20 hochwildtaugliche Kaliber für die Jagd

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©Pauline von Hardenberg

Die Auswahl an Jagdmunition ist heutzutage enorm, alleine hochwildtaugliche Kaliber gibt es zu dutzenden.

JÄGER-Tester Frank Heil hat einige 6,5mm Patronen– alte und moderne – erprobt, wobei er sein Hauptaugenmerk auf aktuelle 6,5er gelegt hat. Hier seine Erfahrungen.

Hochwildtaugliche Kaliber – Die 6,5mm Patrone

Sie ist nicht neu, die Kalibergruppe .25“–.26“ (6,5–6,7 mm). Schon in den 1880er Jahren gab es sowohl in Europa als auch in Amerika zahlreiche Patronen dieses Kalibers. Mit Schwarzpulver und Bleigeschossen laboriert, kamen sie in Kipplauf- und Blockbüchsen zum Einsatz, seltener in Drillingen und Büchsflinte. Die meisten dieser alten Patronen und Waffen verschwanden mit dem Aufkommen des rauchschwachen Pulvers. Die Verschlüsse der alten Waffen waren den erheblich stärkeren Gasdrücken des neuen Treibmittels nicht gewachsen.

Bedeutsam für die modernen 6,5er Jagdpatronen wurden die in den Jahren 1890 bis 1910 in mehreren europäischen Staaten eingeführten Militärpatronen dieses Kalibers. Als Beispiele seien genannt: 6,5×52 Mannlicher Carcano (1891), 6,5×55 Mauser (1894), 6,5×53 R Mannlicher (1892), 6,5×54 Mannlicher-Schönauer (1903), 6,5×50 Arisaka (1905). Ihre beträchtliche Rasanz als Ergebnis ihrer Querschnittsenergie gab den Ausschlag, sie auch als Jagdpatronen einzusetzen.

Hochwildtaugliche Kaliber

©Pauline von Hardenberg

Vielfältig –  die 6,5mm Patrone

Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden zahlreiche zivile 6,5er Patronen, indem vorhandene Hülsen gekürzt oder herabkalibriert wurden. In den 1960er Jahren erfolgte auf der Basis neuer Konzepte ein weiterer Schub, der bis heute anhält. Doch was bieten 6,5er Patronen dem Jäger? Das 6,5-mm- Kaliber ist in Europa und vor allem in den skandinavischen Ländern wegen seiner beachtenswerten Querschnittsbelastung und hoher ballistischer Koeffizienten sehr beliebt. Die Vielfalt der Patronen gewährleistet eine breite Auswahl, angepasst an die Revierverhältnisse und die Eigenheiten des Jägers. Mit den stärksten der 6,5er Patronen sind wirksame Schüsse über weite Entfernungen kein Problem. Mit schweren Geschossen sind zum Beispiel die bescheidenen Patronen 6,5×54 MS und 6,5×55 SE in der Lage, weltweit ihre Aufgaben zu erfüllen. Und das bis hin zu Dickhäutern und Eisbären. Diese 6,5-mm-Patronen töten als hochwildtaugliche Kaliber großes Wild nicht mit Geschwindigkeit, sondern mit hoher Querschnittsbelastung. Ihre moderate Geschwindigkeit verhindert übermäßige Expansion des Geschosses und sorgt für tiefe Durchdringung.

Hochwildtaugliche Kaliber – gibt es Schwachstellen?

Gängige 6,5-mm-Patronen mit Hülsenlängen von 54 bis 57 Millimeter sind durch ihr relativ geringes Hülsenvolumen weniger leistungsstark, auch wegen der von der C.I.P. verordneten Gasdruckbeschränkung. Diese ist jedoch berechtigt, weil sich die schwachen Verschlusskonstruktionen oder der mäßige Zustand alter Waffen als Sicherheitsrisiko erweisen kann. Beispiele sind die 6,5×54 MS mit nur 3.650 bar und die 6,5×55 SE. Letztere könnte vom Hülsenvolumen her mehr leisten, muss sich aber mit 3.800 bar zufriedengeben. Ähnlich im Druck sind die 6,5×57 (3.900 bar) und ihre Randschwester 6,5×57 R (3.300 bar) begrenzt. Da all diese Patronen mit zehn Gramm schweren Geschossen verladen werden können (zu deren Stabilisierung der kurze Drall beiträgt), lassen sich die gasdruckbedingten zielballistischen Nachteile weitgehend kompensieren.

Hochwildtaugliche Kaliber

©Pauline von Hardenberg

20 hochwildtaugliche Kaliber im Vergleich

Hochwildtaugliche Kaliber Patrone 6,5mm Jagdmunition Munition 6,5x50 REB

©Hersteller

6,5×50 Reb

Werner Reb entwickelte auf der Basis der Hülse 5,6×50 seine gerade noch hochwildtaugliche 6,5×50 Reb – E100 größer 2.000 Joule. Geladen mit einem 5 g TMS Norma-Geschoss erreicht die Patrone eine Anfangsgeschwindigkeit von um die 1.000 Meter pro Sekunde.

