Die Jagd auf den Rehbock im Wald kann richtig mühsam sein. Während die Böcke im Feld teils das ganze Jahr zur Äsung im offenen Gelände stehen, sich dann wieder zurückziehen und auch sonst recht „sichtbar“ sind, ist die Jagd im Wald teils ein richtiges Katz-und-Maus-Spiel.
1. Rehbock-Jagd-Tipp: Aktivitätsphasen beachten!
Man kann sich im Wald natürlich auch auf „blauen Dunst“ ansetzen, allerdings hat man bessere Chancen auf einen Rehbock, wenn man sich an den Aktivitätsphasen orientiert. Wirklich hilfreich ist dabei der Rehwildkalender nach Ellenberg. Dieser weist die Zeiträume höchster Aktivität aus, in denen das Wild auf den Läufen ist und die Chancen am besten stehen.

Der Rehwildkalender nach Dr. Hermann Ellenberg liefert insbesondere für die Waldjagd wichtige Erkenntnisse. © nach Ellenberg 1975
2. Vorbereitung für die Jagd auf den Rehbock
Salzlecken sind ein wichtiges Mittel für die Hege, aber auch, um sich mit Wildkameras einen Überblick über den Bestand zu verschaffen. Im Wald ist die Zahl der Unbekannten groß, es lässt sich jedoch grob erahnen, wo der Ansitz lohnt. Man sollte es mit der Zahl der Salzlecksteine jedoch nicht übertreiben und sie auch nicht rein zur Bejagung nutzen. Sicher sind sie ein Anziehungspunkt, da das Wild hier wichtige Nährstoffe/Mineralstoffe aufnimmt, man sollte dies jedoch nicht ausnutzen.
Werden bereits alte Salzlecken gut angenommen, so sollte man diese auch weiter unterhalten. 3-4 Salzlecksteine auf 100 Hektar reichen völlig aus. Ansonsten werden die vielen Sulzen allesamt eher unregelmäßig frequentiert. Nachdem ich verschiedene Salzsteine mit unterschiedlichen Aromen getestet habe, bin ich mittlerweile wieder bei den schlichten weißen Steinen aus dem Landhandel gelandet. Diese werden einfach am besten angenommen.

Es muss nicht immer Hightech sein: Auf der Kalamitätsfläche leistet ein Stubben gute Dienste. © C. Korte
3. Rehbock-Jagd-Tipp: Abfährten!
Auf dem nassen Waldboden sieht man Rasch, wo die Wechsel des Rehwildes regelrechte Autobahnen bilden. Noch viel aussagekräftiger sind aber auch frische Plätz- und Fegestellen, die die Anwesenheit eines Bockes verraten. Wer die Zeit im März/April nutzt, um mit dem Hund durchs Revier zu laufen und die Salzsteine zu erneuern, der wird sicher schon die ein oder andere Entdeckung machen. So sieht man auch sofort, welche Wechsel momentan am stärksten frequentiert sind.

Die Freifläche ist für das Rehwild gerade im Frühjahr und Sommer attraktiv, bei regelmäßiger Bejagung weichen sie jedoch in den Bereich der Bestandskante aus. © Kim Trautmann
4. Hotspot Vegetationskante
Für den gezielten Ansitz lohnen oft die Kanten zwischen Altholz und Kalamitätsfläche. Während das Rehwild oft im Altholz ruht, bietet die Kalamitätsfläche reichlich Äsung. Gassen oder der Rand des Altholzes sind heiße Ecken, die man auf jeden Fall im Blick behalten sollte.
Gerade im Frühjahr sind natürlich auch die Kalamitätsflächen und Verjüngungen wie Pralinen inmitten des Hochwaldes. Hier tritt das Rehwild aus und äst die jungen Triebe. Habe ich die Wahl, versuche ich mein Glück jedoch meist im angrenzenden Altholz, da das Rehwild hier weit vertrauter anwechselt als auf den Freiflächen, auf die es zum Äsen zieht.
5. Der frühe Jäger fängt den Rehbock!
Im Wald lohnt es sich definitiv, früh aufzustehen! Das Gros der Jägerschaft jagt abends, weshalb das Wild in den frühen Morgenstunden kaum mit Jagddruck rechnet. Entweder äst das Wild noch auf den Freiflächen oder ist bereits auf dem Rückweg in den Bestand. Gerade in der Blattzeit hat man jedoch auch tagsüber und vor allem in den Mittagsstunden ausgesprochen gute Chancen auf einen Rehbock im Wald.
6. Rehbock-Jagd-Tipp: Achtung Geräuschkulisse!
Im Wald steht oftmals viel Wild auf engstem Raum, wenn die Vegetation entsprechende Voraussetzungen bietet. Darum sollte man sich frühzeitig ansetzen, sehr gemütlich pirschen und jeden Winkel gründlich abglasen. Oft genügen zwei Schritte um eine Lücke einsehen zu können, die man vorher gar nicht abglasen konnte. Läuft man hier zu schnell oder womöglich noch über den Schotterweg, ist die Chance vertan.
Gerade jetzt im zeitigen Frühjahr kann man sich in aller Ruhe die vielversprechenden Ansitzeinrichtungen anschauen und die Pirschwege vorbereiten. Wem die Arbeit mit Rechen und Harke zu mühselig ist, der greift, ganz modern, zum Laubbläser. Mit einer halben Stunde Arbeitseinsatz kann man so wichtige Vorbereitungen treffen.

