Das Herzstück unseres Messeauftritts auf den Internationalen Jagd- und Schützentagen ist das gläserne JÄGER-Studio.
Hier diskutieren wir live mit spannenden Gästen über Themen, die Jägerinnen und Jäger bewegen.
Direkt zum Messeauftakt durften wir den Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sowie stellvertretenden bayerischen Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bei uns im Gläsernen Studio begrüßen. Aiwanger, der zudem Bayerns Jagdminister ist, sprach sich in bisher unbekannter Schärfe für ein Vorgehen gegen radikale Kräfte aus.
Hier sehen Sie den Talk in voller Länge.
Reformiertes Jagdgesetz: Mehr Eigenverantwortung für Jäger
Seit April gilt in Bayern das reformierte Jagdgesetz, und Hubert Aiwanger sieht darin einen echten Kurswechsel: weniger staatliche Vorgaben, mehr Eigenverantwortung für Jäger und Grundeigentümer. Den Erfolg der Reform misst der stellvertretende Ministerpräsident nicht an Paragrafen, sondern am Bewusstsein vor Ort: „Grundbesitzer und Jäger vor Ort sind die Akteure, die zu bestimmen haben, wie mit dem Rehwild umgegangen wird”, so Aiwanger im Interview.
Sein Appell richtet sich besonders an die Jagdgenossenschaften: Sie sollen die Rehwildbejagung künftig ohne starren Abschussplan selbst managen – orientiert am Ergebnis statt an Zahlendebatten mit Behörden. Ziel sei ein gesunder, überschaubarer Wildbestand im Einklang mit wachsender Naturverjüngung. Jäger und Waldbesitzer vor Ort könnten das schlicht besser einschätzen als Behörden, ist Aiwanger überzeugt.
Verhältnis zu den Bayerischen Staatsforsten: Vom Gegeneinander zum Miteinander
Lange galt es als Reizthema: das Verhältnis zwischen Privatjägern und den Bayerischen Staatsforsten. Hubert Aiwanger beschreibt es im Interview offen als frühere „Erbfeindschaft” zwischen beiden Lagern – ausgelöst unter anderem durch Extremdrückjagden bei hoher Schneelage, bei denen hochflüchtiges Wild beschossen und in der Folge angeschweißtes Wild gefunden wurde.
In seiner Zuständigkeit für die Bayerischen Staatsforsten habe sich die Lage spürbar entspannt, so Aiwanger: „Hier ist jetzt Ruhe eingekehrt, und wir arbeiten jetzt deutlich mehr miteinander anstatt gegeneinander.” Vernünftiges Reden und vernünftiger Umgang miteinander hätten den Konflikt weitgehend aufgelöst.
Jagd als Wirtschaftsfaktor: Millionen- bis Milliardenumsätze
Die wirtschaftliche Bedeutung der Jagd werde politisch unterschätzt, kritisiert Hubert Aiwanger. Es gehe längst nicht nur um die Waffe: Fahrzeuge, Kanzeln, Ausrüstung, Hundebedarf und die gesamte Textilbranche hängen nach seinen Worten an der Jagd – in Summe Millionen- bis Milliardenumsätze.
Gezielt gestärkt habe er das Büchsenmacherhandwerk in Bayern, indem die deutschlandweite Ausbildung zunehmend im Freistaat gebündelt wird. „Wenn jedes Bundesland noch einen Lehrling hat, holen wir es zusammen in Bayern, um wieder Büchsenmacher-Nachwuchs zu generieren”, erklärt Aiwanger. Für ihn verbindet die Jagd damit Tradition und wirtschaftliche Zukunftssicherung zugleich.
Drohnen, Nachtsicht und Kameras: Moderne Technik im Revier
Die Jagd modernisiert sich stetig – Stichworte Drohnen, Nachtzieltechnik, Kameraüberwachung und Fallenmelder halten zunehmend Einzug ins Revier. Hubert Aiwanger sieht darin „wunderbare Werkzeuge, wenn man sie vernünftig einsetzt”, warnt aber zugleich: Wer sie missbrauche, schade dem Revier.
Statt auf engere Regulierung zu setzen, vertraut der Minister auf den gesunden Menschenverstand der Jägerschaft im Umgang mit der neuen Technik.
Energiewende als Chance fürs Wild
Als zuständiger Minister für Wirtschaft und Energie betont Hubert Aiwanger, dass die Energiewende auch eine Chance fürs Wild sein könne. Bei Freiflächen-Photovoltaikanlagen fordert er wilddurchlässige statt wilddichter Zäune: 20 Zentimeter breite, 70 Zentimeter hohe Schlupfe, mehrfach nebeneinander angebracht, ließen Reh, Hase und Rebhuhn passieren. Ungestört von Spaziergängern und Hunden könne eine solche Fläche so zum besten Wildbiotop werden.
