Leiche im Revier: Jäger schwieg fast zehn Jahre

Ein rätselhafter Leichenfund nahe einer Wildfütterung beschäftigt die Polizei in Österreich. Ein Radtrikot aus Bremen könnte den Fall lösen.

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Eine Leiche im Revier blieb in der österreichischen Steiermark offenbar über Jahre unentdeckt beziehungsweise ungemeldet. Die Polizei hofft nun auf Hinweise aus Deutschland. © Unsplash/Rosie Sun

Eine Wildfütterung ist kein Ort, an dem einem etwas entgeht. Wer regelmäßig vorlegt, kennt jeden Wechsel, jede Fährte und jede Veränderung im Revier. Umso unglaublicher erscheint ein Fall aus der österreichischen Steiermark: Im Bretsteingraben im Bezirk Murtal lag offenbar über Jahre eine Leiche im Jagdrevier – nur wenige Meter von einer Wildfütterung entfernt.

Besonders brisant: Der zuständige Jagdausübungsberechtigte hatte den Toten nach bisherigen Ermittlungen nicht etwa übersehen. Nach Angaben des Landeskriminalamts Steiermark, die über die Austria Presse Agentur (APA) verbreitet wurden, soll er den Leichnam bereits 2014 oder 2015 entdeckt haben. Die Behörden wurden nicht informiert. Als Begründung gab der Revierinhaber an, er habe das Wild im Revier nicht stören wollen.

Bei dem Fundort handelt es sich um ein großes Eigenjagdgebiet, wie ein Sprecher der Kriminalpolizei Graz dem JÄGER auf Nachfrage bestätigte. Erst im Mai 2025 wurde der Fund im Zusammenhang mit einer anstehenden Hofübergabe gemeldet. Die Polizei hat die Ermittlungen inzwischen wieder aufgenommen.

Fahrrad des Toten stand jahrelang auf dem Hof

Der Fall wirft zahlreiche Fragen auf. Laut dem österreichischen Nachrichtenportal „Heute“ fand der Revierinhaber zunächst das Fahrrad des Verstorbenen. Weil es nicht direkt neben den sterblichen Überresten lag, soll er das vermeintlich herrenlose Mountainbike der Marke Cube mitgenommen, trocken auf seinem Hof gelagert und gelegentlich sogar selbst genutzt haben.

Leiche im Revier: Spur führt nach Deutschland

Bis heute ist die Identität des Toten ungeklärt. Ein anthropologisches Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Leoben beschreibt laut „oe24“ einen Mann zwischen 40 und 60 Jahren, der etwa 1,60 bis 1,70 Meter groß war. Der Todeszeitpunkt wird auf den Zeitraum zwischen 2014 und 2019 eingegrenzt.

Eine wichtige Spur führt nach Deutschland: Der Mann trug ein Radtrikot der „National Cycling Academy“ (NCA), das nach Erkenntnissen der Ermittler im Raum Bremen an Teilnehmer von Spinning-Kursen ausgegeben worden sein dürfte. Auch das schwarze Mountainbike wurde zwischen 2003 und 2007 in Deutschland verkauft.

Das Landeskriminalamt Steiermark hofft daher ausdrücklich auf Hinweise aus Deutschland – insbesondere von Menschen, die das Trikot wiedererkennen oder seit Jahren einen Angehörigen oder Bekannten vermissen.

Fall aus Österreich wird auch bei ServusTV gezeigt

Der rätselhafte Fall wird außerdem in der Sendung „Fahndung Österreich“ bei ServusTV aufgegriffen. Das Format gilt als österreichisches Pendant zu „Aktenzeichen XY… ungelöst“ und soll durch die öffentliche Aufmerksamkeit neue Hinweise aus der Bevölkerung liefern. Die Ausstrahlung ist für den heutigen Mittwoch, den 10. Juni 2026, um 20.15 Uhr geplant.

Todesursache weiter ungeklärt

Ob der Mann eines natürlichen Todes starb oder ob ein Fremdverschulden vorliegt, ist noch unklar. Konkrete Hinweise auf ein Verbrechen gibt es nach Angaben der Ermittler bislang nicht. Aufgrund der langen Zeitspanne zwischen dem Auffinden und der Meldung des Leichnams könnten jedoch wichtige Spuren verloren gegangen sein.

Der JÄGER steht wegen des Falls im Austausch mit den österreichischen Ermittlungsbehörden und wird diesen Beitrag aktualisieren, sobald neue Erkenntnisse zur Identität des Toten oder zum Stand der Ermittlungen vorliegen.

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