Dachs verwerten: So lässt sich der Dachs komplett nutzen

Wer einen Dachs erlegt, hält weit mehr in den Händen als Wildbret für einen besonderen Schinken. Beim Dachs lässt sich nahezu jedes verwertbare Teil sinnvoll nutzen – von Dachsfett und Dachshaar über die Schwarte bis hin zu Schädel, Krallen und Fangzähnen. TANJA BLUME zeigt, wie sich der maskierte Großmarder nach der Jagd vielseitig verwerten lässt.

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Grimbart ist bezüglich der Verwertung ein wahres Wundertier. © AdobeStock / Vaclav

Der Dachs ist nicht nur für die Wildküche interessant. Seine Schwarte, sein Haar und sein Fett wurden bereits früher für Leder, Bürsten, Salben und andere Produkte genutzt. Einige dieser traditionellen Verwertungswege sind bis heute erhalten geblieben.

Dachs verwerten: Welche Möglichkeiten gibt es?

Wer einen Dachs verwerten möchte, kann neben dem Wildbret auch Schwarte, Haar, Fett, Schädel, Krallen und Zähne nutzen. Traditionell wurde der Dachs unter anderem zu Leder, Bürsten, Pinseln, Salben und Schmuck verarbeitet.

Von der Küste bis in die Alpen ist der Dachs nahezu überall zu Hause und führt dennoch in vielen Revieren eher ein Schattendasein. Als Allesfresser mischt er bei Wildschäden im Feld ebenso mit wie beim Druck aufs Niederwild. Auch seine Baue können zum Problem werden, wenn sie beispielsweise Bahndämme unterhöhlen.

Eine konsequente Bejagung kann daher angezeigt und sinnvoll sein. Doch was passiert nach der Erlegung? Der Dachs bietet eine ganze Reihe lohnender Verwertungswege.

Dachshaar für Pinsel und Bürsten

Das Grannenhaar des Dachses war lange auch in der Malerei zu Hause. Aus dem feinen Dachshaar fertigte man hochwertige Künstler- und Vertreiberpinsel, mit denen sich Farben weich „vertreiben“ und feine Übergänge setzen lassen.

Es handelt sich um eine alte Handwerkstradition, die heute nur noch selten bei dekorativen Maltechniken wie der Holzmaserungsimitation eingesetzt wird. Das Dachshaar wird dabei vor allem wegen seiner feinen Spitze und seines guten Standes geschätzt.

Auch in der Bürstenmacherei war Dachshaar einst gefragt. Wegen seiner Festigkeit und zugleich feinen Spitze eignet es sich für strapazierfähige Bürsten aller Art – vom Werkzeug des Handwerkers bis zur Pflegebürste. Die Verarbeitung verlangt sauber sortiertes und gleichmäßig zugerichtetes Haar. Deshalb spielt diese Form der Verwertung heute kaum noch eine Rolle.

Dachs verwerten: Rasierpinsel aus Dachshaar

Schmuckstück mit hohem Gebrauchswert: der Rasierpinsel aus echtem Dachshaar. © AdobeStock / thomasp24

Der Dachsschädel als Trophäe

Was bei Bock und Hirsch Gehörn und Geweih sind, findet sich in anderer Form auch beim Dachs. Wer wissen möchte, ob ihm ein besonders kapitaler Dachs vor die Büchse kam, kann den Schädel präparieren und bewerten lassen.

Mit seinem markanten Knochenkamm wird der Dachsschädel nach der CIC-Formel in Punkten gemessen und kann mit Medaillen prämiert werden. Das Präparat ist darüber hinaus ein dekoratives Erinnerungsstück.

Wie eine professionelle Trophäenpräparation abläuft, zeigt der JÄGER im Beitrag „Jagdtrophäen präparieren: Interview mit einem Experten“.

Dachsfett und -fell für Lederpflege und Wärme

Sobald die kalte Jahreszeit kommt, schaltet Grimbart einen Gang zurück und verbringt den Großteil des Winters in seiner Burg. Möglich macht das ein ordentliches Fettpolster, das er sich über Sommer und Herbst anlegt.

Ausgelassen ergibt Dachsfett eine vorzügliche Lederpflege. Ob Bergstiefel, Gürtel oder Gewehrriemen: Das Naturmaterial hält Leder weich und widerstandsfähig.

Auch das sogenannte „Dachsfell“ war ein altes Hausmittel. In der Heilkunde wurde es gegen Verspannungen und Kreuzschmerzen geschätzt. Das hohle Dachshaar wurde zu Nierengurten und Wärmeauflagen verarbeitet. Dabei liegen die Haare entgegen der Wuchsrichtung direkt auf der Haut und sollen die Durchblutung anregen.

