Im Nationalpark Harz sind drei diesjährige Jungluchse gestorben. Eines der Tiere wurde tot im Gehege aufgefunden, die beiden anderen mussten aufgrund schwerer angeborener Fehlbildungen innerer Organe von einem Tierarzt eingeschläfert werden.
Fehlbildungen machten ein Überleben ohne Leid unmöglich
Nach Mitteilung der Nationalparkverwaltung wurde zunächst eines der drei Jungtiere tot im Gehege entdeckt. Die anschließende Untersuchung der beiden verbliebenen Geschwistertiere ergab erhebliche angeborene Fehlbildungen innerer Organe. Da ein Überleben der Tiere ohne Leid nicht möglich gewesen wäre, entschied sich ein Tierarzt zur Einschläferung. Die drei Jungluchse waren im Frühjahr 2026 von der Zuchtluchsin Rikki im Gehege des Nationalparks zur Welt gebracht worden.
„Nach Rückfrage bei der Zuchtbuchführung sind dieser keine vergleichbaren Auffälligkeiten in den Linien eines der beiden Zuchttiere bekannt“, erklärt Ole Anders, der Luchsexperte der Harzer Nationalparkverwaltung, gegenüber dem JÄGER. Die Recherchen seien hier aber noch nicht abgeschlossen.
Die Ursachenforschung läuft
Die Nationalparkverwaltung arbeitet nach eigenen Angaben eng mit Tiermedizinern und Pathologen zusammen, um die genauen Ursachen für die Fehlbildungen zu klären. Nationalpark-Leiter Roland Pietsch kündigte insbesondere eine erweiterte Untersuchung der Zuchttiere an, um mögliche Zusammenhänge zu ermitteln. Pietsch bezeichnete den Vorfall als Rückschlag – sowohl für die Erhaltung der in Europa weiterhin stark gefährdeten Art als auch für die beteiligten Mitarbeiter:innen des Luchsprojekts.
Luchsexperte Anders bleibt dennoch optimistisch: „Die Harzer Luchspopulation, die mittlerweile deutlich über die Grenzen des Mittelgebirges hinausreicht, besteht aus mindestens 160 Individuen. Einen unmittelbaren Einfluss auf die wildlebende Harzpopulation hat der Verlust des jetzt gezüchteten Wurfes nicht.“
Hintergrund: Das Luchsprojekt Harz
Der Eurasische Luchs war durch intensive Bejagung vor rund 200 Jahren in Mitteleuropa ausgestorben. Mit dem im Jahr 2000 gestarteten Luchsprojekt Harz wurde erstmals in Deutschland ein Wiederansiedlungsversuch der Art unternommen. Jäger und Naturschützer setzen sich seither gemeinsam für den Bestandserhalt der größten europäischen Katzenart ein.
„In Deutschland finden derzeit drei Wiederansiedlungsprojekte im Schwarzwald, im Thüringer Wald und im Erzgebirge statt“, berichtet Anders. „Der erfolgreiche Verlauf insbesondere der beiden letzteren könnte langfristig auch dafür sorgen, die Harzpopulation an andere Vorkommen anzubinden und den genetischen Austausch sicher zu stellen. Die Beteiligung des Nationalparks Harz am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) dient dazu, auswilderungsfähige Luchse in hierfür besonders geeigneten Gehegen zu züchten, die in Auswilderungsprojekten in Deutschland und Europa zum Einsatz kommen oder die weitere Zucht in der Ex-Situ-Population in Zoos und Tierparks unterstützen.“
Jäger unterstützen das Monitoring
Die Zusammenarbeit mit den lokalen Jägerschaften sei Anders zufolge einer der wichtigsten Bausteine im Luchsmonitoring. „Beobachtungen beim Ansitz, beim Reviergang oder Fotos aus Wildkameras machen einen Großteil der Nachweise aus, die jährlich in die Datenbank einfließen. Die aktuell genutzte Datenbank, die inzwischen übrigens in jeweils leicht abgewandelter Form von mehreren Bundesländern übernommen wurde, würde ohne das Engagement, das Knowhow und die enge Zusammenarbeit mit der Landesjägerschaft Niedersachsen gar nicht existieren.“
Auch durch die Sammlung von weiteren Informationen, z.B. die Begutachtung von gerissenem Wild, unterstürzen Luchsbeauftragte in den lokalen Jägerschaften seit Jahren das Monitoring. „Genetikproben von letzterem sorgen dafür, zahlreiche Luchse zu individualisieren und Wanderbewegungen nachzuvollziehen“, so der Experte.
Für die Zukunft wünscht Ole Anders sich Monitoring-Unterstützung über die jetzigen Reviergrenzen hinaus, denn der Raum, in dem sich die Harzer Luchse bewegen, wächst: „Wir werben dafür, dass Informationen aus den Revieren in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt auch in der Zukunft an die Nationalparkverwaltung Harz weitergeleitet werden, auch wenn diese uns schon jetzt mitunter aus Revieren an der Grenze zu NRW oder Hessen erreichen. Das vor allem nach Westen und Süden wachsende Vorkommensgebiet der Art stellt uns vor logistische Herausforderungen beim Monitoring, die wir nur gemeinsam mit den vor Ort zuständigen Jägerinnen und Jägern bewältigen können.“







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