Nachsuchen haben die Eigenart, dass man oftmals an Orten landet, von denen man nicht einmal erahnt hätte, dass es sie gibt. So auch in diesem Fall einer Suche zwischen Urwald, Morast und Kleingartensiedlung. Gerufen wurden wir zur Nachsuche auf einen Keiler, der von den Landwirten der Region in einem Gemeinschaftsprojekt angebleit worden war.
Nachdem im Zuge der Kitzrettung in einem Revier am Rand der Lüneburger Heide im angrenzenden Weizen eine dicke Sau aufgetaucht war, stellten die Landwirte die Fläche voller Vorfreude ab. Einer ging rein, um den Schwarzkittel hochzumachen, welcher auch aufstand und flüchtete.
Zweimal beschossen, war das Stück jedoch nicht tödlich getroffen. Die Sau flüchtete über eine Wiese, die leider unmittelbar nach dem Schuss gemäht wurde.
Erschwerte Nachsuche: Wenn Pirschzeichen verloren gehen
Logischerweise waren all unsere Pirschzeichen einmal abrasiert und danach gequirlt worden, als wir am Ort des Geschehens eintrafen. Knochensplitter oder gar Schweiß waren sicherlich überall, nur nicht dort, wo sie ursprünglich einmal hingehörten.
Doch aller Umstände zum Trotz: Mein BGS „Rambo“ kämpfte sich wacker über die Grasschwaden, über eine Brachfläche, und dann ging es in einen Graben und hinein in einen dichten Brombeerverhau. Hier fand sich dann tatsächlich auch die erste Bestätigung in Form von Schweiß. Wenige Tropfen nur, aber immerhin.
Von dort aus querte der Schwarzkittel einen großen, schwarzen Acker, auf dem die Fährte gut zu halten war. Von dort aus ging es wiederum durch den Wald, vorbei an einem Mann mit Stativ und Fotoapparat, der mitten in der Dickung seinen Hund fotografierte.
Er schaute ganz verdutzt ob der Szene, die wir ihm boten, allerdings sah auch seine Knipserei etwas skurril aus. Wir wunderten uns gegenseitig übereinander und zogen unseres Weges.
Immer wieder hatten wir Bestätigung. So konnte es weitergehen. Hatte die Sau sich bislang noch im Dickicht aufgehalten, steuerte sie nun Richtung Zivilisation. Was uns da noch alles blühen würde, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Ein Waldhaus mit Sau: Die Wundfährte führt durch den Garten
Es ging munter weiter durch die Fichtenschonungen, und dann kamen wir mitten im Wald plötzlich an ein Haus. Dummerweise führte die Fährte direkt auf den Naturzaun des Gartens zu und schien einmal quer hindurchzuführen.
Nach kurzem Warten kam schließlich auch der Bewohner heraus und erklärte, dass vor zwei Stunden „ein großes Wildschwein“ seinen Garten gequert hätte.
War unser Verdacht also doch richtig gewesen! Er jedoch hatte sich darüber nicht gewundert, da häufiger Sauen über das Grundstück wechseln würden. Er ließ uns die Suche fortsetzen, und nach einigen Widergängen in den kleinen Fichtendickungen ging es weiter.
Schließlich kamen wir wieder durch eine Fichtendickung, vorbei an Forellenteichen und wieder auf ein weiteres Haus zu. Hier waren jetzt zwei Waldbewohner am Holzsägen. Um ohne Hund verhandeln zu können, ließ ich „Rambo“ bei meinem Begleiter Janek zurück und fragte die beiden, ob sie die Sägearbeiten kurz unterbrechen würden, sodass wir unsere Suche fortsetzen konnten.
Die beiden waren einverstanden, und so kamen wir am nächsten Hausgarten vorbei. Damit jedoch nicht genug. Die Fährte führte uns noch weiter Richtung Zivilisation. Warum auch immer, die Sau schien sich nicht stecken zu wollen und schien stattdessen einen Garten nach dem anderen anzuwechseln.
Der Keiler und der bierdurstige Nackedei
Am nächsten Grundstück angekommen, wurde das Terrain regelrecht morastig. Alles war deutlich naturnäher bepflanzt, und inmitten seiner Oase stand ein kugelrunder Heidjer, der nackt duschte und dabei seinen prallen Bierbauch massierte.
Beim Anblick des durchtrainierten Schweißhundes und der beiden „Müllmänner mit Waffe auf dem Rücken“ schien er zunächst etwas verdutzt. Wir kamen kurz mit dem „Keiler-Anrainer“ ins Gespräch, wenngleich er sich über unser Vorhaben stark zu wundern schien. Auch er hatte die Sau Wechseln sehen, ließ sich davon allerdings offensichtlich nicht bei seiner FKK-Leidenschaft stören.
Im Adamskostüm erklärte er sich damit einverstanden, dass wir den Schwarzkittel auch hier nachsuchen dürften.
Schweißhund Rambo nimmt die Fährte wieder auf
„Dann geht halt mal schauen“, so der korpulente Nackedei. Im Garten hatten wir dann glücklicherweise auch wieder Bestätigung, und so zog „Rambo“ mit ordentlich Tempo vom FKK-Grundstück. Worüber wir, ehrlich gesagt, auch froh waren. Nicht nur, weil wir der kranken Sau ein Stück näher waren und der Bierbäuchige weiter duschen konnte. Von der FKK-Oase aus ging es dann weiter in ein sumpfigeres Gebiet.
Ende gut, alles gut: Fangschuss auf der Pferdekoppel
Wir suchten immer weiter in dieser Mischung aus Morast und Kleingartensiedlung, unsicher, was uns als Nächstes erwarten würde.
Doch nach einigen hundert Metern wurde die Sau dann tatsächlich aus einem der Matschlöcher hoch. Sie zog einen Hinterlauf hinterher und flüchtete schwerfällig. Ich schnallte den Hund, der sofort die Hatz begann und das Keilerchen nach einigen Metern stellte, sodass ich einen Fangschuss antragen konnte.
Ungewöhnliches Ende einer erfolgreichen Nachsuche
Während der Hatz musste ich feststellen, dass wir bereits das nächste Haus mit einer Pferdekoppel im Rücken hatten. Auch hier, mitten im Wald, schien jemand zu wohnen.
Ich hatte den Schwarzkittel gerade erlöst, da kam eine Frau auf uns zu. Sie schien zur Pferdekoppel zu gehören, zeigte sich dann aber auch sehr verständnisvoll, als sie erfuhr, warum wir hier so einen Krach gemacht hatten. „Ja, ja, Schweine gibt es hier viel zu viele“, lautete ihr Fazit. Sie bot uns dann noch ihre Schubkarre an, sodass wir mit Karre, Hund und Keilerchen von dannen ziehen konnten.












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