Liegt uns der Jagderfolg in den Genen?

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Alleine auf der Jagd guckt uns keiner auf die Finger. Trotzdem jagen wir dann am selektivsten. ©Pauline von Hardenberg

Geprägt durch ein Wertesystem

Besonders in Deutschland, aber auch in anderen Ländern hat sich die Jägerschaft ein eigenes Wertesystem geschaffen, das zusätzlich zu den gesetzlichen Bestimmungen als Regelwerk bei der Bejagung gilt. Teils stammt dies aus feudalen Zeiten, teils ist es moderne Ethik, die eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wildbestände sichern und Tierschutzgedanken Rechnung tragen soll.

Zentrale Frage der norwegischen Studie war also, wie strikt diese Regeln durch freiwillige Selbstkontrolle eingehalten werden und welche Rolle es dabei spielt, wo, wann, was und mit wem wir jagen.

Druckfaktor Jagderfolg?

Die Forschergruppe, die aus Wissenschaftlern der Wageningen Universität in den Niederlanden, aus Heidelberg und Kollegen der Universität Oslos bestand, hat sich zur Beantwortung dieser Frage die gesammelten Daten der norwegischen Rotwildstrecken aus den Jahren 1999 bis 2010 angesehen.

In Norwegen ist es Vorschrift , dass Jäger ein Datenformular ausfüllen, in dem sie Angaben zu der Stundenanzahl, die sie auf der Jagd verbracht haben machen. Außerdem was in Anblick kam und was davon tatsächlich erlegt werden konnte. Insgesamt wurden so 20.203 Erlegungen und 214.628 Sichtungen bewertet.

Obwohl nur eine Wildart betrachtet wurde, ist davon auszugehen, dass sich die Ergebnisse auch auf andere Wildarten übertragen lassen. Da die Forscher auch Wetterdaten und die Mondphase in ihre Analyse mit einbezogen hatten, betrachteten sie schließlich 181.989 Situationen, in denen sich die Jäger die Frage beantworten mussten: Schießen oder laufen lassen?

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In kleinen Gruppen jagen Menschen sehr selektiv. Hier zählt das gemeinsame Ergebnis oft mehr als der individuelle Erfolg.

Gute Selektion führt zu Jagderfolg

Wie in Deutschland so sind auch in Norwegen die Rotwildbestände in den letzten Jahrzehnten gewachsen, und jedes Jahr werden steigende Stückzahlen erlegt. Obohl Rotwild in Norwegen nicht streng nach Güteklassen gehegt wird, ist auch dort ein steigendes Interesse an der Trophäenernte zu verzeichnen.

Die Trophäenjagd an sich spielt jedoch weiterhin eher eine untergeordnete Rolle, das heißt, dass es sich bei dem Großteil der erlegten Stücke nicht um kapitale Trophäenträger handelt. Die Bejagungshauptgründe sind, wie hierzulande, in den Bereichen der Hege, Freizeitgestaltung und Wildbretbeschauung angesiedelt.

Wie in Deutschland unterliegt das Wild in Norwegen einem Abschussplan, der vorgibt, wie viele Stücke jeden Geschlechts und welcher Altersklasse entnommen werden sollen. Um diesen zu erfüllen, müssen die Jäger, wie hierzulande auch, sehr selektiv vorgehen.

Weibliches Wild lebt länger

In der Analyse unter Leitung des Norwegers Atle Mysterud kam ans Licht, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit eines männlichen Stück Rotwilds von Jahr zu Jahr zwischen 52 und 55 Prozent beträgt, während weibliche Stücke ein Jagdjahr mit etwa 82-prozentiger Wahrscheinlichkeit überleben. Mit einem solchen Ungleichgewicht kann falsches oder unzureichendes Management zum Verschwinden bestimmter, begehrter Phänotypen und zur Störung eines natürlichen Altersklassenaus aus durch vermehrte Selektion führen.

Dieses Ergebnis zeigt, dass wir unsere Entscheidung, ein bestimmtes Stück zu erlegen, zunächst mal vom Geschlecht des Wildes abhängig machen. Zugrunde liegen vermutlich zwei Gedanken. Erstens, dass weibliches Wild als Zuwachsträger gilt, und zweitens wegen seiner Trophäenlosigkeit eher an unsere Milde appelliert.

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Weibliches Wild hat unter menschlicher Bejagung eine höhere Überlebenschance als männliches.