Es gibt diese besonderen Abende, an denen die Natur noch ganz bei sich ist. Nebel liegt über dem Wasser, die Wiesen werden feucht, die Sonne geht langsam unter. Noch ist es still – nur das leise Knacken eines Schrittes, das Rascheln des Schilfs und der Atem eines Hundes, der längst weiß, warum er hier ist, durchbrechen die Stille. Mit einem guten Vorstehhund auf den Entenstrich zu gehen, ist mehr als das gemeinsame Jagen von Wild. Es ist ein Zusammenspiel, das bei mir noch immer für Gänsehaut sorgt.
Unsere Hunde können uns lesen. Sie wissen, wann ein leises Kommando genügt, wann sie selbstständig handeln dürfen. Hier braucht es Ruhe, Erfahrung und einen Jagdhelfer, der seine Nase einsetzen kann und dabei immer mit einem Teil seiner Aufmerksamkeit bei seinem Jäger bleibt. Gewachsenes Vertrauen … passender kann ich es nicht beschreiben. Wie der Weg zu guter Wasserarbeit mit dem Jagdhund aussehen kann, sollen die folgenden Schritte veranschaulichen.
Warum Wasserarbeit für den Jagdhund an Land beginnt
Ein sehr wichtiges Fundament ist der Apport. Hier zeigt sich, wie triebstark und lösungsorientiert unsere Partner auf vier Beinen arbeiten. Der zuverlässige Apport ist weit mehr als das bloße Bringen von Wild. Der Hund soll dabei ruhig bleiben, sich konzentrieren, das gefundene Wild sicher aufnehmen und ohne Umwege zu seinem Führer zurückkehren.
Dabei geht es nicht um Schnelligkeit um jeden Preis, sondern um Sicherheit, Ruhe und Vertrauen. Er muss gelernt haben, Wild mit Respekt und zugleich sicher zu greifen. Auch schwierige Gelände- und Wasserstellen anzunehmen und sich auf die Aufgabe zu konzentrieren, selbst wenn Gerüche, Bewegung oder andere Reize ihn ablenken, gehört dazu. Genau hier zeigt sich, dass Ausbildung nicht aus blindem Gehorsam besteht.

Bevor es an die Ente und ins Wasser geht, muss der Apport mit dem Dummy sicher sitzen. © Sebastian Grell
Apportieren, die Basis
Aufnehmen – tragen – zurückkommen – vorsitzen – abgeben.
Erst wenn diese Kette zuverlässig funktioniert, wird die Umgebung schwieriger. Dabei sollte zunächst mit einem Dummy oder Apportiergegenstand gearbeitet werden. Die Ente kommt erst später ins Spiel.
Der erste Kontakt mit dem Wasser sollte möglichst positiv und unspektakulär erfolgen. Der Hund muss nicht sofort schwimmen. Wichtig: niemals die Wasserfreude erzwingen. Ein Hund, der ins Wasser geworfen oder hineingezogen wird, kann lernen, dass Wasser mit Stress verbunden ist.
Start der Wasserarbeit mit dem Jagdhund
Ufer – flaches Wasser – tieferes Wasser – Schwimmen – Apport im Wasser.
Die ersten Wasserarbeiten sollten kurz sein. Lieber drei erfolgreiche Wiederholungen als zehn, bei denen der Hund irgendwann ermüdet oder hektisch wird. Dabei wird das bisher bekannte Apportieren mit dem Wasser verbunden. Das Apportel wird zunächst nur wenige Meter vom Ufer entfernt ins Wasser gelegt oder geworfen.
Bei der Arbeit an und im Wasser sind Halsungen absolut tabu! Auch Westen oder Geschirre können zur tödlichen Falle werden, wenn sie sich in der Vegetation verfangen.
Der Ablauf der Arbeit bleibt immer gleich:
Kommando – schicken – aufnehmen – zurückschwimmen – vorsitzen – abgeben.
Keine hektischen Bewegungen, kein mehrfaches Rufen und kein ständiges Korrigieren. Der Hund soll lernen: „Ich kenne meine Aufgabe. Mein Führer vertraut mir.“ Genau dieses Vertrauen ist später bei einer echten Wasserarbeit von unschätzbarem Wert. Ein Jagdhund soll am Wasser nicht ausschließlich auf Sicht arbeiten. Die eigentliche Qualität des Apports zeigt sich häufig dann, wenn der Hund nicht genau weiß, wo sich das Wild befindet. Deshalb wird der Nasengebrauch schrittweise aufgebaut.
Zunächst sollte ein Apportel so platziert werden, dass der Hund es nicht unmittelbar beim Fallen sieht. Der Hundeführer kennt die Stelle und schickt den Vierläufer ins Suchgebiet. Der Hund sucht zunächst am Ufer, später im flachen Wasser und schließlich auch in dichterer Ufervegetation. Dabei sollte der Führer nicht jeden Schritt kommentieren. Ein guter Jagdhund muss selbstständig suchen dürfen.
Was muss der Jagdhund bei der Wasserarbeit können?
- Sich am Gelände orientieren
- Die Witterung aufnehmen
- Die Witterung über das Wasser verfolgen
- Selbstständig den Dummy finden und aufnehmen
- Sicher zurückkehren
Dann kommt die Kombination aus Nase und Wasser. Die Aufgaben werden miteinander verbunden. Der Vierbeiner sieht beispielsweise, dass ein Dummy ins Wasser fällt, verliert aber anschließend die genaue Fallstelle aus den Augen. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen einem Hund, der lediglich gelernt hat, „ins Wasser zu laufen“, und einem Hund, der wirklich arbeitet.

