Zeiss LRP S3: Long-Range-Zielfernrohr aus japanischer Fertigung

Die Traditionsfirma Zeiss lässt ihre Zielfernrohr-Serie LRP S3 nicht in Deutschland, sondern in Japan fertigen. Eberhard Venator hat das Long-Range-Zielfernrohr getestet und mit dem deutschen Primus LRP S5 verglichen.

1-Aufmacher-Zeiss-Zielfernrohr

Das Zeiss LRP S3 4-25x50 wurde auf einer Blaser R8 im Kaliber .270 WSM getestet. © Eberhard Venator

Für den jagdlichen Schuss auf große Distanzen oder kleine Ziele werden Zieloptiken gebraucht, die neben einer hohen Vergrößerung auch eine spezielle Ausstattung und ein für Weitschüsse geeignetes Absehen haben. Für Behördengläser werden dabei schnell Summen von 4.500 Euro und mehr aufgerufen.

Die deutsche Traditionsmarke Zeiss hat so etwas natürlich auch im Programm. Mit den Modellen aus der neuen LRP S3-Baureihe will Zeiss zeigen, dass man auch für weniger Geld High-End-Produkte anbieten kann. Angeboten werden die Modelle LRP S3 4-25×50 und 6-36×56. Auf den ersten Blick unterscheiden sie sich kaum von den sehr ähnlichen LRP S5-Zielfernrohren 3-18×50 und 5-25×56.

Zeiss LRP S3 und LRP S5: Wo liegen die Unterschiede?

Warum also bietet Zeiss zwei so ähnliche Baureihen an? Der Grund liegt in der Fertigung. Die LRP S3-Zielfernrohre sind deutlich günstiger (ab 2.500 Euro), denn sie werden nicht in Deutschland, sondern in Japan gefertigt. Zudem wird japanisches ED-Glas verwendet.

Bei der LRP S5-Serie (ab 4.000 Euro) setzt Zeiss auf FL-Linsen von Schott. Um festzustellen, ob bezüglich der optischen Leistung beim LRP S3 4-25×50 Abstriche gemacht werden müssen, haben wir es im Revier getestet und mit dem LRP S5 3-18×50 verglichen.

Großer Verstellbereich für präzise Weitschüsse

Die LRP-Serien sind völlig neu entwickelte Optiken und beheben ein altes Problem der Long-Range-Zielfernrohre von Zeiss: den zu kleinen Verstellbereich für echte Weitschüsse.

Unser Testglas hat einen Höhenverstellbereich von 160 MOA, was 465 cm auf 100 m entspricht. Bei der Seitenkompensation sind es 60 MOA. Das ist mehr als reichlich!

Schnellverstellung des Zeiss LRP S3

Groß und Griffig: Der Höhenverstellturm ist ungesichert, der Turm für die seitliche Treffpunktlage muss herausgezogen werden. © Eberhard Venator

Um diesen Bereich abzudecken, kann der Verstellturm mehr als fünfmal komplett gedreht werden. Nummern am Fuß des Turms zeigen an, in welcher Ebene man sich befindet. Alle Gläser haben ein 34 mm starkes Mittelrohr.

Verstellmechanik und beleuchtete Absehen in Rot und Grün

Bei der Verstellmechanik kann der Käufer zwischen MOA und MRAD wählen. Bei der MRAD-Verstellung, die auch unser Testzielfernrohr hat, entspricht ein Klick 1 cm auf 100 m und bei der MOA-Verstellung 7,3 mm.

Der Höhenverstellturm ist als Schnellverstellturm ohne Sicherung ausgelegt und lässt sich nullen, wobei auch ein einstellbarer Nullanschlag vorhanden ist. Der Seitenverstellturm hat eine „Verstellsicherung“. Er muss zunächst herausgezogen werden, um ihn drehen zu können.

Leuchtabsehen des Zeiss LRP S3

Leuchtabsehen und Parallaxenausgleich sind im linken Turm untergebracht. © Eberhard Venator

Bei der Absehensbeleuchtung ist neben dem üblichen Rot auch noch Grün integriert. Je Farbe gibt es fünf Helligkeitsstufen. In den Zwischenstufen ist das Leuchtabsehen aus. Eine automatische Abschaltfunktion gibt es auch.

In den niedrigen Stufen wird nur das kleine Fadenkreuz in der Mitte beleuchtet, in den höheren Stufen auch die Haltemarken. Der Drehregler sitzt links am Mittelrohr zusammen mit dem Parallaxenausgleich.

Absehen 16 und 17: Unterschiede für Sport und Jagd

Der Käufer hat die Wahl zwischen zwei Absehen und hier auch jeweils wieder mit MOA- oder MRAD-Einteilung. Absehen 16 ist eher etwas für Sportschützen, denn es besitzt eine „baumartige“ Primärstruktur mit übersichtlichen Haltemarken, Punkten und Referenznummern.

