Wilderei durch Tierliebe? Frau nimmt Rehkitz nach Hause

Eine Frau aus Mintraching fand ein Rehkitz auf einer Wiese und entschied sich, dieses mit nach Hause zu nehmen. Die vermeintliche Tierliebe endete für das Jungtier tödlich, nun ermittelt die Polizei wegen Jagdwilderei.

vincent-van-zalinge-WHrwb43vH9E-unsplash-3

Wurde eine Frau aus Bayern versehentlich zu einer Wilderin? © Unsplash/Vincent van Zalinge

Die Polizeiinspektion Neutraubling äußerte sich gegenüber dem „Bayrischen Rundfunk“ zu dem Vorfall. Demnach hörte eine 52-jährige Frau aus Mintraching (Landkreis Regensburg in Bayern) ein Fiepen in der Nähe von ihrem Haus: Ein Rehkitz. Die Dame kontaktierte den Notruf, der den zuständigen Jagdpächter aktivierte.

Wilderei aus Unwissenheit: Frau findet Rehkitz und nimmt es nach Hause

Vor Ort stellte sich allerdings heraus, dass die Frau es nicht bei dem Notruf belassen hatte. Die 52-Jährige schnappte sich das Rehkitz und brachte es mit zu sich nach Hause. Ein fataler Fehler, der zusätzlich strafbar ist: Das Entwenden von Wildtieren gilt, auch dann, wenn es mit guter Intention geschieht, als Jagdwilderei. Der Jagdpächter wies die Frau daraufhin, das Jungtier, welches etwa eine Woche alt gewesen sein soll, wieder zur Fundstelle zurückzubringen. Die Polizei konnte vor Ort allerdings nur noch feststellen, dass das Kitz verendet war.

Führte falsch verstandene Tierliebe zum Tod des Jungtiers?

Vermutlich habe die Mutter das Kitz nach der Entwendung nicht mehr angekommen. In der Setzzeit liegen Rehkitze häufig reglos im Gras. Zu diesem Zeitpunkt haben sie beinahe keinen Eigengeruch, im Gras getarnt sind sie so am besten vor Feinden geschützt. Laut Experten der Rehhilfe sind die Muttertiere dabei meist in der Nähe, das Fiepen der Jungtiere dient lediglich der Kommunikation und ist kein Zeichen für Schmerz oder Verwahrlosung.

Wer ein Rehkitz im Gras entdeckt, sollte sich dem Tier nicht unnötig nähern oder es gar berühren. Die Muttertiere kehren in der Regel zurück, wenn die Kitze den Geruch von Menschen an sich tragen, steigt die Gefahr, dass sie verstoßen werden. Im Zweifelsfall solle man sich erst an den Notruf, den zuständigen Jagdpächter oder Fachstellen wenden, statt selbst zu handeln.

Polizei ermittelt gegen 52-Jährige

Derweil wurden Ermittlungen gegen die 52-Jährige wegen Jagdwilderei aufgenommen – ihr Versuch, das Kitz zu retten, könnte demnach nicht nur mit dem Tod des Jungtieres, sondern auch mit einer empfindlichen Strafe enden.

Auch interessant