Dachs verwerten: Ein Knochen für Kenner

Wie viele Hundeartige besitzt auch der Dachs als Mardervertreter einen Penisknochen. An seiner Form lässt sich die Artzugehörigkeit ablesen. Damit ist er eine seltene Trophäe, die sich außerdem eignet, das Wissen von Jungjägern oder Jagdschülern auf die Probe zu stellen.

Über die reine Trophäe hinaus galt der Penisknochen von Dachs, Fuchs und Bär in der Heilkunde und im Aberglauben einst als Talisman, der dem Mann die Lenden stärken sollte.

Schwarte als Erinnerung

Eine gegerbte Dachsschwarte ist in jedem Jagdzimmer ein echter Blickfang. Neben dem silbrigen Haarkleid und der kontrastreichen Maske ziehen vor allem die kräftigen Grabkrallen den Blick auf sich. Auch die Sommerschwarte eignet sich dafür.

Wer sich für die Präparation eines erlegten Tieres interessiert, sollte sich vorab über die Arbeit eines guten Präparators informieren.

Dachs als Wildbret verwerten

Kann man Dachs essen? Ja – der Dachs eignet sich auch für die Wildküche. Sein Speiseplan ähnelt dem der kulinarisch akzeptierten Schwarzkittel.

Wie bei anderen Allesfressern muss das Fleisch vor dem Verzehr auf Trichinen untersucht werden. Die Schulung zur Probenentnahme bei den entsprechenden Tierarten übernimmt das zuständige Veterinäramt.

Neben Klassikern wie Gulasch oder Braten wandern vor allem die kräftigen Keulen gern in eine Pökellake und anschließend in die Räucherkammer. Das Ergebnis ist ein würziger Schinken.

Sohle aus dem Bau

Über den Vorleger hinaus war die Dachsschwarte früher als Gesundheitsfell geschätzt. Schon Hildegard von Bingen empfahl Schuhe aus Dachsleder als zuträglich für Fuß und Bein.

Das feste, zugleich wärmende Material ließ sich leicht zu Einlegesohlen verarbeiten. Bis heute bieten einzelne Gerbereien gegerbte Dachsschwarte ausdrücklich zur Weiterverarbeitung zu Schuheinlagen oder Rückengurten an.

Der „Dachs“ auf dem Rücken

Dachsleder fand seine Verwendung in verschiedenen Versionen von Tragebeuteln. Aus den festen Schwarten fertigte man Jagdtaschen. Die besten Schwarten dienten als Deckel für Tornister.

Eine eigene Rolle spielte der Dachs beim Militär: Mit Kabinettsorder vom 18. März 1834 erhielten die preußischen Jäger einen neuen Tornister, dessen Klappe aus Dachsschwarte gearbeitet war. Der Korpus bestand wie zuvor aus Kalbfell, doch die Dachsklappe gab dem Stück seinen Namen. Im Soldatenmund hieß der Tornister fortan schlicht „der Dachs“.

So trug der Jäger-Soldat ein Stück erlegtes Wild buchstäblich auf dem Rücken. Für eine akkurate militärische Geschichtsdarstellung dieser Zeit ist eine Dachsschwarte daher unerlässlich.

Dachs als Vollkörperpräparat

Gerade der erste erlegte Dachs oder ein besonders starkes Stück eignet sich für ein Vollkörperpräparat. Der maskierte Schwarzenträger ist und bleibt ein Blickfang.

Wer einen Dachs präparieren lässt, sollte naturnahe Szenen wählen und auf einen guten Präparator mit Referenzen achten. Vielleicht kostet eine hochwertige Arbeit ein paar Euro mehr, doch die Investition lohnt sich. Wer stellt sich schon gern ein „Dachsmonster“ ins Jagdzimmer?

Wer sich für ein Präparat entscheidet, sollte zuvor Arbeiten des „Meisters“ gesehen haben. © AdobeStock / Clarini

Dachs verwerten: Das Dachsfett zum Braten

Nicht nur als Salbengrundlage oder Lederpflege taugt das Weiße. Sauber ausgelassen und durch ein Tuch gefiltert, ergibt es ein kräftiges Bratfett.

Wie beim Schmalz vom Schwarzwild lässt sich damit allerlei anbraten. Manch einer schätzt den herzhaften Eigengeschmack, der an die Nahrung des Allesfressers erinnert.

Dachs Fett verwerten

Schmalzmann liefert nicht nur Wildbret, sondern auch heilendes Fett. © Christian Schätze

Wichtig ist, das Fett bei kleiner Flamme auszulassen, damit es nicht verbrennt. Wer sich für die vielfältige Verwendung von Wild in der Küche interessiert, findet beim JÄGER weitere Inspiration in der Wildküche.

