Ohne Hund kein Tierschutz! Wie Wolf und Drohne die Nachsuche verändern

Wolf und Drohne sind auf dem Vormarsch. Der JÄGER wollte on drei Nachsuchenführern wissen, wie sich das auf ihre Arbeit auswirkt.

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Spätestens hier ist die Drohne mit ihrem Latein ans Ende! © Christoph Pickel

Nicht alle Neuerungen in Sachen Naturschutz und Technik sind auch dem Tierschutz zuträglich. Das bekommen immer öfter auch diejenigen zu spüren, die dafür sorgen, dass jeder Anschuss kontrolliert und krankes Wild nach Verkehrsunfällen oder Jagd ordentlich nachgesucht wird: unsere Nachsuchenführer mit ihren Hunden.

Doch wie beeinflussen Drohnen und Wölfe den Alltag der Schweißhunde auf der Nachsuche wirklich? Wir haben Christoph Pickel, Timo Hilgers und Sönke Kamp nach ihren Erfahrungen im Wolfsepizentrum in der niedersächsischen Heide befragt.

Redaktion: Christoph wie sucht es sich mit dem Wolf?

Christoph Pickel: Beide Großprädatoren, Wolf und Luchs, sind bei uns im Revier heimisch. Während der Luchs nur sehr selten sein Dasein verrät, findet man vom Wolf regelmäßig Risse, Losung und natürlich Fährten.

Richtige Wolfsbegegnungen gibt es meist nur auf den Drückjagden, wo viel Druck durch die jagenden Hunde entsteht und die Wölfe ihre Einstände verlassen, selten einzelne Sichtungen am Tage.

Es gab aber auch schon Sichtungen beim nächtlichen Ansitz von jagenden Einzeltieren oder Rudeln mit bis zu 7 Individuen. Es gibt bei uns viele Einzeltiere, aber auch Rudel mit bis zu 3 Tieren, ein Rudel mit 5 Tieren zog zuletzt im Dezember aus dem Forst in die benachbarte Gemeindejagd.

Die anfallende Nachsuche ist Pflicht und muss trotz noch so hoher Wolfsvorkommen abgearbeitet werden.

Nachsuche in Wolfsgebieten zu dritt machen

Erwähnenswert wäre, dass ich die Suche in hochbelasteten Wolfsgebieten gerne zu dritt mache, ein Begleiter bei mir und ein Begleiter, das kann auch der Schütze sein, der uns parallel mit dem Auto begleitet und uns im Falle des Schnallens/Hatz ruckzuck aufnehmen kann, sodass wir der Hatz schnell folgen können. So ist der Hund so kurz wie möglich mit dem kranken Stück alleine.

Glücklicherweise gab es bei mir noch keinen Zusammenstoß oder direkten Kontakt mit Isegrim, einzig eine Fährte wo der Hund plötzlich während der Riemenarbeit die Rute eingeklemmt hat und Schutz bei mir suchte, bleibt mir in Erinnerung. Ich musste ihn für rund 150 m förmlich über die Fährte beten, ich vermute, dass da ein Wolf die Wundfährte gekreuzt hat, denn kurz danach ging die Riemenarbeit in gewohnter Weise weiter.

Wildscheuche Wolf: Verändert sich das Verhalten von Schwarzwild?

Ich bin der Meinung, in den großen zusammenhängenden Forstorten mit vielen Wölfen mehr Großrotten zu beobachten. Es sind kaum Frischlinge dabei und wenn, dann immer nur sehr wenige.

Das Schwarzwild war schon immer wehrhaft, oft hört man, dass das Schwarzwild wegen des Wolfes aggressiver und wehrhafter geworden sei. Ich für meinen Teil kann das nicht bestätigen. Die eine kranke Sau gibt sich früher ihrem Schicksal hin und die andere etwas später oder nimmt sogar nochmals an. Das kann man nicht pauschalisieren.

Drohne vs. Schweißhund: Welche Technik hilft bei der Nachsuche?

Grundsätzlich bin ich auch technikaffin und nutze ebenfalls Wärmebildtechnik für den nächtlichen Ansitz, zudem bin ich großer Fan der vielen Kitzretter mit Wärmebilddrohne.

