Eine Wildfütterung ist kein Ort, an dem einem etwas entgeht. Wer regelmäßig vorlegt, kennt jeden Wechsel, jede Fährte und jede Veränderung im Revier. Umso unglaublicher erscheint ein Fall aus der österreichischen Steiermark: Im Bretsteingraben im Bezirk Murtal lag offenbar über Jahre eine Leiche im Jagdrevier – nur wenige Meter von einer Wildfütterung entfernt.
Besonders brisant: Der zuständige Jagdausübungsberechtigte hatte den Toten nach bisherigen Ermittlungen nicht etwa übersehen. Nach Angaben des Landeskriminalamts Steiermark, die über die Austria Presse Agentur (APA) verbreitet wurden, soll er die sterblichen Überreste und das Fahrrad des Toten unabhängig voneinander bereits in den Jahren 2014 beziehungsweise 2015 entdeckt haben. Die Behörden wurden nicht informiert. Als Begründung gab der Revierinhaber an, er habe das Wild im Revier nicht stören wollen.
Bei dem Fundort handelt es sich um ein großes Eigenjagdgebiet, wie ein Sprecher der Landeskriminalpolizei in Graz dem JÄGER auf Nachfrage bestätigte. Erst im Mai 2025 wurde der Fund im Zusammenhang mit einer anstehenden Hofübergabe gemeldet. Die Polizei hat die Ermittlungen inzwischen wieder aufgenommen.
Fahrrad des Toten stand jahrelang auf dem Hof
Der Fall wirft zahlreiche Fragen auf. Laut dem österreichischen Nachrichtenportal „Heute“ fand der Revierinhaber zunächst das Fahrrad des Verstorbenen. Weil es nicht direkt neben den sterblichen Überresten lag, soll er das vermeintlich herrenlose Mountainbike der Marke Cube mitgenommen, trocken auf seinem Hof gelagert und gelegentlich sogar selbst genutzt haben.

Das gefundene Fahrradtrikot stammt aus dem Raum Bremen, die Kriminalpolizei hofft auch auf Hinweise aus dem norddeutschen Raum. © LPD Steiermark
Leiche im Revier: Spur führt nach Deutschland
Bis heute ist die Identität des Toten ungeklärt. Trotz umfangreicher kriminalpolizeilicher Ermittlungen, DNA-Analysen und forensischer Untersuchungen verlief auch ein Abgleich mit bekannten Vermisstenfällen in Österreich und im Ausland bislang ohne Treffer. Ein anthropologisches Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Leoben beschreibt laut „oe24“ einen Mann zwischen 40 und 60 Jahren, der etwa 1,60 bis 1,70 Meter groß war. Der Todeszeitpunkt wird auf den Zeitraum zwischen 2014 und 2019 eingegrenzt.
Bei den sterblichen Überresten fanden die Ermittler keinerlei persönliche Gegenstände – wohl aber mehrere Radbekleidungsstücke.
Eine wichtige Spur führt nach Deutschland: Der Mann trug ein graues Radtrikot der „National Cycling Academy“ (NCA), das vermutlich in Italien hergestellt und nach Erkenntnissen der Ermittler im Raum Bremen an Teilnehmer von Spinning-Kursen in den Jahren 2008 und 2009 ausgegeben worden sein dürfte. Aufzeichnungen aus dieser Zeit existieren nicht mehr, da es die betroffene Firma heute nicht mehr gibt. Auch das schwarze Mountainbike wurde zwischen 2003 und 2007 in Deutschland verkauft.
Das Landeskriminalamt Steiermark hofft daher ausdrücklich auf Hinweise aus Deutschland – insbesondere von Menschen, die das Trikot wiedererkennen oder seit Jahren einen Angehörigen oder Bekannten vermissen. Ob der Mann selbst aus Deutschland stammte oder dort lediglich Anknüpfungspunkte hatte, ist Gegenstand weiterer Ermittlungen.

Chefinspektor Andreas Dirnberger ruft bei „Fahndung Österreich“ zur Mithilfe der Bevölkerung auf. © Servus TV
Fall aus Österreich wird auch bei ServusTV gezeigt
Um neue Hinweise zu erlangen, wurde der Fall am Mittwochabend, 10. Juni 2026, mit den aktuellsten Erkenntnissen in der Live-Sendung „Fahndung Österreich“ (ServusTV und ServusTV On) neu aufgerollt. Das Format gilt als österreichisches Pendant zu „Aktenzeichen XY… ungelöst“. Erstmals kam dabei der forensische Anthropologe öffentlich zu Wort, zudem war Chefinspektor Andreas Dirnberger vom LKA Steiermark als ermittelnder Beamter live im Studio zu Gast.
„Wir hoffen insbesondere auf Hinweise aus Deutschland. Vielleicht erkennt jemand das Trikot, erinnert sich an einen Teilnehmer eines damaligen Kurses oder vermisst seit Jahren einen Angehörigen, Freund oder Bekannten. Jeder Hinweis könnte dazu beitragen, die Identität des Mannes zu klären und seinem Schicksal nach Jahren einen Namen zu geben“, erklärte der Cheffahnder der steirischen Polizei in der Sendung.
Todesursache weiter ungeklärt
Ob der Mann eines natürlichen Todes starb oder ob ein Fremdverschulden vorliegt, ist noch unklar. Eine eindeutige Todesursache konnte aufgrund des Zustands der sterblichen Überreste nicht mehr festgestellt werden – zumal der Schädel des Toten fehlt. Ein Fremdverschulden lässt sich daher bislang nicht ausschließen, die Ermittlungen laufen nach Angaben des LKA in sämtliche Richtungen. Konkrete Hinweise auf ein Verbrechen gibt es nach Angaben der Ermittler bislang nicht. Aufgrund der langen Zeitspanne zwischen dem Auffinden und der Meldung des Leichnams könnten jedoch wichtige Spuren verloren gegangen sein.
Hinweise nimmt das LKA Steiermark unter der Telefonnummer 059133/60-3333 oder per E-Mail an [email protected] entgegen.
Der JÄGER steht wegen des Falls im Austausch mit den österreichischen Ermittlungsbehörden und wird diesen Beitrag aktualisieren, sobald neue Erkenntnisse zur Identität des Toten oder zum Stand der Ermittlungen vorliegen.












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