Auch Windkraftstandorte müssten keine toten Flächen sein, so Aiwanger: Auf seine Initiative hin begrünen die Bayerischen Staatsforsten die rund 100 mal 100 Meter großen Rodungsflächen in Fichtenmonokulturen künftig mit Blühwiesen und Wildäsungsflächen, statt sie als Kiesflächen zu belassen. Selbst unbepflanzte Zufahrtswege ließen sich als Äsungsstreifen nutzen und brächten zugleich mehr Licht in den Wald.
Pragmatisches Wolfsmanagement statt ideologischer Debatte
Beim Wolf fordert Hubert Aiwanger einen pragmatischen Kurs – ähnlich wie es beim Biber inzwischen gelungen sei. Seit Bayern und der Bund eine gezielte Bejagung in der Jagdzeit von Juli bis Ende Oktober erlauben, lässt sich die Stimmung bei Weidetierhaltern beruhigen: Wer sehe, dass im Ernstfall zugegriffen werden dürfe, statt monatelang auf Gentest-Ergebnisse zu warten, verliere die Aggression gegenüber dem Wolf, so Aiwanger.
Grundlage ist der sogenannte günstige Erhaltungszustand, der über die kontinentale Wolfspopulation definiert wird – außerhalb des Alpenraums darf demnach bejagt werden, ohne dass zuvor ein Riss an Nutztieren nachgewiesen werden muss, solange der günstige Erhaltungszustand insgesamt nicht gefährdet wird. In mehreren bayerischen Landkreisen ist der Wolfsabschuss mittlerweile freigegeben, tatsächlich erlegt wurde bislang aber noch kein Tier.
Goldschakal: Bayern reagiert frühzeitig
Neben dem Wolf rückt ein weiteres Raubtier in den Fokus: der Goldschakal, der über Osteuropa zunehmend auch nach Bayern einwandert. Hubert Aiwanger berichtet von einem aktuellen Fall unmittelbar vor der Tür des Messestandorts: Ein Gentest hat zweifelsfrei einen Goldschakalriss an einem Stück Rehwild bestätigt.
Um auf die neue Art vorbereitet zu sein, hat Bayern den Goldschakal vorsorglich bereits ins Jagdrecht aufgenommen. Bei Schäden in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung ist der Zugriff schon jetzt geregelt – richtet das Tier künftig auch beim Rehwild Schaden an, soll es laut Aiwanger ebenfalls zum Abschuss freigegeben werden können. Vom Jäger erwartet er vor allem eines: vorausschauend zu planen.
Jäger, AfD und die Entwaffnungsdebatte
Zum Abschluss des Interviews wird Hubert Aiwanger auch zu einem politisch heiklen Thema befragt: der Debatte um Zuverlässigkeit und Parteizugehörigkeit bei Waffenbesitz. Hintergrund ist eine Praxis in Sachsen-Anhalt, wo Jäger mit AfD-Mitgliedschaft entwaffnet werden – diskutiert wird dort sogar, auch bloße Unterstützer einzubeziehen.
Eine pauschale Entwaffnung aller AfD-Anhänger schieße „eindeutig übers Ziel hinaus”, so Aiwangers klare Position. Staats- oder verfassungsfeindliches Verhalten müsse im Einzelfall nachgewiesen werden. Gleichzeitig fordert er, den Blick stärker auch nach links zu richten: Wer offen mit organisierter Kriminalität sympathisiere oder die Polizei selbst als überflüssig darstelle, wie gerade in Berlin der Fall, bereite ihm ebenso Sorge. „Wir müssen auch mehr nach links schauen, nicht immer nur nach rechts”, so Aiwanger.

Minister Aiwanger ließ keinerlei Zweifel daran, dass künftig auch gegen linksradikale Extremisten vorgegangen werde. © Telletic
Fazit
Vom neuen Jagdgesetz über die Energiewende bis zum Umgang mit Wolf und Goldschakal: Hubert Aiwanger setzt im Interview durchweg auf Eigenverantwortung vor Ort, pragmatische Lösungen statt ideologischer Grabenkämpfe und die wirtschaftliche Bedeutung der Jagd. Ob sich dieser Kurs in der Praxis bewährt, wird sich insbesondere beim Wolfsmanagement und der weiteren Umsetzung der Jagdrechtsreform zeigen.









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