Bei der Nachsuche hat die Wärmebilddrohne in meinen Augen und in den Augen vieler Schweißhundführerkollegen einen nur sehr geringen Beitrag zu leisten. Es gibt sicherlich kurze Todsuchen im Schilf oder im Getreide, wo die Wärmebilddrohne die kurze Totflucht von oben aufklären und das frisch verendete Stück entdecken kann.

Nur ein Hund kann geschnalt werden und das Stück auch in der Vegetation stellen! © Christoph Pickel

Das wiederum sind aber auch die kurzen Suchen, die unsere jungen, gerade geprüften Hunde dringend brauchen, um sie einzuarbeiten und ihnen Selbstvertrauen zu geben. Ein Nachsuchengespann muss zusammenwachsen, das dauert und das kann nur durch viele und regelmäßige Arbeiten erreicht werden, nur so wird der Hund zum Spezialisten, und da zählt eben jede noch so kleine oder kurze Suche.

Natürlich kann man den Schützen verstehen, dass gerade in den Sommermonaten das Verhitzen des wertvollen Wildbrets droht, aber kein verantwortungsbewusster Nachsuchenführer wird eine nächtliche Nachsuche machen, wenn nicht eindeutige Pürschzeichen wie Lungenschweiß und/ oder Lungenteilchen am Anschuss liegen.

Die Chance, in der Dunkelheit auf krankes wehrhaftes Wild zu stoßen, oder das kranke Stück aus dem Wundbett aufzumüden, ist viel zu groß.

Wärmebilddrohne als Ergänzung zur Nachsuche

Für mich gibt es nur einen einzigen Grund, eine Wärmebilddrohne zur Nachsuche einzusetzen, und zwar als Ergänzung bei der Suche auf starke Sauen im brusthohen Raps, und zwar kurz nach der Blüte, wenn dieser wirklich total ineinander verwachsen und für Hund und vor allem Führer nahezu unbegehbar ist. Auf eine annehmende Sau zu reagieren oder einen sicheren Fangschuss anzutragen, ist darin extrem schwer.

Im Großen und Ganzen erschweren die Suchen mit der Drohne meine Arbeit jedoch in der Hinsicht, dass das kranke Stück beim Überfliegen aus dem Wundbett gedrückt werden kann und dann sein Heil in der weiten Flucht sucht. Die Suche wird dadurch unverhältnismäßig in die Länge gezogen und Tierleid verlängert.

Die heutigen Sensoren der Wärmebilddrohnen sind schon richtig gut, aber unter eine tieftraufende Fichte wird die Drohne aus der Höhe auch nicht schauen können, die erfahrene Hundenase hingegen wird die Sau sicher zeigen.

Ich kann mir vorstellen, dass es Drohnenpiloten gibt, die im Einsatz die kranke Sau nicht finden, und dann genau zu den gleichen Worten neigen wie so mancher „Gelegenheitsnachsuchenführer“: Die wird schon nicht so viel haben, die ist nicht zu kriegen…

Timo Hilgers: Wie Wölfe die Nachsuche in der Lüneburger Heide beeinflussen

Redaktion: Timo, wie hat sich die Nachsuche bei dir durch Wolf und Drohne verändert?

Timo Hilgers: Der Wolf ist Standwild in fast allen Revieren meiner Region, in der Lüneburger Heide. Die Truppenübungsplätze beherbergen mehrere Wolfsrudel und auch Landes- und Privatwälder der Region liefern Dutzende Vorkommen.

Man geht von inzwischen 15 Rudeln aus zwischen Rotenburg (Wümme), Visselhövede und Munster/Amelinghausen + die Wanderwölfe, die so umherziehen …

Meine Beobachtung ist, dass die Hunde, die als Welpe schon regelmäßig mit intensiver Wolfswitterungkonfrontiert werden (im Revier bei der Ausbildung, Fährtenarbeit etc.) – sich auch später wenig von der bloßen Witterung einschüchtern lassen.

Ältere Hunde, die den Wolf bzw. seine Witterung erst später kennengelernt haben, reagieren oft verhaltener, teilweise ängstlich bei starker Wolfswitterung.

