Die Gemeinde Selters im Landkreis Limburg-Weilburg zahlt Jagdpächtern künftig 25 Euro für jeden erlegten Waschbären. Nach Angaben des Landesjagdverbands ist sie damit die erste Kommune in Hessen mit einer solchen Prämie.
Das Gemeindeparlament stimmte dem Antrag der SPD-Fraktion einstimmig zu, wie Bürgermeister Benjamin Zabel (unabhängig) dem Hessischen Rundfunk bestätigte. Anspruch haben die Pächter der gemeindeeigenen Jagdreviere. Bejagt werden soll der Kleinbär vor allem dort, wo er bereits nachgewiesen wurde.
Aufwandsentschädigung für die Fallenjagd
Die Gemeinde versteht die Zahlung als Ausgleich für den Aufwand, den die Revierinhaber bei der Fangjagd bisher unentgeltlich tragen. Voraussetzung ist, dass der Waschbär in einer zugelassenen Falle gefangen und fachgerecht entsorgt wurde. Wie der Nachweis aussieht, legt die Verwaltung noch fest. Die SPD rechnet bei 100 Tieren mit 2.500 Euro im Jahr aus dem Forsthaushalt.
Jagdverband sieht Wertschätzung
Der Landesjagdverband begrüßt den Vorstoß als Anerkennung für die Arbeit der Jäger. Ein Sprecher betonte, wie wichtig die Falle bei dieser Wildart ist: Die meisten Waschbären werden zwischen Mitternacht und fünf Uhr gefangen, wenn kaum ein Jäger draußen ist. Gerade deshalb sei die Fallenjagd so aufwendig. Von Kassel breite sich die Art immer weiter nach Süden aus, selbst an der Bergstraße steigen die Strecken. Selters solle deshalb nicht abwarten, sondern die Bejagung jetzt verstärken.
Die Gemeinde begründet die Prämie mit wachsenden Problemen. Der Waschbär setzt Vögeln und Amphibien zu und trägt nach Angaben des Jagdverbands zum lokalen Verschwinden von Fröschen, Kröten und Molchen bei. In Wohngebieten richtet er zudem Schäden an Dächern und in Gärten an. Eine konsequente Bejagung liege deshalb im öffentlichen Interesse, argumentierte die SPD.
Kritik von Nabu und Tierschutzbund
Der Naturschutzbund hält die Prämie für wenig wirksam. In Siedlungen leben 100 bis 300 Waschbären pro Quadratkilometer, eine Dichte, die sich durch Jagd kaum senken lasse. Zudem gleiche die Art Jagddruck mit höherer Fortpflanzung aus, und bei 400 Tieren im Jahr koste die Prämie bereits 10.000 Euro. Der Deutsche Tierschutzbund setzt auf Vorbeugung wie gesicherte Mülltonnen, Kletterschutz an Häusern, Zäune um empfindliche Biotope und die Sterilisation mit anschließender Freilassung.
Schonzeit bereits gestrichen
Hessen hat die Schonzeit für den Waschbären zum April abgeschafft. Bis dahin waren ausgewachsene Tiere von März bis Ende Juni geschützt. Der Elterntierschutz nach dem Bundesjagdgesetz bleibt bestehen. Die Strecken steigen seit Jahren: Im Jagdjahr 2024/25 erlegten Jäger bundesweit 284.220 Waschbären, doppelt so viele wie vor zehn Jahren und zehnmal so viele wie vor zwanzig Jahren. Auf Hessen entfielen 41.145 Tiere.









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