leider in vielen Köpfen noch nicht wirklich etabliert.

Jagdstrategie, Naturverjüngung und Ruhezonen

Die Bejagungsstrategie muss sich darauf ausrichten, dass auch die Ziele der Waldbewirtschaftung erreicht werden. Die Umsetzung ist Aufgabe der Forstleute, aber auch der Jäger, nur gemeinsam geht es. Ob es mit oder ohne Zaun zu gelingen hat, ist eine finanzielle Frage, denn Zaunbau und Instandhaltung sind sehr kostenintensiv. Die schon vorhandenen Baumarten werden hierbei zugrunde gelegt, je mehr Vielfalt schon vorhanden ist, desto eher gelingt es ohne Zaunschutz.

Nimmt man Laubholz, welches auf dem Standort noch nicht vorhanden ist, wird es ohne Zaun nicht gelingen. Es sei denn, dieses passiert auf einer gigantisch großen Fläche oder der Wildbestand wird drastisch reduziert. Grundsätzlich gilt: Den Wald über Naturverjüngung zu erneuern ist einfacher. Mit künstlicher Verjüngung ist es deutlich schwieriger, weil die Baumschulpflanzen hoch gedüngt sind und daher eine große Attraktivität für das Wild haben.

Ein wesentlicher Punkt ist die Art und Weise, wie man das Wild bejagt. Ich sehe vom Grundsatz keine Notwendigkeit, Wild zu schießen, wo es sich aufhält ohne nennenswerte Schäden zu verursachen. Es gibt aber eine hohe Notwendigkeit, es dort zu erlegen, wo es tatsächlich Schaden an Wald und Flur verursacht. Dieses Grundprinzip wird in weiten Teilen Deutschlands nicht oder nur teilweise beachtet. Das ist m. E. einer der Gründe, warum wir in vielen Bereichen Probleme haben. Der zweite Punkt ist, und damit haben wir uns in Grafenwöhr intensiv auseinandergesetzt, die unterschiedlichen wildbiologischen Erfordernisse die einzelnen Wildarten mit einzubeziehen.

Warum Ruhe im Wald für Rotwild entscheidend ist

Ein wesentlicher Kernpunkt, insbesondere auch beim Rotwild, ist die „Ruhe“. Wer keine Ruhezonen im Revier einrichten möchte oder meint es nicht zu können, wird per se in ein großes Problem laufen. Aus meiner Sicht ist ein Waldumbau ohne Ruhezonen nicht möglich! Diese Erkenntnis hat sich noch nicht flächendeckend und tiefgreifend in Deutschland durchgesetzt. Hier sehe ich einen wesentlichen Verbesserungsbedarf in klarem Einvernehmen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, siehe die Ausführungen von Prof. Herzog, der auf diesen Punkt immer wieder hinweist.

Brunft

Auch während der Brunft lautet die Devise: so wenig Störung wie möglich! Auf bestimmte Hirsche wird darum bewusst nicht gejagt. © Jürgen Stahlmann

Wir haben in Grafenwöhr das große Glück, seit 15 Jahren mit der Wissenschaft in Sachen Wildbiologie zusammenarbeiten zu können. Die Ruhezonen sind hier ein Kernpunkt. Ich werde immer wieder gefragt, wie groß diese Ruhezonen sein müssen. Sie müssen sicher nicht mehrere 100 ha groß sein. Liegen sie günstig, können sie auch deutlich unter 100 ha groß sein. Wer als Jäger seinem Wild nicht in gewissen Teilbereichen seines Reviers Ruhe gibt, ist aus meiner persönlichen Sicht kein Jäger, der sich dem Tierschutz oder der Waidgerechtigkeit verpflichtet fühlt. Das Gewähren von Ruhe zielt massiv auf die Senkung von Wildschaden hin. Insofern ist dies für die Harmonie zwischen Wald und Wild eine unausweichliche Forderung.

Rotwildjagd vor und nach der Brunft

Welche Bedeutung kommt dabei der Jagd vor der Brunft sowie danach auf den Drückjagden zu?