Lernt der Hund sauber zu apportieren und auszugeben, kommt Struktur in die Arbeit. © Sebastian Grell
Von der Attrappe bis zur echten Ente
Erst wenn der Wasserapport mit dem Dummy zuverlässig funktioniert, sollte die Ente hinzukommen. Die Ente ist für den Hund etwas völlig anderes. Sie riecht anders, fühlt sich anders an, ist schwerer und kann – abhängig von Situation und Zustand – zusätzliche Reize erzeugen. Deshalb sollte die erste Begegnung mit der toten Ente kontrolliert und ruhig erfolgen.
Wichtig ist dabei insbesondere ein ruhiges Aufnehmen. Der Hund soll die Ente nicht zerbeißen, schütteln oder damit herumspielen. Es wird die bisher bekannte Apportroutine beibehalten. Um die Kondition und auch den Finderwillen zu stärken, wird nun die Ente im tieferen Wasser gearbeitet. Hierbei wird die Entfernung zur apportierenden Ente stetig vergrößert. Auch das Schießen am Wasser kann hierbei geübt und gefestigt werden.
Wie selbstständig sollte ein Jagdhund bei der Wasserarbeit sein?
Wichtig ist das Timing, sodass der Hund den Schuss mit dem „Beutemachen“ verknüpft und so der Finderwille gestärkt wird und eine mögliche Schussscheue erst gar nicht entstehen kann. Bei der Verlorensuche wird die Ente so platziert, dass der Hund sie selbstständig suchen muss. Der Hundeführer kennt das Suchgebiet, aber nicht jeder einzelne Schritt des Hundes wird vorgegeben. Hier entsteht die eigentliche Qualität der Arbeit.
Die besondere Kommunikation zwischen Hund und Hundeführer wird bei der Arbeit am Wasser besonders deutlich. Der Hund kann häufig nicht mehr jeden Gesichtsausdruck des Hundeführers erkennen oder die Kommandos hören. Wind, Wasserbewegung, Vegetation und Entfernung erschweren die Orientierung. Die ist meist auch nicht nötig, denn je mehr der Hundeführer eingreift, desto nachhaltiger wird der Hund in seiner eigentlichen Passion gestört.
Jagdhund bei der Wasserarbeit: Entscheidungskraft stärken
Kein Eingreifen, Rufen oder gar einen „Rumpelstilzchentanz aufführen“ – Geduld üben und lernen, seinen Hund zu lesen, lautet die Devise. Ein guter Hundeführer gibt so viel Hilfe wie nötig und so wenig wie möglich. Der Hund lernt dadurch, eigene Entscheidungen innerhalb des ihm gesetzten Rahmens zu treffen. Und genau das macht später den zuverlässigen Jagdhelfer aus.
Die Anforderungen im und am Wasser sollten immer nur in kleinen Schritten erhöht werden.
- Distanz
- Tiefe
- Vegetation
- Wind
- Wellen
- eingeschränkte Sicht
- fremdes Gewässer
- längere Wartezeit
- Verlorensuche
Nicht mehrere Schwierigkeiten gleichzeitig erhöhen. Wenn der Hund beispielsweise den Apport auf 20 Meter sicher beherrscht, sollte nicht gleichzeitig die Entfernung verdoppelt, ein dichter Schilfgürtel eingebaut und ein neues Gewässer gewählt werden.
Klare Struktur schafft Sicherheit
Kleinschrittigkeit und Routine in immer wiederkehrenden Abläufen schaffen Sicherheit. Jede Trainingseinheit sollte möglichst mit einem Erfolg enden. Ein Hund, der fünf Mal erfolgreich apportiert und anschließend aufhört, hat mehr gelernt als ein Hund, der zwölf Mal erfolglos und ohne Beute zurückkehrt. Er ist am Ende frustriert und erschöpft.
Wasserarbeit ist körperlich sehr anspruchsvoll. Kälte, Wind und Schwimmen ermüden einen Hund deutlich schneller, als viele Hundeführer vermuten. Deshalb:
Kurze Einheiten – klare Aufgaben – Erfolg – Ruhe.
Wenn der Hund bei der Verlorensuche nicht sofort findet, sollte der Führer nicht gleich eingreifen. Hat der Hund die Witterung noch nicht aufgenommen, darf er zunächst selbstständig arbeiten. Zeigt er Suchverhalten, sollte man ihn „laufen“ lassen. Erst wenn er deutlich aus dem Suchgebiet herausschwimmt oder offensichtlich die Orientierung verliert, kann der Hundeführer unterstützen.
Dabei sind ruhige, eindeutige Richtungszeichen oder bekannte Kommandos sinnvoll. Erst wenn Gehorsam und sauberer Apport aus dem Wasser sitzen, kommt die Arbeit an der lebenden Ente. Auch hier sind die oben genannten Regeln wie Routine, Ruhe, klare Struktur und selbstständiges Arbeiten entscheidend.
Der letzte Schritt der Wasserarbeit mit dem Jagdhund
Man kann erste Schwimmspuren bereits mit der toten Ente an einem ferngesteuerten Boot üben, indem man mit dem Boot eine Schleppe „fährt“. Bei der Arbeit an der lebenden Ente gilt es dann, die jeweiligen landesrechtlichen Bestimmungen zu beachten.
Wie das in Niedersachsen erforderliche „Entenbuch“ beispielsweise, das gewährleistet, dass nur die für die Ausbildung erforderliche Zahl an Enten gearbeitet wird. Sitzen alle Elemente, ist eine der spannendsten Jagden gemeinsam mit dem Hund der Mühe Lohn!
JÄGER auf der Messe Grünau 2026
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