Krähenjagd – mit Flinte und Finesse

Krähenjagd Jagd Crow

Das Lockbild im Blick ©Pauline von Katte

Die Reduktion von Raben- und Nebelkrähe ist aktiver Niederwildschutz. Und wer die schlauen Räuber überlistet, kommt in den Genuss einer spannenden Flintenjagd, wie Berufsjahre Herbert Schröder berichten kann.

Seit ihrer „Heiligsprechung“ vor etwa 15 Jahren hat sich die Rabenkrähe in verschiedenen Landestei-len stark vermehrt. Ihr Einfluss auf Bodenbrüter und Niederwild ist zwischen Naturschutz und Jägerschaft stark umstritten. Wer aufmerksam die Natur beobachtet, gibt sich da jedoch keinen Illusionen hin, zumal sich die Rahmenbedingungen für viele Tierarten durch den Wandel in der Landwirtschaft verschlechtert haben. Diese Faktoren können wir wie die Witterung nicht beeinflussen, aber die Besatzdichte von Fuchs, Dachs, Marder, Iltis, Wiesel und den Rabenvögeln können wir zumindest in einigen Bundesländern regulieren. Diese Hegemöglichkeit sollten wir Jäger nutzen.

Biologie

Die Aaskrähe ist neben dem Kolkraben der größte Vertreter der Sperlingsvögel. Die Nebelkrähe spielt insbesondere östlich der Elbe eine Rolle. Die Rabenkrähe kommt in weiten Teilen bei uns in Niedersachsen in so hohen Besatzdichten vor, wie wir es noch nie erlebt haben. Die höchsten Dichten beobachtet man in Ortschaften, besonders in Großstädten. Die Rabenkrähe balzt im März, sie lebt zumindest in Jahresehe. Das relativ große Reisignest wird gerne in Laubbäumen und Kiefern gebaut. Die vier bis sechs Eier werden nur vom Weibchen bebrütet, das vom Männchen versorgt wird. Die Geschlechter sind äußerlich nicht zu unterscheiden. Nach nur 18 Tagen schlüpfen die Jungen, die nach einem Monat flügge sind. Pro Jahr wird grundsätzlich nur einmal gebrütet. In milden Wintern finden keine größeren Wanderungen statt, obwohl sie sich nun in größeren Flügen etwa an Müllkippen oder Maissilagen finden. Die Rabenkrähe wiegt wie die Ringeltaube etwa 500 Gramm, hat aber mit 90 Zentimeter eine um 20 Zentimeter größere Flügelspannweite.

Die große Schwingenfläche sorgt trotz geruhsamen Schlags für eine beträchtliche Geschwindigkeit. Sie wird meist unterschätzt, die Schrotladung landet bei unerfahrenen Jägern daher oft hinter der Krähe. Eine eindrucksvolle Demonstration von Tempo und Wendigkeit vermittelt sie, wenn etwa ein Habicht verfolgt und vertrieben wird. Die Rabenkrähe wird erst im dritten Jahr geschlechtsreif und erreicht ein Lebensalter von bis zu 30 Jahren. Da sie in der Lage ist, Erfahrungen hervorragend zu speichern und in entsprechendes Verhalten umzusetzen, ist eine Altkrähe nur schwer zu überlisten. Die Rabenkrähe ist Allesfresser mit einer besonderen Vorliebe für Eier. Inzwischen scheint sich auch bei einigen bisher ideologisch verbohrten Menschen die Einsicht durchzusetzen, dass eine hohe Rabenvogeldichte der Artenvielfalt der Singvögel nicht förderlich ist. Natürlich spielen hier auch noch andere Faktoren eine Rolle.

Krähenjagd Jagd Crow

Gut getarnt ist mindestens halber Jagderfolg ©Pauline von Katte

Bejagung

Früher taten wir uns mit dem sogenannten Raubzeug als Niederwildheger leicht: Im April wurden in Altgrasstreifen unter Bäumen und Büschen Nester aus zusammengedrehten Grashalmen angelegt und mit je drei bis vier Gifteiern bestückt. Am nächsten Morgen waren bei der Kontrolle 80 bis 90 Prozent dieser Gelege geplündert. Dem Gift fielen unverpaarte Krähen und Männchen zum Opfer. Anschließend suchte man die bekannten Horstbäume auf. Ein Schlag mit dem Knüppel gegen den Stamm brachte das brütende Weibchen zum Abstreichen und wurde dann erlegt. Die Hüttenjagd mit dem Uhu brachte dagegen mehr Greifvögel als Krähen und Elstern zur Strecke. Heute ist das Regulieren der Besatzdichten schwieriger, aber auch reizvoller geworden. Leider haben die meisten Revierinhaber keine Vorstellung von der Zahl der vorhandenen Krähen in ihrem Revier. Eine gezielte Bejagung findet in den wenigsten Fällen statt. Das Interesse bei vielen Jägern ist jedoch da. Zu einem kürzlich veranstalteten Seminar über Krähenjagd am Jägerlehrhof in Springe erschienen rund hundert Jäger. Freunde von mir betreiben die Krähenjagd profimäßig. Meist müssen sie den Beständer erst weich klopfen, bevor sie in dem betreffenden Revier einen Krähentag veranstalten dürfen. Groß ist dann immer das Erstaunen, wenn abends 30, 50 oder gar 80 Krähen auf der Strecke liegen. In dem von mir betreuten Revier haben wir auf 250 Hektar in den letzten drei Jahren je über hundert Krähen erlegt. In diesem Jahr am ersten Krähentag im August wieder 65 Stück. Allmählich wachen auch die Nachbarn auf und wollen jetzt mitziehen. Unter vergleichsweise günstigen Bedingungen können wir noch Rebhühner schonend bejagen, und ein guter Grundbesatz an Hasen, Fasanen und Enten macht die Jagd abwechslungsreich.

