Abzugsgewicht verstellen – Besser treffen mit der Sauer 404

Ihr JÄGER hat auf Gut Grambow mit der Sauer 404 und ihrem verstellbaren Abzugsgewicht untersucht, bei welchem Abzugswiderstand man am besten trifft.

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©Pauline von Hardenberg

Das Abzugsgewicht einer Sauer 404 verstellen und besser treffen? Im Praxistest hat Ihr JÄGER untersucht, bei welchem Abzugswiderstand man am besten trifft –sowohl beim flüchtigen als auch stehend freihändigen Schuss.

Um Ausreden ist eigentlich niemand verlegen, wenn es darum geht, warum der eine oder andere Schuss nicht dort gesessen hat, wo man ihn haben wollte. Falsche Technik, wenig Training oder gar fehlerhaftes Equipment liegen bei den Ursachen sicher weit vorne. Immer wieder kommt in diesem Zusammenhang auch das Abzugsgewicht ins Gespräch. Da gibt es diejenigen, die auf handgefertigte Abzüge mit minimalem Gewicht schwören, um den Schuss schnell loszuwerden, wenn es passt.

Flüchtigschuss und Abzugsgewicht

Und es gibt jene, die zu wissen meinen, dass man gerade beim Flüchtigschuss mit einem hohen Abzugswiderstand voreiligem Brechen – und somit schlechten Schüssen – vorbeugen müsse. Wer recht hat, war Gegenstand so manch hitziger Diskussion in der Redaktion. Um die Frage schließlich zu klären, sollte ein Experiment die notwendigen Beweise für die eine oder andere Seite liefern.

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Jonas L. Schütt – Ausbilder der Jagdschule Grambow und Leiter des neuen Schießzentrums. / Lucas von Bothmer – Chefredakteur des JÄGER, hochpassionierter Sauenjäger und Drückjagdschütze / Niklas Scharffetter – Online-Redakteur, der gerne mehr trainieren würde, als seine Zeit zulässt ©Pauline von Hardenberg

Vier Abzugsgewichte – drei Tester

Weil drei Ergebnisse besser sind als zwei, wurde Berufsjäger und Schießstandleiter Jonas L. Schütt von der Jagdschule Grambow für den Ve such rekrutiert. Er leitet das neu gebaute Schießzentrum der Jagdschule Grambow, nur eine knappe Stunde östlich von Hamburg entfernt, das auch einen laufenden Keiler mit elektronischer Anzeige beherbergt. Die „Kampfentfernung“ war 50 Meter, die Geschwindigkeit vier Meter pro Sekunde.

Chefredakteur Lucas von Bothmer, der ein leichtes Abzugsgewicht bevorzugte, und Niklas Scharffetter, dem bisher keine eigenen Präferenzen aufgefallen waren, traten ebenfalls an.

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Der laufende Keiler – das ultimative Drückjagdtraining. Hier erprobten die drei Testschützen das optimale Abzugsgewicht für den flüchtigen Schuss mit der Sauer 404. ©Pauline von Hardenberg

Gut Grambow – Der Schießstand

Erst kürzlich wurde auf dem Gelände der Jagdschule Grambow ein neues, hochmodernes Indoor-Schießzentrum eröffnet. Und im September öffnet der neue Jagd-Shop mit großzügigen 350 Quadratmetern Verkaufsfläche seine Tore.

Kontakt:

Tel. 0385-6470577

E-Mail: pinnau@gutgrambow.de

Internet: www.gut-grambow-fieldsports.de

Die Ausrüstung

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©Pauline von Hardenberg

Das Abzugsgewicht lässt sich bei den meisten Standardwaffen justieren. Um an den Abzug heranzukommen, ist aber Geschick und Werkzeug notwendig. Zudem braucht man eine spezielle Waage, um den tatsächlichen Widerstand zu bestimmen.

Die Sauer 404 bietet 4 verschiedene Abzugsgewichte

Besonders leicht hat es uns da die Firma Sauer gemacht, die in ihrer neuen 404 gleich vier Gewichte voreingestellt hat, welche sich einfach anpassen lassen. Was von vielen als Spielerei betrachtet wird, entpuppte sich im Versuchsverlauf als wirkliche Praxisinnovation. Denn es stellte sich heraus, dass unterschiedliche jagdliche Situationen auch unterschiedliche Abzugsgewichte fordern.

Abzugsgewicht oder Abzug, egal wie viel Gewicht?

Vom Ansitz können die meisten mit ein wenig Übung und Konzentration passabel schießen. Stehend freihändig oder gar auf flüchtige Ziele sieht die Welt schon anders aus. Hier kommt es weniger auf das genaue Zielen an als auf den richtigen Moment der Abzugsbetätigung. Daher wurde in zwei Kategorien geschossen, 50 Meter auf den laufenden und stehend freihändig auf den stehenden Keiler, je fünf Schuss mit derselben Waffe.

