Luderplatz richtig anlegen: Tipps für Standort, Luder und Ansitz

Ein gut angelegter Luderplatz ist im Niederwildrevier Gold wert. Doch einfach irgendwo Luder auszulegen und auf den Fuchs zu warten, reicht nicht. Jens Krüger erklärt die richtige Strategie.

Fuchs liegt im Schnee

Füchse lassen sich oft im letzten Licht blicken und dann auch erlegen. © Eike Mross

Standort, Wind, Kirrmaterial und die Gewohnheiten des Raubwildes entscheiden darüber, ob der Platz angenommen wird. Wer seinen Luderplatz sorgfältig auswählt, kontinuierlich beschickt und die Annahme kontrolliert, schafft beste Voraussetzungen für spannende Ansitze auf Fuchs und anderes Raubwild.

Luderplatz anlegen: So wird´s gemacht!

Ein Luderplatz ist keine Futterstelle, sondern eine Bejagungshilfe. Ziel ist es, Raubwild an einen bestimmten, für den Jäger günstig gelegenen Platz zu gewöhnen und dort gezielt zu bejagen. Dabei macht man sich auch das natürliche Verhalten des Fuchses zunutze. Findet er mehr Nahrung, als er auf einmal aufnehmen kann, legt er Vorräte an und vergräbt einen Teil seiner Beute. An diese Verstecke erinnert er sich und sucht sie später wieder auf.

Genau daran kann die Anlage eines Luderplatzes anknüpfen. Statt große Mengen offen auszulegen, werden kleine Brocken verteilt und abgedeckt oder in flachen Löchern vergraben. Der klassische Luderschacht, in dem sich über längere Zeit übel riechende Reste sammeln, ist dafür nicht zwingend notwendig. Frisches Kirrmaterial und ein auf das Verhalten des Raubwildes abgestimmter Platz können wesentlich sinnvoller sein.

Fuchs gräbt

Je mehr kleine Gaben der Fuchs suchen muss, desto länger ist er beschäftigt und desto eher kommt er wieder! © Eike Mross

Wo liegt der perfekte Luderplatz?

Der beste Köder nützt wenig, wenn der Luderplatz an der falschen Stelle liegt. Entscheidend ist, das Raubwild dort abzuholen, wo es ohnehin unterwegs ist. Hecken, Feldraine, Feldgehölze und Waldränder sind deshalb interessante Standorte. Auch kleine Baumgruppen, Brachen oder Schilfflächen kommen infrage.

Beobachtungen im Revier und das Abspüren verraten, welche Pässe Fuchs und anderes Raubwild regelmäßig nutzen. Gleichzeitig muss der Standort für den Jäger praktikabel sein. Ein theoretisch perfekter Platz bringt wenig, wenn er nur schwer erreichbar ist. Schließlich muss regelmäßig neues Kirrmaterial ausgebracht und später möglichst unbemerkt der Ansitz erreicht werden.

Auch die Hauptwindrichtung gehört bereits bei der Planung auf den Prüfstand. Der Wind darf die Witterung des Jägers nicht zum erwarteten Raubwild tragen. Der Pirschweg sollte deshalb ebenfalls so verlaufen, dass er die bekannten Pässe nicht kreuzt. Nicht zuletzt spielt die Umgebung eine Rolle. Luderplätze sollten fernab von Wanderwegen und öffentlichen Einrichtungen liegen, sodass ausgelegtes Luder bei anderen Menschen keinen Anstoß erregt. Wasserschutzgebiete scheiden als Standort aus.

Erst testen, dann kirren

Ist ein geeigneter Standort gefunden, muss daraus nicht sofort eine aufwendige jagdliche Einrichtung werden. Zunächst gilt es herauszufinden, ob Raubwild die Stelle tatsächlich frequentiert. Dazu kann man beispielsweise einige Hühnereier offen auslegen. Verschwinden sie regelmäßig, werden die nächsten Eier beziehungsweise kleine Kirrbrocken vergraben. Dafür genügt bereits ein flaches Loch von etwa einem Drittel Spatenstich.