In Grafenwöhr wird die Bejagung sehr intensiv betrieben, d. h., ca. 8 Stück auf 100 ha werden nachhaltig erlegt. Wir vollziehen den Abschuss des Kahlwildes ganz überwiegend nach der Brunft bis Ende Dezember. Kleine Ausnahmen werden in Bereichen gemacht, wo große Wildschäden auftreten. Dort werden die gesetzlichen Jagdzeiten genutzt. Intervalljagd und frühe Jagdzeiten, wie beim Rehwild, bedeuten für das Rotwild das ganze Jahr Stress. Hier bin ich ein radikaler Gegner. Eine Sequenz im Jahr und die so kurz wie eben möglich. 80 % des Kahlwildabschusses wird auf großflächig angelegten Wildjagden getätigt. Wo das Wild ähnlich einer Riegeljagd vorsichtig in Bewegung gebracht wird.

Wir müssen von Jahr zu Jahr mehr den Einsatz von geeigneten Stöberhunden erhöhen, da der Wald zunehmend große Verjüngungsflächen aufweist. Das Beunruhigen nur mit Treibern reicht nicht mehr aus. Trotzdem wird darauf geachtet, dass das Wild ruhig vor den Schützen kommt und sauber angesprochen werden kann. Die Thematik Alttier/Kalb und der Mutterschutz sind bei uns von höchstem Rang. Dies funktioniert nicht an schmalen Schneisen und mit zu viel Druck. Wir jagen an wenigen Tagen auf großen Flächen mit einem dosierten Hundeeinsatz und Treibern, die sich im Gelände perfekt auskennen, ganz überwiegend sind es unsere Forstbeamten.

Rotwild und Wald: Hirschjagd während der Brunft

Die Hirsche bejagen wir ab der Feistzeit, die große Masse in der Brunft. Dann wird auch in den Ruhebereichen des Rotwildes gejagt. Die richtig gemachte Brunftjagd ist die störungsärmste Jagd, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Forderungen aus dem Bereich des ideologischen Naturschutzes, das Rotwild während der Paarungszeit nicht zu bejagen ist, sind tatsächlich sachlich unbegründet.

Wie erfolgt die Vorbereitung auf die Hirschjagd? Werden die Hirsche im Vorfeld bestätigt?

Wir bestätigen im Vorfeld keine Hirsche. Im täglichen Betriebsvollzug sehen die Förster Hirsche, aber es sind zu viele, um sich – außer im Einzelfall – alle merken zu können. Jede Betätigung, die dem Wild naherückt, ist ein Störungsfaktor. Oberstes Prinzip ist: so wenig Beunruhigung über jagdliche Aktivitäten, wie möglich.

Welche Rolle Alttiere im Wald für das Rotwild spielen

Wie wichtig sind bestimmte Stücke, insbesondere Alttiere, um das Verhalten des Wildes langfristig zu überliefern?

Rotwild ist, wenn man bestimmte Rahmenbedingungen hat, lenkbar. Lenkbar durch jagdliche Maßnahmen. In Grafenwöhr heißt dies „Push und Pull“-Effekte. Das heißt, Gebiete wo sie sich nicht aufhalten sollen, gestaltet man durch die Jagd ungemütlich. In Gebieten, wo sie sich aufhalten sollen, gewährt man ihnen absolute Ruhe und verbessert den Lebensraum z. B. durch die Anlage und Pflege von Äsungsflächen. Der Hirsch frisst lieber Gras als Bäume. Wir müssen ihm nur die Gelegenheit dazu geben.

Gut ist auch, andere Störungsfaktoren, die durch die vielfältige Nutzung des Waldes entstehen, zu minimieren, soweit dies möglich ist. Das ist nicht leicht, aber der richtige Weg und führt zu deutlichen Verbesserungen. Auch wir erklären den Soldaten immer wieder, wie wichtig es ist, bestimmte Bereiche nur begrenzt oder gar nicht zu nutzen. Auch kleine beruhigte Flächen helfen schon viel. Im Allgemeinen wird die Bedeutung und Wirksamkeit von Ruhezonen weit unterschätzt. Ruhezonen sind ein wesentlicher Faktor, auch mit Blick auf Minderung von Wildschäden. Alttiere spielen hierbei die alles entscheidende Rolle.

Erfahrungen werden innerhalb des Rudels weitergegeben

Wer sich mit Rotwild befasst, weiß, dass das Tradieren von Erfahrungen, die Übergabe der Erfahrungen von dem Muttertier auf das Kalb und an das ganze Rudel, eine große Rolle spielen. Machen Einzelstücke z. B. Alttiere schlechte Erfahrungen in einem Bereich, werden diese auf das ganze Rudel übertragen. Da reichen schon wenige schlechte Erfahrungen, um diese festzusetzen. Machen sie gute Erfahrungen, diese müssen allerdings nachhaltig und dauerhaft gut sein, hat es die gleiche intensive Wirkung. Und das ist genau der Mechanismus, den wir nutzen. Das Rotwild erkennt genau, in bestimmten Bereichen gibt es keine Gefahr seitens der Jagd für sie.

