Helmut Dammann-Tamke live im gläsernen JÄGER Studio

DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke spricht im JÄGER-Talk über neue Wege, junge Jäger zu erreichen, über Ethik als Daueraufgabe, die Lücken im niedersächsischen Wolfsmanagement – und warum der Verband nach den Schüssen von Berngau beim Waffenrecht auf Timing setzt.

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Im Interview mit DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke ging es um Waidgerechtigkeit, Wolf und die Kommunikation mit der Jägerschaft. © Telletic

Wer die Internationalen Jagd- und Schützentagen in Grünau besucht, kommt am Gläsernen JÄGER-Studio kaum vorbei. Hier treffen Besucher in diesem Jahr auf die Entscheider aus Jagd, Politik und Verbänden, offen und im direkten Gespräch. Einer der Gäste: Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und der Landesjägerschaft Niedersachsen. Im Interview mit Madeline Lindhorst und Christian Schätze sprach er Klartext.

Junge Jäger erreichen: kurze Infos statt langer Rundmails

Als ehrlichsten Spiegel bezeichnet Dammann-Tamke seine erwachsenen Kinder. Sie zeigen ihm, wie Verbandsarbeit bei der jüngeren Generation ankommt, und das oft ungeschönt. Eine Erkenntnis: Ausführliche Mails mit mehreren Anhängen gehen bei Berufstätigen schnell unter. Auf dem Weg von der Landesgeschäftsstelle über die Kreisjägerschaft bis zum Hegering bleibt manche wichtige Information auf der Strecke.
Die Landesjägerschaft Niedersachsen geht deshalb neue Wege, ähnlich wie weitere Landesverbände. Eine eigene App, intern bereits im Einsatz, soll zum Jahresende allen Mitgliedern offenstehen. Meldungen, etwa zu einem ASP-Ausbruch in der Region, werden dort auf wenige Sätze verdichtet. Jeder entscheidet selbst, ob er tiefer einsteigt oder weiterscrollt.

Jagdethik: ein gemeinsames Fundament statt Pauschalurteilen

Ist Waidgerechtigkeit für junge Jäger weniger wichtig? Diese Frage beantwortet Dammann-Tamke differenziert. Für einen Teil der jungen Jägerinnen und Jäger habe Ethik einen enorm hohen Stellenwert, andere sähen sie eher als Nebensache. Deshalb müssten Verband, Ausbildung und Jägerprüfung künftig mehr Gewicht darauf legen. Ohne einen gemeinsamen ethischen Grundkonsens verliere die Jagd an gesellschaftlicher Akzeptanz und mache sich angreifbar.

Gleichzeitig betont der DJV-Präsident, dass Ethik kein starres Regelwerk ist. Leuchtpunkt im Zielfernrohr und Schalldämpfer sorgten einst für hitzige Debatten, heute sind sie weitgehend akzeptiert.

Quereinsteiger brauchen Mentoren

Der Anteil von Jungjägern ohne jagdliche Familie oder Freundeskreis wächst stetig, das zeigt auch die aktuelle Jungjägerbefragung des DJV. Für Dammann-Tamke wächst damit die Verantwortung von Pächtern und erfahrenen Jägern. Sie sollen Neulinge führen und ihnen ethische Werte mitgeben. Ein Mentorensystem hält er für eine gute Idee.

Entscheidend sei der Ton: kameradschaftlich und ohne erhobenen Zeigefinger, aber deutlich. Das gilt auch für die Sprache. Wer ein Stück Wild als „Mistvieh“ bezeichnet, dem sollten erfahrene Jäger freundlich, aber klar widersprechen.

Wolfsmanagement in Niedersachsen: eine Blaupause für andere Länder?

Beim Wolf fällt die Bilanz gemischt aus. Das Schnellabschussverfahren in Niedersachsen funktioniere bei Freigabe und Anonymität gut, häufig liege die Freigabe noch am Tag des gemeldeten Nutztierrisses vor. Bei knapp 20 Verfahren wurden bislang jedoch nur zwei Wölfe erlegt. Viele Jäger vertrauten der zugesicherten Anonymität noch nicht.
Den größten Mangel sieht Dammann-Tamke im fehlenden Bestandsmanagement. Der Wolf lebe im Sozialverband, ein sinnvoller Eingriff erfolge deshalb über die Jugendklasse. Dazu habe der Landesregierung der Mut gefehlt, anders als in Hessen. Da die Population weiter wachse, werde ein Bestandsmanagement aus seiner Sicht früher oder später kommen müssen.

Das ganze Interview finden Sie hier.