Tripod für die Jagd: Wie viel präziser als Pirschstock und Trigger Stick?

Unser Autor Andy Spyra hat verschiedene Zielstöcke mit modernen Tripods für den jagdlichen Einsatz verglichen und getestet, welche Präzision auf 100 Meter möglich ist.

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Bombenfest: Verfügt das Tripod über eine Klemmung für die Waffe, sind sehr präzise Schüsse möglich. © Andy Spyra

Zielhilfen gibt es vermutlich so lange, wie es Büchsen gibt. Bereits aus dem Bürgerkrieg sind Aufzeichnungen über spezialisierte Marksman-Einheiten überliefert, die einfache Zielstöcke nutzten, um die effektive Reichweite ihrer Waffen zu erhöhen und Schüsse reproduzierbarer antragen zu können. Was damals aus militärischer Notwendigkeit entstand, ist heute fester Bestandteil moderner Jagdpraxis.

Von der traditionellen Zielhilfe zum modernen Jagdstativ

Aus dem zeitgemäßen Jagd- und Pirschbetrieb sind Ziel- und Pirschstöcke kaum noch wegzudenken. Sie existieren in nahezu unüberschaubarer Vielfalt: aus Holz, Metall oder Kunststoff, ein- oder mehrbeinig, leicht oder massiv, günstig oder hochpreisig. Allen gemein ist das Ziel, dem Schützen unter jagdlichen Bedingungen zusätzliche Stabilität zu verschaffen.

In den vergangenen Jahren hat sich dabei ein System zunehmend etabliert, das ursprünglich aus dem US-amerikanischen Raum stammt und nun auch bei uns verstärkt Verbreitung findet: das sogenannte Tripod.

Das moderne Tripod als nützliches Hilfsmittel für die Jagd

Bei einem Tripod handelt es sich dem Namen nach um einen Pirschstock mit drei Beinen. Technisch und funktional ist das System jedoch stärker an ein klassisches Fotostativ angelehnt als an herkömmliche Zielstöcke.

Moderne Jagd-Tripods zeichnen sich nicht nur durch eine hohe Standfestigkeit aus, sondern vor allem durch ihre auf Geschwindigkeit und Praxis ausgelegte Bedienung. Beinsegmente lassen sich meist bereits mit einer kurzen Viertelumdrehung lösen und fixieren.

Klemme

Festgeklemmt: Das Tripod mit der festen Klemmung bietet maximale Präzision. © Andy Spyra

Gerade auf der Jagd, wo Situationen dynamisch entstehen und jede unnötige Bewegung Zeit kostet oder die Aufmerksamkeit des Wildes erregt, ist dies ein entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Fotostativen mit deutlich trägeren Bedienelementen.

Vorteile des Jagd-Tripods in anspruchsvollem Gelände

Besonders deutlich zeigt sich dieser Vorteil im topografisch anspruchsvollen Gelände. Bei sogenannten Winkelschüssen steht das Tripod selten auf einer ebenen Fläche. Neigungen müssen ausgeglichen werden, etwa beim Schießen quer im Hang oder bergauf beziehungsweise bergab. Hier spielt das System seine konstruktiven Stärken aus.

Auch die Arretierung des Kugelkopfes ist bei modernen Jagd-Tripods konsequent auf Schnelligkeit ausgelegt. Die Justierung erfolgt über eine zentrale Schnellverstellung, mit der sich die Waffe mit nur einem Handgriff bewegen oder ebenso schnell arretieren lässt.

Das Einspannen der Waffe erfolgt ebenfalls über einen Schnellspannmechanismus, der eine feste und wiederholgenaue Verbindung zwischen Büchse und Tripod herstellt.

Präzisionstest auf 100 Meter: Schießen mit dem Tripod für die Jagd

Um das System Tripod praxisnah einzuordnen, wurde ein Vergleichsschießen unter identischen Rahmenbedingungen durchgeführt. Geschossen wurde stehend auf 100 Meter auf den rechten Rand des orangenen Zielpads.

Als Waffe kam eine Tikka im Kaliber .308 Winchester zum Einsatz, montiert in einem modernen Chassis-System, um ergonomische Einflüsse möglichst zu minimieren und die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Zielhilfe isoliert betrachten zu können.

Pirschstecken, Primos Trigger Stick und Wolfskrieger-Tripod im Vergleich

Vergleichstest

Hightech, traditionell, funktional: Bei der Wahl des Zielstocks ist für jeden Jäger etwas dabei. © Andy Spyra

Verglichen wurden drei Systeme: der klassische Pirschstecken, der für viele Jäger den Einstieg in das Thema Zielhilfe darstellt, der weit verbreitete Primos Trigger Stick sowie ein modernes Tripod-System der Firma Wolfskrieger.

Letzteres verfügt über sehr steife, karbonfaserverstärkte Beine mit großem Durchmesser, eine schnelle Einhandverstellung der Beinlängen sowie einen integrierten Kugelkopf mit Schnellverstellung.

