Luchs im Fokus – Hilfe für die Raubkatze

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Der Eurasische Luchs ist bereits fester Bestandteil unseres Ökosystems. (Foto: Pixabay.com)

Der Luchs rückt immer weiter in den Fokus. Die seltene Raubkatze benötigt Hilfe bei der Wiederansiedelung – und bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Genpools.

Kraft, Schnelligkeit und Eleganz – das sind Begriffe, die den Luchs auszeichnen. Die Raubkatze auf Samtpfoten erfährt bundesweit viel Unterstützung. Nun sollen auch im Thüringer Wald jährlich bis zu fünf neue Pinselohren ausgewildert werden. Bisher sind vier standorttreue Tiere mit mindestens drei Jungtieren bestätigt. Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) ist nicht nur ein wichtiger Beitrag für die Artenvielfalt. Er kann zudem zukünftig die genetische Gesundheit seines kleineren Bruders – des Iberischen Luchses (Lynx pardinus) sichern.

Thüringens Luchspläne

Ein Artenschutzprojekt der Naturschutzorganisationen BUND, WWF und acht weiteren Partnern plant die Auswilderung von Luchsen aus dem Gehege in Hütscheroda (Wartburgkreis) sowie Tieren aus den Karpaten. In dem Gehege wachsen die Tiere in Gefangenschaft ohne Kontakt zum Menschen auf. So werden Sie auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet. Zusätzlich sollen zehn Wildfänge aus den Karpaten umgesiedelt werden. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit zwei rumänische Partnerorganisationen. Ziel ist dabei ein stabiler Kernbestand.

Thüringer Wald als Schlüsselfunktion

Der Thüringer Wald spielt eine entscheidende Rolle in der Zukunft des Luchses. Er fungiert als Verbindungskorridor zwischen den Populationen im Harz und im Bayerischen Wald, so Kathrin Samson vom WWF. Ein Austausch der Tiere ist wichtig, um genetischer Verarmung entgegenzuwirken. Gehen die Pläne auf, dann ist der Luchs als fester Bestandteil des Ökosystems Wald in Mitteleuropa gesichert. Das Projekt wird vom Thüringer Umweltministerium mit 2,9 Millionen Euro gefördert. Auch der Landesjagdverband Thüringen, die Landesforstanstalt und der Naturpark Thüringer Wald zählen zu den Partnern. Sie möchten mögliche Luchsbeobachtungen sowie Bilder von Fotofallen beisteuern.

Besonders bedroht: der iberische Luchs

Die Bemühungen um den Eurasischen Luchs können auch Vorteile für seinen kleineren Verwandten mit sich bringen. Der iberische Luchs gehört zu den seltensten Katzenarten der Welt. Bejagung, Lebensraumverlust und der Straßenverkehr dezimierten den Bestand auf unter 100 Stück. Sein Fortbestand ist bedroht. Der auch Pardelluchs genannte iberische Luchs unterscheidet sich in seiner Erscheinung deutlich vom eurasischen Luchs. Er ist kleiner, hat einen längeren Bart und eine markantere Fellzeichnung. Auch er hat mit Inzuchtproblemen zu kämpfen. Die kleinen Restbestände und die geringe genetische Vielfalt machen ihn anfällig für Erkrankungen.

Erstaunliche Forschungsergebnisse

Im Rahmen einer Studie werden nun fossile Exemplare der kleineren Art untersucht. Dabei kam man zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die genetische Vielfalt war nicht etwa bei den älteren Tieren reicher, sondern bei den heutigen. Der Grund dafür ist die Vermischung von Erbgut beider Luchsarten. „Es zeigte sich, dass die modernen Luchse mehr genetisches Material mit ihrer Schwesterart, dem Eurasischen Luchs, teilen, als die älteren Luchse. Dies deutet darauf hin, dass in den letzten zweitausend Jahren ein genetischer Austausch zwischen den beiden Arten stattgefunden hat“, sagt Lucena von der Doñana Biological Forschungsstation in Sevilla.

Die modernen Luchse sind genetisch vielfältiger: sie teilen mehr genetisches Material mit dem Eurasischen Luchs als die älteren Luchse.

Diese Ergebnisse können für die Bemühungen um den Schutz der Raubkatze von Bedeutung sein. Sie rücken die umstrittene Frage in den Fokus, ob die Einführung von entfernt verwandten Individuen in gefährdete und genetisch verarmte Populationen eine Erhaltungsstrategie darstellen könnte.