Wie groß müssen Rotwildreviere sein?

Von welchen Revier- oder Habitatgrößen reden wir, wenn Rotwild und Wald langfristig und nachhaltig zusammen bewirtschaftet werden sollen?

Grafenwöhr ist mit 23 000 ha zusammenhängender und einheitlich bewirtschafteter Fläche ein besonderes Beispiel. Aber auch hier hat es viel Energie und Zeit gekostet, die Streitkräfte zu überzeugen, dass unsere Art zu jagen mit Platz für Ruhezonen auch für den militärischen Betrieb von Nutzen ist. Die grundsätzliche Situation ist daher ähnlich wie in anderen Revieren. Hier gibt es allerdings viel mehr Ansprechpartner und deutliche Interessenkonflikte. Eines ist aber ganz klar, wer glaubt, man braucht 20 000 ha, der irrt sich. Ich kenne viele Beispiele mit 1000 ha und weit weniger, wo man sich geeinigt hat, Bereiche in Ruhe zu lassen, wo Rotwild tagaktiv ist.

Je größer die Fläche, desto besser die Wirkung, das ist auch keine Frage. M. E. ist es zwingend notwendig, auch in Revieren mit nur 200 oder 300 ha Ruhezonen einzurichten. Je besser man sich mit den Reviernachbarn abspricht, desto höher die Fläche und somit auch die Wirkung. Man kann sich nicht exkulpieren mit dem Hinweis, ich habe nur ein paar 100 ha, daher funktioniert die Strategie bei mir ohnehin nicht. Das ist der völlig falsche Ansatz und nicht verantwortungsvoll gegenüber dieser Wildart.

Wie viel Wildschaden muss man im Wald akzeptieren?

Muss man auf waldbaulicher Seite dazu bereit sein, ein gewisses Maß an Schaden bei spärlichen Äsungsalternativen oder Beunruhigung im Revier in Kauf zu nehmen?

Man muss auch von der simplen Tatsache ausgehen, dass Pflanzenfresser nun mal Pflanzen fressen. In Europa wird kein Stück Wild verhungern. Das Hochgebirge lasse ich hier weg. Es geht darum, dass das Rotwild seine Nahrung dort aufnimmt, wo der geringste Schaden entsteht. Darin liegt die entscheidende Erkenntnis, ihnen artgerechte Äsung mit dem geringsten Schadenspotenzial zur Verfügung zu stellen. Und sie von Bereichen fernzuhalten, wo sie größtmöglichen Schaden anrichten können, z. B. in Forstkulturen und Stangenhölzern.

Äsungsflächen statt ausschließlich höherer Abschüsse

Nur schießen reicht nicht aus, man muss dem Wild Areale zur Verfügung stellen, wo es leben kann. Das entschärft die Problematik Wald und Rotwild ganz deutlich. Mein Vorvorgänger Dietrich von Hirschheydt hat einmal gesagt: „Ich freue mich über jeden Hirsch, der auf der Wiese steht und dort äst. Dann kann er nicht gleichzeitig im Wald stehen und Schaden machen.“ Diesen Gesichtspunkt haben wir in Grafenwöhr fokussiert. Wir haben dem Rotwild artgerechte Äsung zur Verfügung gestellt, die ihnen aber auch regelmäßig zugänglich sein muss. Wenn wir gemeinsam dafür Sorge tragen, dass wir Teile im Revier haben, wo beide Punkte erfüllt werden, dann sind wir einen riesigen Schritt weiter.

Beim Rotwild gibt es keinen linearen Zusammenhang zwischen Wilddichte und Wildschäden. Viel Rotwild gleich viel Schaden, wenig Rotwild, wenig Schaden, ist beim Rotwild unzutreffend. Wir brauchen sachkompetente, ausgleichende und intelligente Lösungen. Aber ich betone auch: „Um den Waldumbau werden wir nicht umhinkommen!“ Bei Bundesforst gilt der Grundsatz Wald vor Wild. Das trage ich grundsätzlich mit, denn auch das Wild braucht einen intakten Lebensraum. Ich trage aber nicht mit, wenn der Grundsatz als ideologische Begründung für einen generellen Feldzug gegen das Wild genutzt wird.

