Jagd auf Rotwild im Januar – Physiologischer Klimawandel?

Die Jagd auf Rotwild im Januar stellt den Jäger vor besondere Herausforderungen.  Die Evolution hat hervorragende Mechanismen entwickelt, um unser Rotwild durch den äsungsarmen Winter zu bringen. Biologin Dr. Nina Krüger erklärt, welche dies sind und warum wir sie bei der Bejagung berücksichtigen sollten.

Der Lebenszyklus des Wildes ist an die Jahreszeiten angepasst – auch wenn diese sich immer öfter anders präsentieren, als wir sie aus vergangenen Tagen in Erinnerung haben. Die Sommer sind kalt und verregnet und auf den Winterjagden gerät man mittlerweile immer öfter in seiner langen Unterhose ins Schwitzen. Da mag man sich fragen, ob neben der Kleiderfrage nicht vielleicht auch die Art der Schalenwildbejagung einer neuen Beurteilung bedarf.

Jagd auf Rotwild im Januar – Eine Wetterfrage!

Im Jagdscheinkurs haben wir einst gelernt, dass sich wiederkäuendes Schalenwild an Äsungsmangel und kalte Temperaturen anpasst, in dem es durch Reduktion der Zottenanzahl die Pansenoberfläche verkleinert und schwere Wetterlagen an geschützten Orten sitzend abwartet. Dass bei knietiefem Schnee und anhaltendem Frost demnach von Beunruhigung und Bewegungsjagden abzusehen ist, leuchtet ein. Wie sieht es aber mit diesen, immer häufiger auftretenden, lauen Januarwochen aus, wenn der Frühling schon fast in der Luft zu liegen scheint? Könnte man dann nicht noch ein kurzes Drückerchen einschieben, um den Abschussplan doch noch zu erfüllen?

Drückjagd Wilddiebe Drückjagdaction Schwarzwild saujagd

Millionen Jahre Selektion

Das Europäische Rotwild bewohnt als zweithäufigste heimische Cervidenart die unterschiedlichsten Landschaftsformen – von der Norddeutschen Tiefebene bis in die Alpenregionen, von den mediterranen Landschaften Spaniens bis ins Kaukasusgebirge. Kurz, eine Vielzahl an Klimazonen, die im Laufe der Entwicklungsgeschichte des Rotwilds selektierend auf dessen Physiologie gewirkt haben.

verschiedene Regionen

Allen Regionen des natürlichen Verbreitungsgebiets ist gemein, dass sich in ihnen die Jahreszeiten, besonders in der Tageslichtlänge, mehr oder weniger stark voneinander unterscheiden. Für die Anpassung an diese Bedingungen hatte das Rotwild einen langen Zeitraum, denn schon seit mehreren Millionen Jahren, und damit viel länger als der Mensch, ist es Bestandteil des heimischen Ökosystems.