Hund nicht länger als nötig allein lassen

Es ist darauf zu achten, bei Nachsuchen im direkten Wolfsgebiet oder bei mehrfachen Sichtungen auf Drückjagden etc. – insbesondere das Nachrücken bei der Hetze so zu gestalten, dass man zügig folgen kann und der Hund im Zweifel nicht länger als nötig alleine mit einem Wolfskontakt konfrontiert ist. Ich hatte bisher keine direkten Kontakte zwischen Hund und Wolf.

Teilweise enden Nachsuchen jedoch am bereits frisch angeschnittenen Wildkörper …

Es gab immer schon Regionen, in denen so viel Wild stand, dass es dort beim Rotwild sehr große Rudel gab – Raum Gartow, Raum Eschede, Raum Westenholz etc. – nun ist es mittlerweile so, dass auch in Regionen in denen die Rudelstärke bisher „normal“ war – Großrudel vorkommen, die eine große Vorsicht walten lassen, eine hohe Fluchtdistanz haben und sich teilweise in Bereiche umstellen, in denen sie nie standen …

Wehrhafte Schwarzkittel: Werden Sauen durch den Wolf aggressiver?

Bei den Sauen ist es hier in der Heide auch häufig beobachtet worden, dass sich diese zu sehr großen Rotten zusammenschließen, wobei hier seit dem enormen Jagddruck und -erfolg im Zeitalter der Technik die Bestände mittlerweile größtenteils ziemlich dezimiert sind.

Wehrhafter sind die Sauen allemal geworden! Sie haben gelernt, es lohnt sich im Zweifel, sich umzudrehen und anzugreifen. Das ist auf der Nachsuche nicht unbedingt neu, da die kranke Sau im Zweifel immer wehrhaft ist, aber gerade die Stöberhunde müssen seit ein paar Jahren hier vermehrt einstecken.

Wo moderat gejagt wird, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Wolf eben seinen Teil holt und ggf. auch der Straßenverkehr – da scheint es möglich weiterhin nachhaltig einen Wildbestand vorhalten zu können, der auch bejagbar bleibt.

Dort, wo der Abschussplan zwangsweise/krampfhaft erfüllt wird, obwohl der Wolf mitjagt, teilweise deutlich überschossen wird, da die (kostbaren) Begehungsscheininhaber in summa mehr frei haben als das ganze Revier eigentlich – dort wird Raubbau betrieben und der Bestand sinkt rapide. Hierfür gibt es genügend Beispiele.

Abschussplan anpassen

Hinzu kommt, dass die nicht-autochthonen Arten leider einfach schlechter mit dem Wolf umgehen können, da sie nicht so lange wie die heimischen Arten mit dem Wolf zu tun haben…

Rotwild, Rehwild, Schwarzwild wird es überleben, wenn die Bejagung angepasst wird. Das Stück Damwild, was 100 m Prellsprünge im Kiefernaltholz macht, hat im Zweifel genauso das Nachsehen wie der Muffelwidder, der gerne 100 m „nach oben“ möchte, um den Verfolger abzuschütteln, aber leider auch nur 100 m geradeaus ins Kiefernaltholz rennt …

Insbesondere wo diese beiden Arten vorkommen, muss im ureigensten Interesse die Bejagungsstrategie angepasst werden, der Abschussplan ggf. abgesenkt werden. Der Wolf holt sich immer seinen Teil und viele Wölfe holen sich eben viel!

Wärmebilddrohnen bei der Nachsuche: Risiko für krankes Wild?

deine Arbeit? Es kommt vor, dass vor dem Hundeeinsatz mit der Wärmebilddrohne gesucht wird.

Ganz offensichtlich kommen die Drohnen oft dann zum Einsatz, wenn man nicht weiß, ob das Stück liegt.

Hierbei besteht die Gefahr, dass Wild ggf. aufgemüdet wird, die Erfolgsaussichten der anschließenden Nachsuche sinken und das Wild mehr Leid erfährt als ohnehin schon. Allein aus diesem Grund würde ich mir wünschen, dass dies nicht Alltag wird.

