„Der DJV hat ein Führungsproblem.“ Mit dieser Aussage sorgte Brandenburgs LJV-Präsident Dr. Dirk-Henner Wellershoff auf dem Landesjägertag Brandenburg Ende Mai für Aufmerksamkeit. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde sogar über einen möglichen Austritt des Landesjagdverbands aus dem Deutschen Jagdverband diskutiert.
Zunächst standen jedoch andere Themen auf der Agenda. Innenminister Dr. Jan Redmann, Vertreter der Landwirtschaft sowie mehrere Verbandsvertreter nutzten den Landesjägertag in Paaren-Glien, um über die Rolle der Jäger in Brandenburg, die Afrikanische Schweinepest, den Wolf und das novellierte Jagdgesetz zu sprechen.
Jäger als Partner von Polizei und Landwirtschaft
So gab sich Innenminister Dr. Jan Redmann (CDU) die Ehre und bedankte sich bei den Jägern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, deren Einsatz bei der Kitzrettung und der Fallwildbeseitigung. Auch bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest hätten die Jäger gezeigt, dass sie verlässliche Partner seien. Brandenburg brauche die Jäger.
Aktuell seien es Viehdiebstähle, die Landwirte und Polizei in Atem hielten. Im Land seien inzwischen mehrere hundert Rinder gestohlen worden. Da in einem so großen Bundesland die Polizei nicht Tag und Nacht Weiden bewachen könne, sehe er die Jäger als wertvolle Verbündete. Sie seien es, die überall vor Ort wären und denen verdächtige Viehtransporter zuerst auffielen.
„Greifen Sie bitte zum Telefon, wenn Ihnen etwas Ungewöhnliches auf den Weiden auffällt“, forderte der Innenminister. „Wir können an den Tatorten noch effektiver sein, wenn alle die Augen offenhalten.“ Im Anschluss seiner Rede verlieh Dr. Jan Redmann dem LJV-Präsidenten Dr. Dirk-Henner Wellershoff für seinen engagierten Einsatz für die Jagd in Brandenburg die Fontane-Medaille.
Politik soll auf die Landwirte zugehen
Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg e.V., betonte in seinen Grußworten, dass Jäger und Landwirte gemeinsam viel erreicht hätten, die Landnutzer dennoch vor großen Aufgaben stünden. Neben Umwelt- und Klimaschutz seien es zunehmend auch wirtschaftliche Herausforderungen.
Von der Politik forderte er, auf die Landwirte zuzugehen, um von deren Wissen zu profitieren. Bezüglich der Wölfe forderte er, dass jetzt von den Ministerien zügig gearbeitet werden müsse, um Handlungsfähigkeit herzustellen. Wenn das nicht gelinge, würde man die Weidetierhaltung bald nur noch aus den Büchern kennen.
Jagdgesetz novelliert: Ein Befreiungsschlag für die Jäger
Die Geschäftsführerin von Forum Natur, Dr. Sabine Buder, lobte in ihrer Rede, dass es Ministerin Hanka Mittelstädt (SPD) geschafft hätte, was ihrem Vorgänger Axel Vogel (Grüne) mit der Kenia-Koalition nicht gelungen wäre – das Jagdgesetz zu novellieren, ohne dabei den Kopf zu verlieren. So sei nach langjährigen Forderungen endlich der Wolf ins Jagdgesetz aufgenommen worden.
Positiv sei auch, dass Nachtsichtechnik nun auch für die Raubwildbejagung eingesetzt werden dürfe. Davon würden geschützte Bodenbrüter wie Rebhuhn und Kiebitz profitieren. Zu begrüßen sei auch die Freigabe der Technik auf krankes Wild, weil damit Leid verkürzt werden könne. Trotz der großen Erfolge sei es jetzt allerdings töricht, „die Leinen locker zu lassen“. Der Waldzustand sei besorgniserregend.
Zudem warte auf die Naturschutzverbände ein finanzpolitisches Desaster, weil es bei der Vergabe von Fördermitteln zu Kürzungen gekommen sei. Das Motto werde dann „survival of the fittest“ lauten. Und es sei zu erwarten, dass manche auf die Töpfe „Jagd- und Fischereiabgabe“ spekulieren werden, um sich dort zu bedienen. Das sei jedoch das Geld der Jäger und Angler, das diese lediglich der Verwaltung überlassen hätten.
Wellershoff: Widersacher schlafen nicht
Auch LJV-Präsident Dr. Dirk-Henner Wellershoff zeigte sich mit den Ergebnissen, das Landesjagdgesetz betreffend, sehr zufrieden. Auch die Zusammenarbeit mit Innenminister Dr. Redmann und Umweltministerin Mittelstädt sei beispielhaft und „das ganze Gegenteil der Jahre mit Vogel“. Den Jägern sei damit ein Befreiungsschlag gelungen, nachdem vier Jahre gegen einen grünen Minister gekämpft werden musste.