Krähenjagd Jagd Crow

Das Lockbild muss stimmen ©Pauline von Katte

Erfolgreiche Lockjagd

Morgens fliegt die hungrige Krähe von ihrem Schlafplatz zielstrebig zu Plätzen, wo sie Nahrung findet. Im Sommerhalbjahr sind dies gemähte Wiesen, frisch bearbeitete oder mit Mist oder Gülle bedeckte Ackerflächen. Im Winterhalbjahr ist der Tisch weniger gut gedeckt, wir finden sie jetzt oft in größeren Massierungen an Maissilagen, Müllkippen oder Misthaufen. Die Krähe hält sich an ziemlich feste Flugrouten. Diese führen meist entlang an Bachläufen, Hecken, Baumreihen oder Feldgehölzen. Hier bauen wir unsere Schirme und Lockbilder auf. Die Lockjagd ist in England und den USA bis zur Perfektion entwickelt, dort verwendet man auch elektronisch funktionierende akustische Locker. Sie sind bei uns verboten, es geht aber auch ohne sie.

Der Brite unterscheidet „freundliche“ und „feindliche“ Lockbilder. Im ersten Fall kommen Lockkrähen, Elstern und Beute in Form eines alten Hasenbalgs oder einer Frischlingsschwarte (weiße Seite nach oben) 25 Meter vor den Schirm. Den Schirm bauen wir schon am Vortag schonend in die Landschaft ein. Im belaubten Zustand reicht oft schon das Entfernen einiger Zweige, um die nötige Deckung auch nach oben zu erreichen. Sonst helfen wir mit dem Tarnnetz nach, mit dem wir auch die Hälfte des Schirms nach oben überdachen.

Die erfahrene Altkrähe überfliegt das Lockbild oft erst in großer Höhe, um dann nach geraumer Zeit die Sache näher in Augenschein zu nehmen. Hier können wir mit dem Krähenlocker nachhelfen. Ich habe mit dem „Buck-Expert-Krähenlocker“ gute Erfahrungen gemacht. Hier können wir auch Lockkrähen und anderes beziehen. Neuerdings sind beflockte Exemplare auf dem Markt, die durch ihre intensive Farbe eine besonders hohe Lockwirkung erzielen. Die im Baumarkt erhältlichen Plastikvögel sind oft stark glänzend, was unnatürlich wirkt. Hier hilft eine Sprühdose mit schwarzem Mattlack. Weiterhin gibt es nickende, pickende und flügelschlagende Krähen sowie Liftsysteme im Handel. Sie sind teuer und für den Normaljäger entbehrlich. Um eine Lockkrähe über die Hecke zu „liften“, nehme ich den Teleskopstiel der Astsäge. Statt der Säge wird eine Harke eingesteckt und darauf der Vogel befestigt.

Krähenjagd Jagd Crow

Gut getarnt ist mindestens halber Jagderfolg ©Pauline von Katte

Grundausrüstung

Zur Grundausrüstung gehört neben den Lockkrähen je mehr, je besser noch eine leichte Tarnjacke, Kopfhaube und dunkle Handschuhe. Dieses alles kostet weniger als eine Schachtel Kugelpatronen und reicht für den Anfang völlig aus. In der Morgendämmerung bauen wir das Lockbild auf und beziehen mit dem brauchbaren Hund den Schirm. Erlegte Krähen werden in das Lockbild eingebaut, wenn wir unbeobachtet den Schirm verlassen können. Der Kopf wird mit einem Stöckchen empor gehalten. Als Schrotstärke hat sich 2,7 Millimeter bewährt. Die Strecke erhöht sich wie bei der Taubenjagd erheblich, wenn mehrere Stände im Revier besetzt werden. Man muss im Laufe der Saison die Stände wechseln und auch das Lockbild. Einmal beschossene Krähen streichen sofort ab, wenn sie das bekannte Bild eräugen. Hier kommt dann das „feindliche“ Lockbild zum Einsatz.

Ein präparierter Fuchs oder Habicht wird mit einer erlegten Krähe ausgelegt. Auch der Plastikuhu gehört in diese Kategorie, doch habe ich mit ihm keine gute Erfahrungen gemacht, weder mit beweglichen Schwingen noch mit aufgeklebten Federn. Was macht man mit den erlegten Krähen? Viele loben junge Krähen als Delikatesse, ich habe sie noch nicht probiert, werde es auch nicht tun. Wir erkennen sie leicht an dem rosaroten Rachen, nach einem Jahr verblasst die Farbe, und die Altkrähe weist dann hier später eine einheitlich graue Farbe auf. Zehn saubere Krähen nehmen wir mit und frieren sie ein als Lockvögel für den nächsten Einsatz. Sie werden einen Tag vorher aufgetaut, der Rest landet bei mir portionsweise auf dem Luderplatz. Die Krähe ist ein heimischer Vogel und gehört ins Revier, aber bei den heutigen hohen Besätzen kommen wir ohne Jagd dem stummen Frühling schnell näher.