Reviererfahrungen

Diese Patrone zeigte – verschossen aus einem Einstecklauf von Keller und Simmann – mit dem TMS-Geschoss auf Rehwild sehr gute Wirkung und brachte auch Hochwild bis etwa 60 Kilogramm aufgebrochen (auf stärkere Stücke wurde mit dieser Patrone nicht geschossen) mit Kammerschüssen sicher zur Strecke. Sowohl die Wildbret-Beeinträchtigungen als auch die Nebenwirkungen (Rückstoß usw.) blieben in der Regel gering.

Hochwildtaugliche Kaliber Patrone 6,5mm Jagdmunition Munition 6,5x63 Messner Magnum

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6,5×63 Messner Magnum

Schnetz fertigt die Patrone 6,5×63 Messner Magnum. Seit Anfang der 1980er beschäftigte sich Joseph Messner mit der Entwicklung einer rasanten 6,5-mm-Patrone, die den Leistungsbereich einer 6,5×68 bereits aus 60 Zentimeter Läufen erreicht, eine geringe Verschlussbelastung aufweist und sich angenehm verschießt. Die 9,3×64 nahm er als Ausgangshülse. Die hochpotente Patrone spielt in einer Liga mit der 6,5×68.

Reviererfahrungen

Für die starke Patrone 6,5×63 MM stand eine Heym-Repetierbüchse zur Verfügung. Weite, wirksame Schüsse auf starkes Wild waren mit dem 6 g KJG-SR-Geschoss kein Problem. Die Wildbretentwertungen hielten sich in Grenzen, und die Nebenwirkungen im Schuss waren erträglich.

Hochwildtaugliche Kaliber Patrone 6,5mm Jagdmunition Munition 6,5x54 Mannlicher-Schönauer

©Hersteller

6,5×54 Mannlicher-Schönauer

Nach ihrem Erscheinen auf dem zivilen Markt entwickelte sich die 6,5×54 Mannlicher-Schönauer wegen geringen Mündungsknalls, moderaten Rückstoßes, gestreckten Flugbahn und niedriger Windempfindlichkeit zur beliebten Jagdpatrone. Bis in die 60er Jahre gehörte sie zum Fertigungsprogramm fast jeden Munitionsherstellers. Heute bietet sie nur das Labor für Ballistik mit einem 9,1 g SM TMS-Geschoss an.

Reviererfahrungen

Vor etwa 25 Jahren von mir verschossen aus einem Mannlicher-Schönauer-Stutzen (Patronen RWS, Norma und Hirten-berger), heute verwendet mit der LfB-Laborierung in einer Sauer 404 (45 cm Lauf), überzeugte diese angenehme Patrone bis 150 Meter rundum auf alles heimische Schalenwild.

Hochwildtaugliche Kaliber Patrone 6,5mm Jagdmunition Munition 6,5x57 und 6,5x57 R Mauser

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6,5×57 und 6,5×57 R Mauser

Die Schwesternpatronen 6,5×57 und 6,5×57 R Mauser taugen sowohl für die Jagd auf Reh als auch auf Hochwild. Besonders geeignet ist diese Munition mit dem 6 g TMS-Geschoss von RWS für Gamswild, da beide Patronen mit diesem eine sehr gestreckte Flugbahn aufweisen. Nachteilig kann sich bei dieser Patrone der lange Übergang (30 mm) bei leichten und somit kurzen Geschossen auf die Präzision auswirken.

Reviererfahrungen

Verwendet in zahlreichen Kipplaufwaffen, meisterte die Randpatrone ihre Aufgaben auf Reh- und mittelstarkes Hochwild. Die leistungsstärkere Randlose verschob die mögliche Schussentfernung um einige Meter. Mit dem 6 g TMS-Geschoss ergaben sich beim Rehwild teils beträchtliche Wildbretentwertungen.

Hochwildtaugliche Kaliber Patrone 6,5mm Jagdmunition Munition 6,6x64 REB

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6,5×64 Reb

Als weitere 6,5er Patrone schuf Reb auf der Basis der .270 Win.-Hülse die 6,5×64 Reb, die 1987 in die C.I.P. eingetragen wurde. Ihr zulässiger Gasdruck beträgt 4.300 bar. Mit der Sax-Laborierung (6 g KJG-SR) erreicht sie folgende Werte: v0 1.100 m/s, v200 878 m/s, E0 3.630 J, E200 2.313 J, GEE 218 m.