Welchen Einfluss hat der Wolf im Wald auf das Rotwild?

Welche Rudelstrukturen sind wünschenswert und hat der Wolf hier einen negativen Einfluss?

Diese Zusammenhänge sind außerordentlich komplex und es besteht m. E. ein erheblicher Forschungsbedarf. Insofern kann ich momentan dazu noch keine abschließende Aussage treffen. Nur die Beobachtung, dass derzeit, obwohl wir mindestens zwei Rudel haben, der Einfluss des Wolfes auf das Verhalten des Rotwildes kaum merkbar ist. Meine bisherige Erklärung liegt darin, dass der Wolf als Stressfaktor, und das ist er außer Frage, in Grafenwöhr zurzeit keine bedeutsame negative Wirkung entfaltet.

Apropos Wolf, hier gibt es ja den Spruch: „Wo der Wolf jagt, wächst der Wald.“ Es mag sein, dass es unter natürlichen Verhältnissen, in einer Landschaft, die der Mensch nicht verändert hat, möglich wäre. Aber in einer Kulturlandschaft, in der wir unzweifelhaft leben und wo der Mensch, der alles entscheidende und dominierende Faktor ist, ist dieser Satz schlichtweg falsch. Aus meiner Erfahrung erschwert der Wolf die Jagd erheblich und stellt uns vor zusätzliche Herausforderungen.

Rudelstrukturen beim Rotwild

Wie gliedern sich die Rudelstrukturen, wenn der Wolf noch keinen signifikanten Einfluss hat?

Die Grundstruktur eines Rudels ist Alttier, Schmaltier oder Schmalspießer und Kalb. Standardmäßig sind nahe Verwandte noch dabei. Ein Rudel besteht aus zwei bis drei Familiengruppen. Wir beobachten auch viel, viel größere Rudel. Das sind Zweckgemeinschaften, die sich zum Äsen treffen oder in ruhigen Einständen gemeinsam sitzen.

Je offener die Landschaft ist und je größer das Rotwildvorkommen, umso natürlicher sind große Rudel. Große Rudel können aber auch Zweckgemeinschaften sein, um Gefahren abzuwehren. Dies ist in ganz Deutschland über den Wolf erkennbar zu beobachten. Große Rotwildverbände entstehen aber auch durch massive Futtergaben. Man sollte genau hinschauen, welche Gründe zur Bildung von Großrudeln geführt haben.

Rotwild lässt sich nicht gleichmäßig auf den Wald verteilen

„Wer aber meint, Rotwild auf der Fläche gleichmäßig verteilen zu können, der irrt.“ Dies steht der Biologie des Rotwildes völlig entgegen. Sie leben schwerpunktmäßig in Bereichen, die für sie günstig sind. Das kann jahreszeitlich unterschiedlich sein. Rotwild sind Rudeltiere, dies ist ein Vorteil, der genutzt werden kann, indem man sie in hoher Dichte in gewünschte Areale lenkt. Beim Rotwild ist es erforderlich, dass revierübergreifend ein gemeinsames Ziel ins Auge gefasst wird. Rotwild kann man nicht für den Jäger gerecht aufstellen oder verteilen.

Ein weiterer Gesichtspunkt, der mir sehr am Herzen liegt: Wer die Jagd ausübt, sollte seine jagdlichen Aktivitäten an den Erfordernissen des Wildes orientieren und nicht an den eigenen. Der Ausgangspunkt eines waidgerechten Jägers ist nach meinem Verständnis in allererster Linie Tierliebe. Daran hat sich alles zu orientieren. Wenn wir uns das bewusst machen und danach konsequent handeln, werden wir viele Probleme lösen. Ich denke der Wald-Wild-Konflikt ist eigentlich ein Konflikt der vielfältigen Nutzungsansprüche der Menschen.

Kann Rotwild wieder flächendeckend in Deutschland leben?

Welche Chancen sehen Sie, das Rotwild wieder flächendeckend im deutschen Wald zu etablieren?

Die Rotwildgebiete sind eine politische Entscheidung. Aus wildökologischer Sicht ist das nicht sinnvoll. Je sachkompetenter wir mit dem Rotwild umgehen, je besser wir die Balance zwischen dem Wild und seiner Umwelt hinbekommen, desto größer wird die Chance, Rotwild wieder nahezu flächendeckend zuzulassen.