Jagd auf Rotwild im Januar – Physiologischer Klimawandel?

Rotwild im Januar – Kompensiert füttern

Winterfütterungen werden vor allem betrieben, um Bestandsverlusten und dem Entstehen von Wildschäden vorzubeugen. Eine Untersuchung kam auch zu dem Ergebnis, dass ein Vorhandensein von Winterfütterungen für 54 Prozent der Varianz der Aufbruchgewichte in gefütterten und nichtgefütterten Populationen verantwortlich gemacht werden kann, wohingegen nur 44 Prozent auf das Konto von Witterung allein gingen. Es wurde aber außerdem beobachtet, dass in nassen Wintern das Körpergewicht von Jährlingen sowie Kälbern in beiden Populationen deutlich abnahm, unabhängig davon, ob sie Zugang zu Fütterungen hatten oder nicht.

Sterblichkeit beim Rotwild

Auch die Sterblichkeit durch schlechte Wetterlagen nahm in beiden Gruppen zu. Dies zeigt, dass Fütterungen zwar einen Teil der jahreszeitlich bedingten Verluste kompensieren können, sie verhindern jedoch nicht zwangsläufig, das Rotwild an forstwirtschaftlichen Kulturen zu Schaden geht. So zeigte eine ungarische Studie in den 1990ern, dass besonders in der Nähe von Fütterungen eine Ballung an Schälschäden zu finden ist, vor allem wenn Faserarmes verfüttert wird.

Ergebnisse der JÄGER Testreise 2017 jagen ins Schottland hunting highlands westhighlandhunting JÄGERMAGAZIN Swarovski

© Markus Gelhard

Jagd auf Rotwild im Januar bei Tauwetter

Fütterungen kompensieren auch nicht die notwendige Ruhe. In einigen Fällen kann es sich sogar negativ auf die Energiebilanz auswirken, wenn Rotwild gefüttert wird. Nämlich dann, wenn der Energieaufwand, um zur Fütterung zu gelangen und dort Äsung aufzunehmen, den Energiegewinn oder die Möglichkeiten der Energieumsetzung überschreiten. Dies ist beispielsweise bei ungünstiger Witterung sowie bei Unruhe und Störungen im Einstand oder bei der Äsungsaufnahme der Fall. Falsche Fütterungen und Unruhe behindern die effektive physiologische Anpassung des Rotwildes an die Bedingungen im Winter. Die Aufnahme besonders von energiereicher Äsung führt zu einem Anstieg der Pansentemperatur und schließlich auch der Körpertemperatur und damit der Stoffwechselrate.

Falsche Fütterungen

Da die effektivste Reduktion des Energiehaushalts aber erst nach neun Tagen mit verringerter Äsungsaufnahme erreicht wird, ist eine Unterbrechung des Winterstoffwechsels durch Stress oder falsche Fütterungen oft mit Verlusten der körpereigenen Reserven und damit einem Anstieg der Sterblichkeitsrate verbunden. Daher ist es ratsam, die Bewegungsjagden zum Jahresende abzuschließen und Ruhe im Hochwildrevier einkehren zu lassen. Kurzfristige, witterungsbedingte Frühlingseinbrüche sollten nicht dazu verleiten anzunehmen, auch das Rotwild befände sich schon im physiologischen Frühling. Denn das wäre, wie gesagt, nur bei entsprechender Tageslichtlänge der Fall.

Veränderung bei spätem Kälteeinbruch

Bei einem späteren Kälteeinbruch oder einer Schlechtwetterphase findet das Wild nach starker Beunruhigung vielleicht nicht mehr rechtzeitig in den Energiesparmodus zurück. Verluste der Energiereserven lassen sich dann womöglich nicht mehr ausgleichen, vor allem von Stücken nicht, die sich noch im Wachstum befinden.