Dachshaar als Hutschmuck und Rasierpinsel

Den Bart als Hutschmuck kennt man von Gams, Hirsch und Sau zur Genüge. Auch die dichte Winterschwarte des Dachses gibt einen stattlichen Bart her, der sich rupfen und in schmucker Fassung am Hut tragen lässt.

Doch Dachshaar kann noch mehr: Ein Rasierpinsel aus echtem, dazu noch selbst erlegtem Dachshaar ist ein erlesenes Stück für die tägliche Rasur. Damit wird aus einem Nebenprodukt der Jagd ein langlebiger Gebrauchsgegenstand.

Dachsfett für Salben

Auch jenseits der Lederpflege ist Dachsfett gefragt. Wegen seines hohen Anteils entzündungshemmender Stoffe (Kortikosteroide) schwören gerade Menschen mit Gelenkleiden wie Rheuma auf die Geheimzutat aus dem Revier.

Das Fett kann hierbei für die Herstellung von Salben, aber auch als direkte Einreibung genutzt werden. Neben der Nutzung von tierischen Produkten hat die Jagd auch bei anderen Wildarten zahlreiche traditionelle Verwertungswege hervorgebracht.

Dachs verwerten: Schwarte trifft Schottenrock

Robust und unempfindlich war die gegerbte Schwarte zudem ein geschätzter Grundstoff für strapazierfähige Kleidungsstücke.

Zu wahrer Berühmtheit brachte es Grimbart in Schottland: Der Sporran, jene am Kiltgürtel getragene Felltasche, wird in seiner ältesten Form aus einem ganzen Dachsfell gefertigt, dessen Kopf als Deckel dient.

Dachs Kleidung Sporran

In Schottland wird aus der Dachsschwarte eine ganz besondere Tasche (Sporran) gefertigt. © AdobeStock / Kelvin Cantlon

Zum Öffnen hebt man schlicht den Nasenschwamm des Dachses an. Bei mehreren Highland-Regimentern blieb der Dachs-Sporran den Offizieren vorbehalten, während die Mannschaften eine schlichtere Variante aus Ziegenfell trugen.

Dachsfett zu Seife verarbeiten

Auch zu Seife lässt sich Dachsfett sieden. Mit einer Lauge gekocht – heute meist Natron- oder Kalilauge, früher genügten Pottasche und Holzasche –, zerfällt das Fett in Glycerin und die Salze der Fettsäuren.

Dadurch entsteht zunächst Rohseife. Diese lässt sich anschließend mit Aromastoffen wie Kräutern weiter veredeln. Ein bewusst gehaltener Fettüberschuss macht das Stück mild und rückfettend, sodass es die Haut beim Waschen schont.

Wer das Weiße seines erlegten Schmalzmanns auf diese Weise nutzt, lässt ein altes Handwerk auferstehen, das man hierzulande über Generationen pflegte.

Dachskrallen als Schmuck

Die kräftigen Grabkrallen taugen über die gegerbte Schwarte hinaus auch als eigenständiges Schmuckstück.

Gefasst, durchbohrt oder an einem Lederband getragen, geben sie ein markantes Amulett ab, wie man es aus der Mittelalter- und Wikingerszene kennt. Dort sind Krallen, Zähne und Klauen als naturnaher Schmuck längst etabliert.

Mit ihrer kräftigen Biegung und dunklen Färbung fügt sich die Dachskralle bestens in dieses Bild ein und wird so vom bloßen Beifang zum getragenen Erinnerungsstück.

Dachszähne als Anhänger

Nicht nur Krallen taugen zum Schmuck. Auch die kräftigen Fangzähne des Dachses lassen sich dem Gebiss entnehmen und in Edelmetall fassen.

Zu Anhänger, Brosche oder Hutschmuck verarbeitet, erinnert der gefasste Fang an das erlegte Stück und reiht sich in die alte Tradition des Jagdschmucks ein.

Vor allem die Fangzähne alter Dachse haben durch braune Färbung und abgebrochene Spitzen einen ganz eigenen Charme. Auch an Trachtenschmuck wie dem Charivari findet man immer mal wieder Dachsfangzähne.

Fazit: Einen Dachs zu verwerten bedeutet mehr als Wildbret

Wer einen Dachs erlegt, kann deutlich mehr nutzen als nur das Wildbret. Dachsfett, Dachshaar und Dachsschwarte bieten ebenso vielfältige Möglichkeiten wie Schädel, Krallen und Fangzähne.

Einige dieser Verwertungswege sind heute nur noch historische Tradition. Andere – etwa die Nutzung als Wildbret, Leder oder Trophäe – haben sich bis in die Gegenwart erhalten.

So wird aus der Jagd auf Grimbart nicht nur ein besonderes Stück Wildbret, sondern eine umfassende Nutzung des erlegten Wildes.