Pirschzeichen sind etwas, das „Drohnenführer“ bei der Such nicht finden werden. © Christoph Pickel

Wenn der Schütze weiß, dass das Wild liegt – er findet es nur auf der Wiese, im Wildacker etc. nicht wieder – dann mag es ein probates Mittel sein.

Wobei gerade die sicheren Totsuchen mit sicherem Ausgang für die jungen Schweißhunde nach der Vorprüfung deshalb immer weniger werden, obwohl sie für die Routine und Arbeitsfreude so wichtig sind.

Viele für die Junghunde wichtige, gut machbare Suchen werden heute mit Wärmebild/ Drohne ohne Hunde gemacht und die Junghunde sind dann sehr früh mit teilweise zu schweren Suchen konfrontiert.

Eine Erschwernis ergibt sich aus der Flucht des Wildes, ein Aufmüden und dann das Zurücklegen einer enormen Strecke, was natürlich mit weiteren Erschwernissen wie Verleitungen, Straßenverkehr etc. verbunden sein kann. Die Fährte an sich lässt sich normal arbeiten.

Was das Wichtigste ist: wenn man mit der Drohne keinen Erfolg hat – warum auch immer – trotzdem den Schweißhundeführer anrufen!

Unabhängig von der ethisch/moralischen Verantwortung machen sich Schütze und ggf. Jagdausübungsberechtigter strafbar, wenn die ordnungsgemäße Nachsuche unterlassen wird!

Sönke Kamp: Erfahrungen mit Wolf und Drohne bei der Nachsuche

Redaktion: Sönke, wie ist deine Erfahrung mit Wolf und Drohne? Sönke Kamp: Wölfe kommen bei uns regelmäßig vor, Luchse haben wir nicht. Die tatsächliche Dichte ist schwer abzuschätzen, aber nach meiner und der Wahrnehmung vieler Jäger, haben wir hier zwei etablierte Rudel und immer wieder durchziehende Einzelwölfe.

Der Großteil der Nachsuchenarbeit ist Riemenarbeit, sodass uns die bloße Anwesenheit von Wölfen zunächst nicht groß beeinträchtigt. Allerdings überlege ich mir in manchen Revieren schon genauer, ob ich den Hund wirklich schnalle, weil ich doch eine Konkurrenzsituation zwischen dem Hund und Wölfen fürchte, wenn der Hund auf sich allein gestellt ist.

Das mag eine sehr abstrakte Angst sein, aber wenn ich weiß, dass in der momentanen Suchengegend ein Rudel jagt, werde ich vorsichtiger. Wölfe sind einfach eine zusätzliche Gefahr für die Arbeit mit unseren Hunden, wenngleich eine wesentlich kleinere als der Straßenverkehr.

Ansonsten kommt es gelegentlich vor, dass Wölfe vor uns am Stück sind, wenn es sich um längere Totsuchen gehandelt hat. Allerdings ist das ein Phänomen, das jeder Jäger auch schon mal mit Füchsen erlebt hat.

Ich kann mich an eine direkte Begegnung mit zwei Wölfen während einer Kontrollsuche auf eine Sau erinnern. Die beiden kamen uns im Hochwald entgegen und nahmen uns erst auf rund 40 m wahr. Mein Begleiter und ich blieben stehen und waren gleichermaßen beeindruckt wie die Wölfe scheinbar auch. Als die zwei uns wahrnahmen, nahmen sie auch schon sofort Reißaus.

Wolfsbegegnungen während der Nachsuche

Ein einzelner, sehr heller Wolf ist mir bei Nachsuchen nach Drückjagden in einer bestimmten Gegend über zwei Jahre regelmäßig begegnet. Er reagierte nie panisch, sondern trollte eher entspannt davon, wenn er uns bemerkte. Offenkundig kontrollierte dieser Wolf – genau wie wir – die Anschüsse nach der Jagd.

Bei den Sauen in unserer Gegend ist in derselben Zeit, in der die Wölfe sich etabliert haben, auch der menschliche Jagd- und Besucherdruck gestiegen, sodass ich nicht klar einschätzen kann, was nun ursächlich ist.

Ich nehme allerdings wahr, dass die Sauen (wie auch unser Damwild) sehr genau darauf reagieren, wo gerade Wölfe jagen, sich dann verlagern und durchaus auch größere Rotten zu bilden scheinen. Eine höhere Aggressivität gegen den stellenden Hund nehme ich hier bisher nicht wahr.