Nun stünden die Jäger endlich wieder in der Mitte der Gesellschaft. Man müsse jedoch aufpassen, denn Widersacher wie Dr. Carsten Leßner (ehemaliger Leiter der Forstbehörde) schliefen keinen Tag und versuchten, alle gegen den Jagdverband aufzubringen. Das diene auch dazu, vom eigenen Versagen abzulenken, so Wellershoff.
Um beim Waldumbau voranzukommen, wäre es nötig, in Brandenburg ein paar Posten neu zu besetzen. Die einen wirtschaftlichen Misserfolge dem Wild anzulasten, sei unredlich. Den Statistiken zufolge hätten sich die Schalenwildbestände in den vergangenen zehn Jahren halbiert!
Scharfe Kritik am Deutschen Jagdverband
Deutlich wurde Wellershoff auch beim Deutschen Jagdverband. So habe es der amtierende Präsident trotz großer Ankündigungen nicht geschafft, den Bayerischen Jagdverband (BJV) wieder zurück in den DJV zu holen. Während in Brandenburg das Geld für bessere Verbandsarbeit fehle, um beispielsweise die unterbesetzte Geschäftsstelle personell zu stärken, werde es in Berlin mit vollen Händen ausgegeben.
Der DJV habe vor allem ein Führungsproblem. „Wir haben jetzt zum vierten Mal pensionierte CDU-Politiker aus der dritten Reihe“, kritisierte Dr. Wellershoff. Nach von Heeremann sei Hartwig Fischer gekommen, den er für eine absolute Katastrophe halte. Als Beispiel für dessen Versagen nannte er das Projekt „Fellwechsel“, durch das eine Million Euro durch den Schornstein gegangen wären.
Nachfolger Dr. Volker Böhning sei zwar ein netter Kerl, mit dem Amt des DJV- Präsidenten jedoch völlig überfordert gewesen. Ein Voranschreiten habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben. Auch der „weggelobte“ Dammann-Tamke habe nichts bewirkt. Während dem LJV das Geld fehlte, um mit Hilfe von Videos für Widerstand gegen Minister Vogel zu sorgen, wurde beim DJV mit den Euros um sich geworfen. So habe die „Strukturreform“ des Dachverbandes 500.000 Euro gekostet.
Brauchbare Ergebnisse habe es nicht gegeben. Am Ende ging es nur darum, dass der neue Präsident hauptamtlich wird, um ihn mit einem festen Salär auszustatten. Viele Aufträge würden beim DJV zudem unter der Hand vergeben. Für Geschäftsmann Wellershoff ein Unding.
Fazit: Der Austritt aus dem DJV wäre für den LJV BB ein Befreiungsschlag, der den DJV-Beitrag (ca. 175.000 Euro) in der eigenen Kasse lassen würde. Eine Mehrheit für die Diskussion, ob mit oder ohne DJV, wurde nicht erreicht (Anm. der Red.: Bezüglich des sehr knappen Abstimmungsergebnisses laufen derzeit Untersuchungen!).
LJV Brandenburg öffnet sich anderen Bundesländern
Für hitzige Diskussionen sorgte auch der Antrag, die Satzung dahingehend zu ändern, den Tätigkeitsbereich des LJV Brandenburg auf andere Bundesländer auszuweiten. In der Argumentation wurde vorgerechnet, dass heute schon 1600 Berliner im LJV Brandenburg organisiert seien. In Berlin selbst nur 700. Die Arbeit des Berliner Verbandes sei so schlecht, dass man da auch kein Mitleid mit ihm haben müsse.
Einige der Delegierten äußerten Bedenken, dass das als Wilderei in fremden Revieren aufgefasst werden könnte und empfahlen, von diesen Plänen Abstand zu nehmen. LJV-Präsident Wellershoff widersprach und erklärte, dass ihm auch nicht unwohl sei, wenn sächsische Jäger den Süden Brandenburgs für sich entdecken würden. Das sei doch ein Aufruf für den Verband (Anm. der Red.: LJV Sachsen) besser zu werden und die Region abzudecken, wenn das noch nicht geschehen sei.
„Ihr könnt jederzeit in Brandenburg Mitglied werden“
Sein Angebot an die Nachbarn: „Ihr könnt jederzeit in Brandenburg Mitglied werden, wenn ihr von uns gut vertreten werden möchtet.“ Dann käme es vielleicht auch mal zu einer starken Front bei Themen wie „Waffenrecht“ und „Schweinepest“.
Aufgrund der besonderen finanziellen Herausforderungen des LJV Sachsen (enorme Rückforderung von Fördermitteln stehen im Raum) werde man im Falle einer Pleite die Jäger mit offenen Armen empfangen. „Wir werden auch nur die Interessen unserer Mitglieder vertreten, die beispielsweise in Sachsen-Anhalt zur Jagd gehen“, versuchte Wellershoff zu beruhigen. Die Satzungsänderung wurde mit deutlicher Mehrheit beschlossen.







