Streitfrage: Wiederansiedlung von Schwarzwild nach ASP

Young wild Boar

Eine Bache mit Frischlingen wird man in nächster Zeit in Dänemark nicht zu Gesicht bekommen. © AdobeStock/Randy van Domselaar

Aufgrund der ASP ist das Schwarzwild überall in Europa im Fokus. Zu hoch ist das Risiko für die Hausschweinbestände. Nach der faktischen Ausrottung des Schwarzwildes beginnt in einem Land jetzt eine Diskussion über die Wiederansiedlung der Wildschweine.

Schwarzwild durch ASP-Maßnahmen ausgerottet

In Dänemark ist das Schwarzwild nach jahrelanger intensiver Bejagung und massiven Maßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) praktisch von der Bildfläche verschwunden. Nun aber bringt der dänische Jägerverband Danmarks Jægerforbund eine Wiederansiedlung ins Gespräch. Ein Vorstoß, der für Diskussionsstoff sorgen dürfte, auch über die Landesgrenzen hinaus.

In einem Video auf der Facebook-Seite des Verbandes erklärt der beim Verband für das Wildtiermanagement zuständige Niels Søndergaard, dass Wildschweine früher oder später wieder in die dänische Natur zurückkehren sollten. „Wir befinden uns derzeit in einer Situation, in der die Afrikanische Schweinepest mit Hinblick auf die dänische Schweineproduktion so etwas unmöglich macht. Sobald wir diese Seuche unter Kontrolle haben, werden wir wieder Schwarzwild in der dänischen Natur haben – sowohl im Sinne der Artenvielfalt und des Naturerlebnisses als auch der Jagd“, so Søndergaard.

Nach ASP: ein Comeback für Schwarzwild?

Hintergrund ist die dänische Strategie zum Schutz der bedeutenden heimischen Schweinehaltung. Die Sorge vor der ASP bestimmt seit Jahren die Agrarpolitik des Landes. Zwischen 2018 und 2019 ließ Dänemark entlang der Grenze zu Deutschland einen rund 70 Kilometer langen Wildschweinzaun errichten, um einwandernde Rotten fernzuhalten. Parallel wurde der Jagddruck massiv erhöht. Der Erfolg aus Sicht der Seuchenbekämpfer ist nicht zu leugnen: Schwarzwild gilt in Dänemark heute als praktisch ausgestorben.

Der Jägerverband selbst betont in einer aktuellen Stellungnahme, keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen die Rückkehr des Schwarzwilds zu haben. „Der Jägerverband hat stets gesagt: Sobald es möglich ist, sollten wir eine Wiedereinwanderung zulassen“, heißt es dort. Man fordere eine Naturdebatte auf Basis von Fachwissen und Fakten, denn Schwarzwild gehöre zur europäischen Fauna. Die gilt aus Sicht des Verbandes auch für Dänemark, wo die Art bereits Anfang des 19. Jahrhunderts einmal ausgerottet worden war. Erst in jüngerer Zeit waren Wildschweine wieder eingewandert.

Laut Søndergaard geht es nicht um eine sofortige Wiederansiedlung, sondern um einen Schritt, der erst erfolgen soll, wenn die Seuchenlage unter Kontrolle ist. Die ASP bleibt in Europa eine ernste Bedrohung mit erheblichem wirtschaftlichem Schadenspotenzial.

Zündstoff für einen neuen Konflikt

Der Vorstoß birgt Sprengkraft, denn zwischen Jagd- und Landwirtschaftsinteressen könnte es erneut Reibung geben. Die Schweinehaltung zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Dänemarks: Nach Angaben der dänischen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft (Agriculture & Food Denmark) werden im Land jährlich rund 28 Millionen Schweine in etwa 5.000 Betrieben erzeugt. Mehr als 70 Prozent des dänischen Schweinefleisches gehen in den Export. Über 140 Länder sind Kunden, wobei Deutschland, Großbritannien und Polen die größten Abnehmer sind.

Angesichts dieser Dimensionen verwundert es nicht, dass die Seuchenbekämpfung in der dänischen Landwirtschaftspolitik weiterhin oberste Priorität hat. Gleichzeitig treibt die Frage nach der Rolle des Schwarzwilds im Ökosystem und als Jagdwild viele dänische Jäger um. Wie sich die Debatte entwickelt, ist offen. Klar ist: Das letzte Wort zur Zukunft des Schwarzwilds in Dänemark ist noch lange nicht gesprochen.