Klarer ist das dagegen beim Damwild der Fall. Hier ist es in den Wolfsrevieren nach meiner Erfahrung sehr deutlich zu einer gesteigerten Wehrhaftigkeit gekommen. Die Alttiere verteidigen sehr vehement ihre Kälber gegen den Hund und auch die Kälber selbst schlagen mit den Läufen massiv gegen den Hund.

In den Randgebieten der Wolfsreviere nehme ich das beim Damwild in dieser Vehemenz so nicht wahr. Bei allen Schalenwildarten in unserer Gegend ist der Jagddruck durch Mensch und Wolf deutlich gestiegen.

Diesen Druck auszutarieren, ist in meinen Augen die große Herausforderung der nächsten Zeit. Gelingt das nicht, mache ich mir vor allem um unser Dam- und Schwarzwild große Sorgen.

Wir Jäger denken und jagen in Abschussplänen und folgen klaren Ideen von Wildmanagement. Das kollidiert einfach kolossal mit dem Jagen der Wölfe, die von unseren Plänen nichts wissen und jagen wie es ihnen nötig und möglich ist.

Es bedarf also sehr viel Augenmaßes und sehr guter Revierkenntnis, um Wildbestände nicht versehentlich zu überjagen.

Drohnen bei der Nachsuche: Erfahrungen und Grenzen der Wärmebildtechnik

Meine Erfahrungen mit Drohnen sind sehr leidvolle! Drohnen haben sich – vor allem in den Feldrevieren – rasant verbreitet.

Ich komme in diesen Revieren kaum noch zu einer Suche, bei der nicht vorher eine Drohne eingesetzt worden ist. Daneben gibt es auch einige semiprofessionelle Akteure, die sich vor allem mit Meuten und Drohnen für die Sauenjagd anbieten.

Das Problem ist dann – gerade beim Rehwild – dass die Stücke schon mehrfach aufgemüdet worden sind. Leid wird so unnötig verlängert und die klare Gesetzeslage ignoriert.

Gleichzeitig ist die Erfolgsquote der Drohnen-Nachsuchen bei Weitem nicht so hoch, wie ihre Fans das gerne hätten. Zum einen muss das gesuchte Stück erst mal einwandfrei identifiziert werden und zum anderen muss man des Stückes immer noch habhaft werden.

Das heißt, dass am Ende immer noch der geprüfte und erfahrene Hund stehen muss, um erfolgreich zu sein.

Im letzten Sommer habe ich einen gekrellten Rehbock nachgesucht, der auch mit einer Drohne vorher gesucht worden war. Das war in einem 20 ha-Maisschlag.

Beim ersten Mal hat ihn die Drohne gefunden, aber als ein Jäger den Bock im Mais angehen wollte, wurde dieser hoch und die Drohne konnte ihn nicht mehr finden, obwohl der Mais nicht eng gelegt war.

Am Ende hat mein Hund den Bock in einem dichten Unkrautstreifen gegriffen, der es der Drohne unmöglich gemacht hatte, ein Wärmesignal zu finden.

Das ist symptomatisch für Drohnensuchen. Viel zu oft wird die Leistungsfähigkeit der Wärmebildtechnik unter realen Bedingungen überschätzt.

In der Praxis genügen häufig Vegetation und Landschaftsverhältnisse, um die Wärmequelle ganz oder teilweise zu verdecken oder dem Piloten zumindest die klare Identifikation des Stückes unmöglich zu machen.

In sehr beeindruckender Weise habe ich dieses Problem bei einer laufkranken 70-KiloSau selbst miterlebt. Das Stück hatte sich in eine Windwurffläche von rund einem Hektar geflüchtet.

Obwohl aufgrund einer Umzäunung absolut klar war, dass das Stück dort irgendwo stecken muss, war trotz vieler Anläufe absolut keine Wärmequelle zu identifizieren. Erst die Hundenase entdeckte das Stück unter einer Fichtenkrone.

Wärmebilddrohnen: Keine Lösung, eher ein neues Problem?