Das Prinzip bleibt auch später gleich: lieber kleine Portionen anbieten und das Raubwild suchen lassen, statt große Mengen offen auszulegen. Die Kirrbrocken kann man zusätzlich abdecken. Dafür hat sich beispielsweise Pferdemist bewährt. Er schützt das Luder vor Fressfeinden aus der Luft, beschäftigt Fuchs und Co. länger mit der Suche und kann bei Frost zusätzlich von Vorteil sein. Wichtig ist vor allem eines: Hat sich der Luderplatz etabliert, sollte das Raubwild dort zuverlässig etwas finden. Kontinuität macht den Platz interessant.

Pferdemist am Luderplatz

Luderplätze sollten frühzeitig angelegt und mit Pferdemist verblendet werden. © Jens Krüger

Welches Luder lockt Fuchs & Co.?

Beim Kirrmaterial gibt es nicht das eine Patentrezept. Je nachdem, was im Revier zur Verfügung steht, kommen unterschiedliche Materialien infrage. Bewährt haben sich unter anderem:

  • kleine Portionen von Wildbret
  • Innereien wie Pansen, Herz, Niere, Leber oder Lunge
  • Auch Rehaufbruch wird genutzt

Praktisch ist es, geeignetes Material portionsweise einzufrieren. So lässt es sich nach Bedarf aus der Truhe nehmen und ins Revier bringen. Gleichzeitig bleiben Geruch und Verschmutzung beim Transport überschaubar. Auch Eier werden von Raubwild gerne angenommen und eignen sich insbesondere dazu, einen neuen Platz zunächst zu testen.

Entscheidend ist weniger eine vermeintliche Geheimzutat als die regelmäßige Beschickung. Je nach Revier kann es sich durchaus lohnen, mit unterschiedlichen Materialien Erfahrungen zu sammeln.

Wichtig: Welche Materialien aktuell als Luder verwendet werden dürfen und welche Vorgaben für Kirrungen gelten, sollte vorab anhand der jeweils geltenden rechtlichen und regionalen Bestimmungen geprüft werden.

Warum Kontinuität am Luderplatz entscheidet

Ein guter Luderplatz entsteht nicht erst am Nachmittag vor dem geplanten Fuchsansitz. Das Raubwild muss lernen, dass sich ein Besuch lohnt. Deshalb sollte der Platz kontinuierlich unterhalten werden. Dabei geht es nicht darum, große Futtermengen auszubringen. Kleine Portionen reichen aus, solange regelmäßig etwas zu finden ist. Auch außerhalb der eigentlichen Zeit intensiver Raubwildbejagung kann man den Platz bekannt halten.

Eine Möglichkeit besteht darin, einmal wöchentlich einige Eier zu vergraben. Wird später häufiger geludert, kennt das Raubwild die Stelle bereits. Das bedeutet gleichzeitig: nicht ständig am Luderplatz sitzen. Besser ist es, lange und zuverlässig zu kirren und gezielt dann anzusitzen, wenn die Beobachtungen dafür sprechen.

Unsichtbare Gäste im Blick behalten

Eine Wildkamera gehört zu den wertvollsten Helfern am Luderplatz. Denn verschwundenes Luder allein verrät noch nicht, wer sich bedient hat. Die Kamera zeigt, welches Wild den Platz besucht und ob sich eine gewisse Regelmäßigkeit erkennen lässt.

Damit bekommt der Jäger wichtige Informationen für die Planung seiner Ansitze, ohne ständig selbst am Platz kontrollieren zu müssen. Gerade bei einem neu angelegten Luderplatz lässt sich so nachvollziehen, ob der gewählte Standort funktioniert oder ob Veränderungen notwendig sind.

Ansitz am Luderplatz richtig planen

Ist der Luderplatz angenommen, entscheidet der richtige Ansitz darüber, ob aus den Vorbereitungen tatsächlich Jagderfolg wird. Füchse und andere Prädatoren reagieren auf kleinste Störungen. Geräusche, Bewegung oder menschliche Witterung können genügen, um einen erfahrenen Fuchs misstrauisch werden zu lassen. Eine geschlossene Kanzel oder ein Ansitzwagen kann deshalb von Vorteil sein. Geräusche werden gedämpft, der Jäger ist vor Wind und Wetter geschützt und kann länger ruhig ausharren.

