Jagdreise: Winterliche Drückjagd in der Eifel

Hirschrudel

Zur richtigen Zeit ist die Jagdromantik der Eifel einfach nicht zu überbieten. Foto: Pauline v. Hardenberg

Die Eifel kombiniert eine reizende Gebirgslandschaft mit hervorragenden Wildbeständen.

Wen eine Drückjagd in der Heimat reizt, kommt an der Eifel nicht vorbei. Im Westen der Republik gibt es hervorragende Schwarzwild- und Rotwildbestände, die hier flächendeckend bejagt werden können. Begleiten Sie Klaas Niemann auf einer einzigartigen Jagdreise.

Perfekte Gelegenheit

Viele Gegenden Deutschlands bestechen durch ihre jagdlichen Eigenheiten. Eine, die es vielen Jägern besonders angetan hat, ist die Eifel. JÄGER-Autor Klaas Niemann war für uns da – und berichtet exklusiv von einer Drückjagd. Vor mir liegt die Einladung, auf die ich mich schon seit Monaten freue. Drückjagd in der Eifel. Sechs Stunden Anfahrt verheißen eine schlechte Ökobilanz, jedoch mit Sicherheit eine Schneejagd der Extraklasse. Der Wetterbericht sagt Winterwetter aus Richtung Osten an, der Verkehrsfunk Chaos zum Wochenende. Der Allrad ist beladen, das Wischwasser mit ausreichend Frostschutzmittel versehen. Mein Hund spürt die Unruhe und ist schon aufgesessen. Abmarsch! Die Anfahrt ist vom Feinsten. Sämtliche Autobahnen sind dicht, und ich umschlage Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz östlich. Verschneite Fahrbahnen, lange Staus und heftiger Schneefall machen die Anreise erlebnisreich.

Sternenklare Nächte zur Drückjagd in der Eifel

Es ist schon zwei Uhr morgens, als ich die Ballungszentren verlasse und langsam den Rand der Eifel erreiche. 20 Zentimeter Schnee, und kein Mensch ist zu sehen. Minusgrade von 15 Grad und eine wahrhaft sternenklare Nacht machen den Trip jetzt unwirklich schön. Mich überkommt pure Jagdromantik. Und Liebe zu meinem Auto. Denn der Allrad lässt mich nicht im Stich. Nur nicht von der Fahrbahn abkommen. „Kommst du noch?“, fragt der Jagdherr am Telefon. Nach zwölf Stunden Anfahrt rolle ich endlich in dem kleinen Eifeldorf auf den Hof und melde mich, wie befohlen. Jetzt heißt es ab in die Kiste.

Rotte Wildschweine läuft über verschneiten Waldboden zwischen Bäumen.

Die Wälder der Eifel sind die Heimat von viel Rot- und Schwarzwild. Foto: Pauline v. Hardenberg

Die Rotwild-Doublette

Am nächsten Morgen stehe ich alleine in einem Tälchen und habe um mich herum lichten Buchen-/Eichenbestand. Ein kleiner Bachlauf macht plätschernde Geräusche. Alles ist weiß und windstill in der Eifel. Jetzt weiß ich, warum ich diese Reise jedes Jahr auf mich nehme. Ich höre – nichts. Das Treiben hat bereits begonnen. Oben an der Hangkante kracht es plötzlich. Ich bewege mich nicht. Da! Das lange Haupt eines Alttiers schiebt sich über die Kante und sichert zu mir in das Tal. Ein kurzer Blick nach hinten, und dann zieht das Stück quer zum Hang. Dahinter Schmaltier und Kalb. Perfekt.

Ich warte und komme auf das Kalb sauber ab. Los geht die Post. Ich repetiere, höre das Kalb poltern, bleibe aber auf den flüchtigen Stücken. 20 Meter unterhalb der Hangkante stoppt das Alttier und sichert zum Kalb. Mein zweiter Schuss trifft in diesem Moment das Schmaltier. Das Alttier springt endgültig ab. Vor mir liegen zwei Stück Rotwild. Ich freue mich, zittere ein wenig und bin voller Dankbarkeit.

Unfassbare Eifel-Erlebnisse

Schon wieder knackt es oberhalb von mir. Wieder Rotwild. Ein mehrköpfiges Rudel. Sie nehmen denselben Wechsel an, und ich lange wieder hin. Dieses Mal trifft die 9,3 einen geringen Sechser. Ein zweiter Schuss ist nicht möglich, das Rudel dreht hoch ab und ist sofort wieder verschwunden. Plötzlich dieses typisch gleichmäßige Rauschen hinter mir. Sauen! Ich repetiere vier Mal, zwei Sauen liegen. Verdammt! Da, die dritte Sau rutscht den Hang runter. Die Eifel ist einfach unfassbar. Die Fahrt hat sich wirklich gelohnt, und ich bin so froh, wieder hier zu sein. Ich sehe noch ein Rudel Muffelwild und einen Fuchs, der mich zu früh mitbekommen hat, das war es. Egal, das Treiben ist zu Ende, und ich krame meinen Bergegurt aus dem Rucksack. Der Kurzhaar beschnüffelt bereits unsere erlegten Stücke. Das Bergen ist heftig, ich schwitze, aber zum Glück lassen sich die Stücke durch den Schnee gut ziehen.

Einzelner Bock steht zwischen verschneiten Bäumen.

Die lichten Wälder bieten eine wundervolle Jagderfahrung. Foto: Pauline v. Hardenberg

Aus einem Traum erwacht

Ich verfrachte meine Beute an meinen Stand, setze mich auf einen Baumstumpf und warte auf meinen Ansteller. Ruhe ist in mein Tälchen eingekehrt, und ich höre wieder das Bächlein rauschen. Das ist mein Moment bei der Drückjagd in der Eifel. Am nächsten Morgen auf der Rückfahrt nach Norddeutschland geht mir der Vortag wie ein Film durch den Kopf. Schneelandschaft rauscht an mir vorbei. Im Radio läuft Chet Baker, ich lächele.

Hervorragende Reviere zur Drückjagd in der Eifel

Die Eifel ist ein riesiges Wald-, Wild- und Naturparadies mit Mittelgebirgs-Charakter. Im Osten und Süden wird sie vom Rhein- und Moseltal begrenzt. Westwärts geht sie in Belgien und Luxemburg in die geologisch verwandten Ardennen und das Luxemburger Ösling über. Sie liegt in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen und berührt den Raum Eupen–Sankt Vith–Luxemburg. Die höchste Erhebung ist der Vulkankegel Hohe Acht (746,9 m). In der Eifel kommen Rot- und Schwarzwild fast flächendeckend vor, sie gilt als Sehnsuchtsort vieler Jäger aus den Metropolen Bonn, Köln, Düsseldorf und dem übrigen Rheinland.

Einzelnes Schwein läuft über verschneiten Waldboden.

Während der Drückjagd kann sich ein Stück Schwarzwild vom Rest der Rotte trennen. Foto: Pauline v. Hardenberg

Sensationelle Wildbestände

Das Rotwild in der Eifel ist nicht vergleichbar mit dem des Norddeutschen Tieflands, starke Hirsche erreichen hier ein Gewicht von maximal 150 Kilogramm und ein Geweihgewicht von vielleicht acht Kilogramm. Das Gleiche gilt fürs Schwarzwild, das, obwohl reichlich vorhanden, auf den armen Böden wenig nahrhafte Proteine findet. In Mastjahren jedoch schöpfen die zahlreichen Schwarzkittel im Herbst in vielen der laubwaldlastigen Reviere aus dem Vollen.