Können die Meisen nicht unterscheiden, ob man Teil der Vegetation ist, passt die Tarnung. © Kim Trautmann
7. Tarnung ist Trumpf!
Wenn Tarnmuster auf der Jagdbekleidung irgendwo ihre Berechtigung haben, dann definitiv bei der Waldjagd auf den Rehbock. Sie lassen die Konturen verschwimmen und passen sich in die Umgebung ein. Jacke und Cap bieten einen großen Vorteil, Handschuhe und Schlauchschal verbessern die Chancen natürlich noch einmal zusätzlich.
8. Langsam und doch beherzt
Waldjagd ist nichts für Zaghafte und das macht sie so unglaublich spannend. War die Bühne vor vier Sekunden noch leer, steht der Rehbock plötzlich 5 Meter vor einem. Man muss beherzt, aber nicht unüberlegt jagen. Am besten hat man im Vorfeld bereits einen genauen Plan, welche Stücke man erlegen will, sodass man im entscheidenden Moment nicht plötzlich ins Grübeln kommt.
9. Pirsch auf Unbekannte bei der Rehbock-Jagd
Man muss sich in vielen Waldrevieren auch ein Stück weit davon lossagen, dass man gezielt auf einen bestimmten Bock jagen kann. Sicher klappt das mit dem ein oder anderen alten Rehbock in der Blattzeit, aber viele der Stücke die man im Wald vorhat, sieht man zum ersten und letzten Mal. Das macht die Jagd so unglaublich spannend und abwechslungsreich, dafür aber auch komplett unberechenbar. Ob ein Knopfbock oder ein uralter Sechser auftaucht, lässt sich hier schlechter vorhersagen als an altbekannten Heckenstreifen mit perfektem Blick auf Obstbaumwiese und Wildacker.

Es lohnt sich, die erfolgversprechenden Plätze auch mal mit dem Zielstock aus einer gänzlich anderen Richtung anzugehen und ein paar Minuten zu verhoffen. © Kim Trautmann
10. Flexibel bleiben!
Das Wild reagiert oft noch sensibler und schneller auf Störung und damit auch auf Jagddruck als auf große Entfernung im Feld. Hier hilft es, wenn man einen Wechsel ausgemacht hat, auch einmal mit dem Zielstock beispielsweise auf der anderen Seite einer Freifläche zu stehen und zu warten. Weicht das Wild im Wald aus, so meist nur um ein paar hundert Meter.
11. Das muss mit zur Rehbock-Jagd im Wald!
- Ein Wärmebildhandgerät erleichtert die Jagd im Wald immens und hilft dabei, nicht bereits beim Angehen einen Teil der Stücke zu „vertreten“, indem man in sie hineinstolpert.
- Eine kompakte leichte Büchse,
- eine Laborierung mit einem massestabilen Deformationsgeschoss, das nicht gleich am ersten Ästchen anspricht,
- Tarnbekleidung sowie
- leise und bequeme Schuhe oder „Pirschsocken“ mit Kautschuksohle, komplettieren die Ausrüstung.
- Ein scharfes Messer,
- ein Bergestrick und
- eine kleine Lampe dürfen noch mit, das wars dann aber auch. Weniger ist mehr!
Bei der Wahl des Kalibers darf es für meinen Geschmack gerne etwas mehr sein! Bei der 6.5 Creedmoor sowie der .243 Win. hatte ich teils Probleme, da die Kugel wegen unvorhergesehener, kleinster Ästchen nicht genau dort landete, wo sie sollte. Nimmt man eine .308 Win. oder eine 8x57IS hat man hier etwas weniger Unannehmlichkeiten.
12. Der Waldjäger ist ein Ohrentier
Ehrlich gesagt höre ich 95% aller Stücke anwechseln, bevor ich sie in irgendeiner Form sehen kann. Wer konzentriert lauscht und das Smartphone vielleicht sogar im Auto lässt, der wird nur selten vom Rehbock überrascht. Wer das auf Dauer genießen möchte, tut gut daran einen Schalldämpfer zu verwenden, da die Hörleistung ansonsten mit der Zeit rapide abnimmt.