Streukreise im Vergleich: Das Wolfskrieger-Tripod überzeugt

Die Unterschiede zeigten sich deutlich in den Ergebnissen. Während der Stecken Streukreise von rund 22 Zentimetern produzierte und damit jagdlich nur eingeschränkt einsetzbar ist, konnten mit dem Primos Trigger Stick solide 8 Zentimeter erreicht werden.

Haselnussstock

Haselnussstecken: Die Präzision mit dem traditionellen Stock reicht nicht an die Ergebnisse des Tripods heran. © Andy Spyra

Triggerstick

Triggerstick: Über die Gabel ließ sich bereits ein besserer Streukreis erreichen als mit dem Haselnussstock. © Andy Spyra

Das Wolfskrieger-Tripod setzte sich mit einem Streukreis von lediglich 25 Millimetern klar an die Spitze des Vergleichs. Diese Werte verdeutlichen eindrucksvoll das Leistungspotenzial moderner Tripod-Systeme, insbesondere in Kombination mit einer ergonomisch passenden Büchse.

 

Wolfskrieger-Tripod

Ordentliche Gruppe: Das Wolfskrieger-Tripod lieferte den besten Streukreis. © Andy Spyra

Gleichzeitig müssen Gewicht und Kosten berücksichtigt werden. Der Haselstock ist die leichteste und günstigste Lösung, dicht gefolgt vom Trigger Stick.

Das Wolfskrieger-Tripod bringt mit rund 2,7 Kilogramm deutlich mehr Gewicht mit sich. Dieses Mehrgewicht erkauft man sich jedoch mit einer signifikant gesteigerten Stabilität, die sich unmittelbar in mehr Präzision und damit auch in mehr Sicherheit beim Schuss widerspiegelt.

Traditionelle Jagdschäfte mit modernen Tripods kombinieren

Mit sogenannten Backenklemmungen besteht zudem die Möglichkeit, auch herkömmliche Jagdschäfte auf einem modernen Tripod-System zu nutzen. Die Arretierung erfolgt dabei über zwei gegenüberliegende Klemmbacken, die den Schaft seitlich fixieren und so eine stabile Auflage schaffen.

Zwar erreicht eine Backenklemmung nicht ganz die Stabilität einer festen Verbindung über ARCA-Swiss- oder Picatinny-Schnittstellen, sie bietet jedoch eine deutliche Verbesserung gegenüber klassischen Zielhilfen und ermöglicht insbesondere Jägerinnen und Jägern mit konventionellen Schäften den Einstieg in die Nutzung moderner Tripods.

Welche Schussdistanzen ermöglichen die verschiedenen Zielhilfen?

Für die Pirschjagd lässt sich zusammenfassend festhalten: Beim Haselstock ist unter realistischen Bedingungen bei etwa 60 Metern die Grenze der waidgerechten Einsatzdistanz erreicht. Mit dem Trigger Stick sind Distanzen bis rund 150 Meter möglich.

In Kombination mit einem ARCA-Swiss-Klemmsystem eröffnet das Tripod hingegen eine neue Dimension der Stabilität. Frei stehende Schüsse jenseits der 300 Meter sind technisch möglich und wurden unter anderem auf dem Schießstand in Ulfborg (Dänemark) reproduzierbar nachgewiesen.

Welche Zielhilfe eignet sich am besten für die Jagd?

In der jagdlichen Praxis behalten dennoch alle Systeme ihre jeweilige Berechtigung.

  • Der Pirschstecken überzeugt durch Robustheit, ständige Verfügbarkeit, geringes Gewicht und die Tatsache, dass er praktisch kostenlos zu haben ist. Unter Beachtung seiner ballistischen Grenzen bleibt er eine brauchbare Zielhilfe auf kurzen Distanzen.
  • Der Primos Trigger Stick punktet vor allem mit seiner schnellen Einsatzbereitschaft: Per Knopfdruck ausfahrbare Beine und die V-Aufnahme ermöglichen sehr zügige Anschläge, was ihn insbesondere bei der Waldjagd oder der nächtlichen Sauenpirsch attraktiv macht – vorausgesetzt, man achtet auf eine geräuscharme Handhabung der Beine.
  • Das Jagd-Tripod benötigt etwas mehr Zeit im Aufbau, bietet dafür jedoch eine bislang unerreichte Stabilität. Dieser Zugewinn geht mit höherem Gewicht und einem nicht unerheblichen finanziellen Aufwand einher.

Fazit: Das Tripod erweitert die Möglichkeiten bei der Jagd

Tripods sind kein modischer Selbstzweck, sondern eine konsequente Weiterentwicklung klassischer Zielhilfen. Sie ersetzen nicht jagdliches Können oder saubere Schießtechnik, können diese jedoch sinnvoll unterstützen und erweitern.