Eine weitere Möglichkeit sind zwei Ansitze auf unterschiedlichen Seiten des Luderplatzes. Liegt beispielsweise einer nördlich und einer südlich, kann man abhängig von der aktuellen Windrichtung den passenderen Sitz wählen.

Ebenso wichtig ist der Weg dorthin. Ein kurzer und leiser Pirschweg verhindert unnötige Unruhe im Revier. Bekannte Pässe des Raubwildes sollte man dabei keinesfalls kreuzen. Und Geduld zahlt sich aus: Ist ein Stück Raubwild erlegt, muss der Ansitz nicht automatisch beendet sein. Ein gut angenommener Luderplatz kann in einer Nacht von mehreren Prädatoren angelaufen werden.

Hund und toter Fuchs

Sitzen bleiben lohnt sich am Luderplatz definitv, oft kommt weiteres Raubwild auf seinem Streifzug vorbei. © Jens Krüger

Mit der Schleppe zum Erfolg

Wird ein neuer Luderplatz noch nicht angenommen, kann eine Schleppe helfen, Raubwild darauf aufmerksam zu machen. Dafür wird geruchsintensives Material beispielsweise entlang einer Waldkante in Richtung des Luderplatzes gezogen. Als Schleppmaterial können etwa Lunge, Pansen oder andere geeignete Teile verwendet werden. Fett ist ebenfalls interessant, weil darin Geruchspartikel gebunden bleiben und die Witterung auch bei Frost länger erhalten bleibt.

Zusätzlich kann man auf der Schleppe vereinzelt kleine Kirrbrocken ablegen. Je nach Ansitz und Windrichtung lassen sich sogar mehrere Schleppen zum selben Platz führen. Eine solche Schleppe kann ihre Wirkung über zwei bis drei Tage behalten. Alternativ werden im Ausgangsmaterial auch Lockstoffe oder beispielsweise Wurstwasser genannt. Entscheidend ist das Prinzip: Das suchende Raubwild soll auf die interessante Witterung stoßen und dieser bis zum eigentlichen Luderplatz folgen.

Aufbruch wird zum Luderplatz gezogen

Echtes Schmankerl! Zieht man im Winter einen Aufbruch auf den Luderplatz zu, kommt der Fuchs oft wie auf Schienen angeschnürt. © Eike Mross

Luderschacht oder vergrabenes Luder?

Der traditionelle Luderschacht ist vielen Jägern bekannt. Ein Rohr führt in den Boden und wird regelmäßig mit Luder bestückt. Allerdings haben sich die Methoden am Luderplatz weiterentwickelt. Eine Alternative besteht darin, frisches Kirrmaterial in kleinen Portionen oberflächennah zu vergraben und damit stärker an das natürliche Such- und Vorratsverhalten des Fuchses anzuknüpfen. Gleichzeitig lassen sich alte, stark riechende Ansammlungen von Luder vermeiden.

Ganz ausgedient hat der Luderschacht dennoch nicht. Bei hartem Frost oder wenn der Jäger bewusst mit einem solchen System arbeitet, kann ein sauber angelegter Schacht weiterhin eine Möglichkeit sein. Beschrieben wird etwa ein Betonrohr mit rund 25 Zentimetern Durchmesser und einem herausnehmbaren Holzklotz am unteren Ende, wodurch sich die Konstruktion reinigen lässt. Welche Variante besser funktioniert, hängt letztlich auch von den Bedingungen im jeweiligen Revier ab.

Wie viele Luderplätze braucht ein Revier?

Statt sämtliche Hoffnungen auf einen einzigen Luderplatz zu setzen, können mehrere Plätze sinnvoll sein. Im Ausgangsmaterial wird auf Erkenntnisse aus der Wildtierforschung verwiesen, wonach das nächtliche Jagdgebiet im Durchschnitt bei rund 200 Hektar liegt und sich Territorien überschneiden können.

Mehrere Luderplätze bieten außerdem einen ganz praktischen Vorteil: Je nach Windrichtung kann auf einen anderen Platz ausgewichen werden. Die reine Anzahl ist jedoch nicht alles. Wenige sorgfältig ausgewählte und kontinuierlich unterhaltene Luderplätze sind nur dann hilfreich, wenn sie zu den Wechseln des Raubwildes und zu den Ansitzmöglichkeiten im jeweiligen Revier passen.