Datenschatz: Neuer Bericht bündelt 25 Jahre Wolfsforschung

Wolfsforscher haben viele Studie über den Wolfsbestand zusammengetragen und nun in einem außergewöhnlichen Bericht gebündelt.

Family of grey wolf in the forest

Ist der Wolf wirklich eins der am besten erforschten Tiere der Welt? © AdobeStock/ AB Photography

Kaum ein Wildtier ist so gut erforscht wie der skandinavische Wolf. Das norwegisch-schwedische Forschungsprojekt SKANDULV untersucht die Art seit Ende der 1990er-Jahre. Getragen wird das Projekt von der schwedischen Landwirtschaftsuniversität SLU. Ein neuer Bericht fasst nun den aktuellen Wissensstand der Wolfsforschung zusammen.

Wolfsbestand unter der Lupe

Seit Winter 1998 statten die Forscher Wölfe mit Sendern aus. Kombiniert mit einer nahezu lückenlosen jährlichen Bestandserfassung und umfangreichen DNA-Analysen ist über die Jahre eine Datenbasis entstanden. Aus dem weltweit wahrscheinlich einzigartigem Datenpool lässt sich mittlerweile fast der komplette Stammbaum der skandinavischen Population ablesen.

Eine Erkenntnis dieser Wolfsforschung: Die schwedische Wolfspopulation hat einen relativ hohen Inzuchtgrad und ist daher stark auf die Zuwanderung von Wölfen aus der finnisch-russischen Population angewiesen. Der Wolfsbericht ist nach dem Bericht über Bären der zweite von insgesamt vier großen Forschungsberichten. Aktuell stehen noch die Berichte zum Luchs und zum Vielfraß aus.

Für den Winter 2025/26 wird der skandinavische Wolfsbestand auf rund 390 Tiere geschätzt. Der schwedische Anteil beträgt dabei etwa 355. Schweden hatte 2024 entschieden die Wolfspopulation schrittweise auf 170 Stück abzusenken. Inzwischen ist man von diesem Ziel abgerückt. Als neues Ziel sind 220 Wölfe in Schweden als Bestandsziel ausgegeben.

Kritik vom Jagdverband an „Zu-Viel“ Wolfsforschung

Ein gespaltenes Echo findet der Bericht beim Jagdverband Jägarnas Riksförbund (JRF). Verbandsvorsitzende Solveig Larsson bemängelt, die Forschung lasse sich in der Praxis nur schwer umsetzen. Ihr fehle die menschliche Dimension, etwa der Blick auf die Folgen für Nutztierhalter. JRF-Vertreter Jens Gustafsson bringt es zugespitzt auf den Punkt: „Damit wir vorankommen können, müssen wir uns ansehen, wie die Menschen betroffen sind. Jetzt wissen wir alles über die am meisten erforschten Tiere der Welt – wir wissen, was sie wiegen, was sie essen, wie ihr zirkadianer Rhythmus aussieht und vieles mehr – jetzt haben wir all dieses Wissen zusammen. Was machen wir damit? Wie wird der menschliche Aspekt ins Bild kommen? Es ist an der Zeit, dass wir damit weitermachen.“

In eigenen Stellungnahmen geht der Verband noch weiter und zweifelt an der statistischen Grundlage einzelner Studien. Die Stichproben seien teils sehr klein, ein eindeutiger Zeittrend lasse sich daraus kaum ableiten. Zudem moniert JRF einen methodischen Widerspruch: In einer Publikation von 2007 (Liberg et al)  wurden besenderte Wölfe mit und ohne eigenes Revier gemeinsam ausgewertet.

Eine spätere Publikation von 2020 argumentiert dagegen, Wölfe ohne festes Territorium, die sich noch auf Wanderschaft befinden, seien kaum zuverlässig zu erfassen, weil sie sich nicht dauerhaft im Suchgebiet aufhielten. Der Verdacht des Verbands: Es gehe eher darum, eine unterschwellige Botschaft über illegale Abschüsse zu transportieren, als um wissenschaftliche Sauberkeit.

Den ausführlichen Bericht finden sie hier.