Reviererfahrungen

Diese potente Patrone meisterte im Zusammenspiel von Heym-Geradzugrepetierer SR 30 und 6 g KJG-SR-Geschoss während der Pirsch und auf dem Ansitz sämtliche jagdlichen Aufgaben bis hin zu Schwarz- und Rotwild. Besonders im Feld, wenn es mal auf größere Entfernungen zu schießen galt, bewährte sich diese präzise Laborierung. Der Rückstoß blieb zahm und war auch von zarten Jägerinnen zu verkraften.

Hochwildtaugliche Kaliber Patrone 6,5mm Jagdmunition Munition 6,5x52 Carcano

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6,5×52 Carcano

Die Patrone 6,5×52 Carcano wurde zusammen mit den Mannlicher-Carcano-Gewehren System 1891 in den Jahren 1891 bis 1899 in Italien eingeführt. Sie diente als Vorbild für die 6,5×54 Mannlicher-Schönauer. Diese Patrone wurde bis 1945 militärisch geführt und bis in die 1970er Jahre in Italien – auch mit jagdlichen Laborierungen – hergestellt. Heute fertigt Prvi Partizan diese Patronen, geladen mit einem 9 g SP BT-Geschoss (v0 740 m/s, E0 2.464 J).

Reviererfahrungen

Eigene Erfahrungen liegen mit dieser alten Patrone in nur derart geringem Maße vor, dass keine Bewertung möglich ist. Die Fachliteratur spricht von ähnlichen ballistischen Eigenschaften und Wirkungen wie die der 6,5×54 Mannlicher-Schönauer.

Hochwildtaugliche Kaliber Patrone 6,5mm Jagdmunition Munition 6,5x55

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6,5×55

Die Patrone 6,5×55 wurde bereits 1894 als Ordonanzpatrone in Schweden und Norwegen eingeführt. Schon bald kam dieses Militärkaliber zur Jagd zum Einsatz. Die Patrone 6,5×55 ist für mittelstarkes Wild bestens geeignet. Selbst Elche kommen zuverlässig zur Strecke. Die präzise und wildbretfreundliche 6,5×55 ist auf mittelstarkes Wild eine hervorragende Wahl.

Reviererfahrungen

Aus verschiedenen Repetierern verschossen, entwickelte sich die RWS-Patrone mit dem 9,1 g Doppelkerngeschoss zum Favoriten. Das DK bot höchste Präzision und trotz komplexem Geschossaufbau beste Augenblickswirkung und geringe Wildbretverluste. Geeignet auch für Rotwild oder Sauen. Das Oryx-Verbundkerngeschoss ist für Wildbretjäger eine optimale Wahl.

Hochwildtaugliche Kaliber Patrone 6,5mm Jagdmunition Munition .257 Roberts 6,5x57

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.257 Roberts (6,5×57)

Die mittelstarke Patrone .257 Roberts (6,5×57), auch bekannt als .257 Bob, gilt als gelungener Kompromiss zwischen geringem Rückstoß und flacher Flugbahn. Sie fußt auf der Hülse 7×57 Mauser. Remington brachte die .257 Roberts 1934 auf den Markt. Heute beschränkt sich die Produktion dieser Patrone auf US-amerikanische Hersteller.

Reviererfahrungen

International weit verbreitet, hat diese Patrone in Deutsch-land nur wenige Liebhaber gefunden, da sie im Prinzip nichts weiter ist als eine 6,5×57 Mauser. Verschossen aus einigen amerikanischen Repetierbüchsen zeigten sich ihre Wirkungen mit gleichen Geschossen deckungsgleich mit der der 6,5×57 Mauser – also geeignet für Reh- und mittelstarkes Hochwild.

Hochwildtaugliche Kaliber Patrone 6,5mm Jagdmunition Munition RWS 6,5x65 und RWS 6,5x65 R

©Hersteller

6,5×65 und 6,5×65 R RWS

Die 6,5×65 RWS und 6,5×65 R RWS sind Parallelentwicklungen. Sie wurden von 1987 bis 89 von Dynamit Nobel konstruiert und 1990 mit einer 7 g KS-Ladung vorgestellt. Im Folgejahr kam die 8,2 g KS-Ladung hinzu. Diese Patronen sollten weder die bewährte 6,5×57 verdrängen, noch der starken 6,5×68 Konkurrenz machen, sie sollten die beiden Patronen ergänzen.

Reviererfahrungen

Verschossen aus Bockbüchsflinten und einem Großkaliber-Bergstutzen leisteten sowohl die Patronen mit als auch ohne Rand mit den präzisen KS-Geschossen solide Arbeit. Vielleicht interessant: In meiner BBF 95 kann ich die Patrone 6,5×65 R als auch 6,5×65 verwenden – dank gleicher Hülsenmaße. Mit gleichen Geschossen schießen beide reviertauglich zusammen.