Absehen 16

Absehen 16 bei 5-facher Vergrößerung. © Eberhard Venator

Absehen 17 ist eher das Jagdabsehen und hat entlang des Fadenkreuzes Haltemarken und in den beiden unteren Quadranten Punkte, womit sich die Winddrift entlang der Flugbahn kompensieren lässt. Das feine Kreuz und der freistehende Punkt im Zentrum ermöglichen präzises Abkommen auch auf sehr kleine Ziele.

Absehen 17

Absehen 17 bei 25-facher Vergrößerung. © Eberhard Venator

Zeiss hat sich bei der Platzierung des Absehens an den Wünschen professioneller Nutzer orientiert und baut es in die erste Bildebene. Es vergrößert sich also beim Zoomen mit.

Der große Vorteil dabei ist, dass die Deckungsmaße des Absehens (Abstände der Markierungen) bei jeder Vergrößerung identisch bleiben. Das erleichtert das schnelle Schätzen von Entfernungen und Haltepunktkorrekturen enorm.

Zeiss LRP S3 4-25×50: Maße, Gewicht und Handhabung

Mit nur 340 mm Gesamtlänge ist das Zeiss zwar kurz, aber mit 1.040 g eher ein Schwergewicht. Bei vierfacher Vergrößerung steht ein Sehfeld von 9,5 m zur Verfügung. Der geschmeidig laufende Zoomring deckt den gesamten Vergrößerungsbereich von 4- bis 25-fach über eine halbe Umdrehung ab.

Positiv: Ein praktischer Schnellverstellhebel wird mitgeliefert. Am Zoomring sind drei Anschlussgewinde angebracht, sodass sich der Schnellverstellhebel für Links- oder Rechtshänder positionieren lässt. Der Dioptrienausgleich am Okularende reicht von -3 bis +3 dpt. Der Augenabstand von 80 bis 90 mm (je nach Vergrößerung) liegt im üblichen Rahmen.

Eigentlich ist die Optik in diesem Segment bei 300 Metern noch unterfordert. Aber in Deutschland sind Schießbahnen, auf denen man wesentlich weiter schießen kann, nur schwer zu finden und noch schwerer zugänglich, da es sich in der Regel um militärische Einrichtungen handelt. Jagdlich gesehen sind 300 Meter jedoch schon eine Ansage.

Zeiss LRP S3 im Praxistest auf 300 Meter

Wir haben das Zeiss LRP S3 4-25×50 mit einer Schnellspannsattelmontage von MAK auf eine Repetierbüchse Blaser R8 im Kaliber .270 WSM montiert. Die Absehensverstellung arbeitet mit gut fühlbaren und auch hörbaren Klicks sehr präzise.

Schnellverstellhebel am Zeiss LRP S3

Der Zoomring ist grob geriffelt und hat drei Anschlüsse für den Schnellverstellhebel. © Eberhard Venator

Auf dem 300-m-Stand zeigte sich, dass das Absehen trotz erster Bildebene auch bei voller Vergrößerung fein genug ist, um präzise den Mittelpunkt der Scheibe anvisieren zu können.

Das Bild ist brillant, sehr scharf und auch farbecht mit guter Randschärfe. Die Eyebox ist hervorragend und erlaubt einen sehr schnellen Anschlag. Die Außenlinsen haben die LotuTec-Beschichtung, was sie sehr pflegeleicht macht.

Zeiss LRP S3 gegen LRP S5: Ist der Preisunterschied gerechtfertigt?

Zum Vergleich wurde das Schwestermodell LRP S5 mit den Schott-Linsen herangezogen und abwechselnd die Scheibe (300 m) anvisiert. Weder der Tester noch zwei weitere Jäger konnten einen Unterschied feststellen. Das kann im Labor natürlich anders aussehen, doch ob sich der hohe Mehrpreis wirklich lohnt, muss jeder Schütze für sich entscheiden.

Fazit zum Zeiss LRP S3: Erstklassiges Zielfernrohr für weite Schüsse

Wer japanische Zielfernrohre bisher als zweitklassig angesehen hat, wird nach einem Blick durch das Zeiss LRP S3 eines Besseren belehrt werden. Sowohl Optik als auch Mechanik sind hervorragend. Der sehr große Verstellbereich ist für Nutzer interessant, die auch mal weiter als die üblichen 300 bis 400 m schießen wollen … oder müssen.

Jagdlich sollte man sich das jedoch gut überlegen, denn die Flugzeit des Geschosses ist bei Weitschüssen entsprechend lang. Und im Gegensatz zu einer Zielscheibe bewegt sich Wild nun einmal.

Wer seine Jagdbüchse aber auch mal für weite Schüsse auf dem Stand nutzen möchte, wird davon profitieren. Braucht man eine grüne Absehensbeleuchtung? Eine rote mit zehn statt fünf Stufen wäre vermutlich nützlicher. Ansonsten gibt es beim LRP S3 für 2.500 Euro wirklich nichts zu meckern.