Ergebniss flüchtig schießen

Die Drückjagdsaison liegt bereits ein wenig zurück, daher durfte jeder erst einmal Probeschießen, bevor es ernst wurde. Dann war die Verwunderung groß. Je höher das Abzugsgewicht kletterte, desto besser wurde auch die Treffpunktlage. Das unzufriedene Raunzen, wenn der Schütze bereits beim Abkommen ahnte, dass der Schuss daneben ging, wurde seltener und das Staunen größer. Tatsächlich, die Schießleistung von durchschnittlich 33,7 Punkten bei 500 Gramm Abzugsgewicht steigerte sich auf 38 Punkte bei einem Abzugsgewicht von 1.250 Gramm.

Sauer 404: mit vier verschiedenen Verstellmöglichkeiten des Abzugsgewichts.

Sauer 404: mit vier verschiedenen Verstellmöglichkeiten des Abzugsgewichts.

Eindeutiges Resultat

Dabei spielte es offenbar weniger eine Rolle, wie erfahren ein Schütze war oder welche Meinung er vor dem Experiment hatte – das Resultat war einheitlich: Auf flüchtiges Wild schießt man auch mit höherem Abzugswiderstand mindestens nicht schlechter! Zwei von drei Schützen erzielten sogar mit dem höchsten Abzugswiderstand ihr bestes Ergebnis. Weil es das Durchschwingen fördert, wie die Schützen an sich selbst feststellen konnten.

Ergebnis stehend schießen

Beim Schießen stehend freihändig verhält sich die Lage ganz anders. Dauert es zu lange, bis der Schuss bricht, beginnt das Absehen fast unkontrolliert über die Scheibe zu wandern, und ein guter Treffer wird fast unmöglich. So zeigte sich auch zwischen dem niedrigsten und höchsten Abzugsgewicht: Lag die mdurchschnittliche Punktzahl bei 500 Gramm Abzugsgewicht bei 48 Punkten, so fiel sie auf durchschnittlich 39,3 Punkte bei 1.250 Gramm. Offenbar gibt es nicht „das“ 500g Abzugsgewicht für sämtliche jagdlichen Situationen.

Ergebnis Jonas L. Schütt

Der Leiter des Schießzentrums ließ sich unvoreingenommen auf den Versuch ein. Schlecht schoss er mit keiner der Einstellungen. Er erzielte sein bestes Resultat mit 47 Punkten bei 1.250 Gramm Abzugsgewicht. Er war zwar der Meinung, dies ließe sich damit erklären, dass er sich warm geschossen habe, die Ergebnisse zeigen aber zumindest, dass er mit höherem Gewicht nicht schlechter trifft. „Mir hat gefallen, dass sich die Abzugscharakteristik nicht verändert“, sagte der 31-Jährige zum Schluss. Stehend freihändig ist der Unterschied deutlich erkennbar: 49 Punkte (500 g) zu 42 Punkte (1.250 g).

Ergebnis Lucas von Bothmer

Der Chef des JÄGER vertrat bisher die Meinung, dass ein besonders feiner Abzug auch besonders fein treffen müsse. Er favorisierte daher bislang einen maßgeschneiderten Abzug mit geringem Widerstand. Umso überraschter war er, als auch er sein bestes Ergebnis auf den laufenden Keiler mit dem höchsten Abzugswiderstand hinlegte. „Ich schwinge viel eher mit, als dass ich auf dem Ziel stehenbleibe“, stellte von Bothmer fest. „Ich lasse mich bei sowas gern belehren.“ Stehend freihändig lagen seine Ergebnisse dann sehr dicht beisammen: 48 Punkte (500 g) zu 49 Punkte (1.250 g).

Ergebnis Niklas Scharffetter

Er war schon im Vorfeld der Meinung, dass ein höheres Abzugsgewicht den Flüchtigschuss positiv beeinflussen würde. Allerdings hatte er bis zum Testschießen keinen Unterschied gespürt. Dieses offenbarte, dass er mit seiner Vermutung richtig lag, denn auch er schoss mit höheren Abzugsgewichten eher etwas besser als schlechter. Seine Fehlschüsse sprechen nicht gegen die Theorie des Warmschießens, sondern dafür, dass nach etwa 30 Schuss die Konzentration langsam nachlässt. Stehend freihändig ist der Unterschied deutlich zu erkennen: 47 Punkte (500 g) zu 27 Punkte (1.250 g).

Überraschendes Ergebnis

Dass ein hohes Abzugsgewicht tatsächlich die besten Resultate beim Flüchtigschuss bringt, mag überraschen, ist aber für all jene gut zu wissen, die bislang auf geringe Abzugsgewichte gesetzt haben, um die eigenen Leistungen auf flüchtiges Wild zu verbessern. Wer dagegen eher vom Ansitz auf stehendes Wild schießt, ist jedoch gut beraten, einen feineren Abzug zu schießen. Hätten Sie das gedacht?