Das häufigste Problem ist, dass die Stücke aufgemüdet werden und in der Folge die Nachsuche erheblich erschwert oder gänzlich aussichtslos wird.

Ein aufgemüdetes Stück tut einfach alles, um sich dem Verfolger zu entziehen. Sauen, die vorher mit Drohnen angeflogen worden sind, verhalten sich häufig sehr aggressiv, weil sie vorgewarnt sind, sie die Drohne nicht einordnen können und wieder Adrenalin einschießt.

Beim Rehwild wird auch sehr schnell gesundes Wild auf die Läufe gebracht und der Verleitungsdruck auf der Fährte steigt.

Das größte Problem ist aber, dass ich zunehmend bemerke, dass Reviere mit DrohnenNachsuchern dazu neigen, bei Misserfolg gar nicht mehr den bestätigten Schweißhundeführer anzurufen.

Vermutlich einerseits aus Scham (und dem Wissen, dass es rechtlich nicht korrekt gewesen ist), andererseits, weil sie manchmal wirklich in dem Glauben sind, das Stück habe nichts oder nicht so viel abbekommen, wenn sie nichts finden.

Hierfür dürfte auch mangelnde Erfahrung der Drohnenpiloten mit dem Thema Nachsuche verantwortlich sein und zu völlig falschen Situationseinschätzungen führen.

Für mich sind sowohl die Jagdverbände als auch der Gesetzgeber gefragt, sich beim Thema Nachsuchen mit Drohen zu positionieren und dieses in sehr deutliche rechtliche Bahnen zu lenken.

In Niedersachsen sehe ich da dringenden Handlungsbedarf. Das Positionspapier des DJV, das ich inhaltlich durchaus gut finde, reicht hier nicht.

Dabei will ich aber auch nicht unerwähnt lassen dass ich durchaus auch einen hilfreichen Nutzen in einigen, sehr eng umgrenzten, Situationen sehe, wo Drohnen eine Unterstützung für den bestätigten Schweißhundeführer sein können.

Das sollte dann aber nur in Absprache und unter Aufsicht des Schweißhundeführers erfolgen, der immer die erste Option sein sollte.

Tierschutz und Nachsuche: Warum der erfahrene Hund unverzichtbar bleibt!

Leid wird zu oft unnötig verlängert! Nur ein brauchbarer und erfahrener Hund kann zuverlässig Wundwitterung identifizieren, die Fährte hin zum kranken Stück arbeiten und die Arbeit dann auch zu Ende bringen, wenn das Stück aus dem Wundbett hoch wird.

Daneben brauchen Nachsuchengespanne eben Erfahrung in ihrer Arbeit, die wir ihnen mit der Technik nehmen.

In der Folge des Einsatzes von Wärmebildkameras sinkt die Zahl einfacher Erfolgssuchen für unsere ( jungen) Hunde rapide, während die Zahl schwerer Suchen wächst.

kranke Stücke

Nur mit Hund sind kranke Stücke sicher zu kriegen. © Christoph Pickel

Das produziert ein Problem beim Heranführen junger Nachsuchenhunde bzw. junger Gespanne, denn auch dem Hundeführer wird so Erfahrung genommen.

Aber auch die Schützen selbst sammeln keine Erfahrung, wenn sie nur dem Wärmesignal hinterherlaufen, statt den Anschuss gründlich zu untersuchen.

Trotz aller technischen Raffinesse ist und bleibt Jagd ein Handwerk, das auf Erfahrung basiert.

In ethischer Hinsicht haben Wärmebildtechnik und Drohnen die Jagd in meinen Augen auch nicht vorteilhaft verändert.

Was ist mit dem Grundsatz, dem Wild eine Chance zu lassen, wenn wir einen Maisschlag vor der Jagd mit Drohnen auskundschaften, dann jagen, ggf. mit Drohne nachsuchen und nachts die letzten Stücke, die aus dem Schlag kommen, mit Wärmebildvorsatzgeräten strecken?

In meinen Augen schneiden wir uns ins eigene Fleisch. Das Wild hat zu keiner Tages- und Nachtzeit mehr Ruhe und das Resultat merken wir zunehmend bei den Streckenergebnissen.