Die Bejagung der invasiven Raubtiere gelingt in Deutschland immer besser. Doch was geschieht nach dem Schuss? Wir zeigen, wie sich der Waschbär verwerten lässt – zu Wildgerichten, Trophäen und vielem mehr.
Waschbär als Lebensmittel verwerten
1. Wildbret vom Waschbär verwerten
Das Wildbret von Waschbären kann grundsätzlich zu Wildgerichten verarbeitet werden, etwa als Braten, Ragout oder Hackfleisch. Voraussetzung sind ein einwandfreier Gesundheitszustand, hygienische Verarbeitung und die jeweils lebensmittelrechtlichen Vorgaben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass für das Wildbret der Kleinbären eine Trichinenuntersuchungspflicht besteht. Im Gegensatz zu Dachs und Wildschwein muss der Wildkörper bei der Untersuchungsstelle (Veterinäramt) vorgelegt werden.
2. Waschbär-Rezepte
Waschbär ist zwar noch nicht in aller Munde, aber immer mehr Leute finden Gefallen an „exotischen Gerichten“. Das magere Wildbret kann zu Hackfleisch verarbeitet werden, aus dem Burger, Wildwürste oder Fleischbällchen entstehen. Auch Hackbraten, Bären-Bolognese, Chili con Carne, Lasagne… Besonders sinnvoll ist dabei eine vollständige Durcherhitzung – Wildfleisch sollte generell nicht roh oder halbgar verzehrt werden.

Immer öfter findet das Wildbret der Kleinbären den Weg in die Küche oder auf den Grill. © Christian Schätze
3. Wilde Waschbär-Angebote
Auch der Wildhandel und Gastronomen finden zunehmend Gefallen an dem amerikanischen Kleinbären. So bietet ein Unternehmer aus Sachsen-Anhalt Waschbär-Burger und Grillwürste an. In Mecklenburg-Vorpommern wird unter dem Namen „River-Beast-Burger“ Waschbär-Fastfood verkauft. Mit „Holy Crab“ aus Berlin hat sich ein Unternehmen auf Neozoen spezialisiert. Das Motto könnte man mit „Essen für den Artenschutz“ beschreiben. Besonders gut soll dabei Waschbär-Gulasch, Nutria-Tacos und Sumpfkrebs gehen.
Vom Bärenfett bis zum Waschbärbalg
4. Bärenfett separat nutzen
Wie bei Dachs und Murmeltier lässt sich auch Waschbärfett zu Schmalz und Öl verarbeiten. Das gelingt am leichtesten im Wasserbad oder bei geringer Hitze auf dem Herd. Damit es schön hell bleibt, darf die Temperatur nicht zu hoch sein. Zudem sollte es vorher in klarem, kalten Wasser gespült werden, um ggf. anhaftenden Schweiß zu entfernen. Nach dem Trockentupfen kommt es in den Topf. Das ausgelassene Fett kann zu Naturkosmetikprodukten (Seife), Pflegesalben (Handcreme) und Lederpflege (Sättel, Stiefel, Futterale etc.) verarbeitet werden. Bushcrafter schätzen das Fett als Schmiermittel und Brennstoff.
5. Waschbärbalg nutzen
Das Wertvollste ist beim Waschbär nach wie vor der Balg. Dieser ist nicht nur deutlich robuster als der des Fuchses, sondern auch größer. Immerhin können Waschbären bis zu 20 kg auf die Waage bringen – Ausnahmetiere zum Teil auch deutlich mehr. Zum Vergleich: Füchse gelten ab 10 kg bereits als kapital. Geübte Waidmänner streifen einen Waschbären in wenigen Minuten. Für 30 Euro übernimmt das aber auch der Gerber des Vertrauens.

Wegen ihres wertvollen Balges wurden Waschbären in Deutschland ausgewildert. Jäger lassen heute vom Kürschner daraus Handschuhe, Decken und Mützen fertigen. © Christian Schätze
Das Gerben der Rohware schlägt, je nach Anbieter, mit 50 bis 80 Euro zubuche. Die gegerbten Bälge können zu Mützen, Mänteln, Muffs oder Decken verarbeitet werden. Viele Jäger nutzen den Balg als Erinnerung im Jagdzimmer.
6. Schwanz und kleinere Teile
Die gegerbte Lunte kann wird gern für handwerkliche oder dekorative Zwecke verwendet. Kleinere Stücke könne zu Accessoires wie Schlüsselanhängern oder Katzenspielzeug verarbeitet werden. Auch Fliegenfischer bzw. Fliegenbinder nutzen Teil des Balgs oder der Lunte, um Raubfischköder daraus zu fertigen.
Waschbär als Präparat und Trophäe verwerten
7. Vollkörper-Präparat
Der präparierte Wildkörper kann unter den entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen für pädagogische Zwecke genutzt werden, beispielsweise als Lehrpräparat für den Naturkundeunterricht. Aber auch im Jagdzimmer ist ein gut präparierter Waschbär ein Blickfang.
Tipp: Es empfiehlt sich, vor der Auftragsvergabe zu schauen, wie gut die Arbeiten des Fachmannes sind. Präparatoren haben bestimmte Stärken, können aber auch nicht immer alles. Neben komplett präparierten Stücken gibt es auch kreative Modelle, bei denen ein Waschbär beispielsweise nur zur Hälfte aus einem Baumstamm äugt.
8. Waschbär verwerten: Schädel-Trophäe
Raubwildschädel wurden schon immer von Jägern als attraktive Trophäe betrachtet. Obwohl der Schädel des Waschbären relativ klein ist, so ist er doch ein schönes Exponat. Handelt es sich um ein ausgesprochen starkes Stück, sollte der Schädel auf jeden Fall abgekocht, gebleicht und auch nach der CIC-Formel bewertet werden.
Dafür müssen lediglich Länge und Breite des Schädels gemessen und addiert werden. Das Ergebnis in Zentimeter (bis zwei Stellen hinter dem Komma gemessen) ergeben die Punktzahl. Bronze gibt es ab 21,00-21,49 Pkt., Silber 21,50-21,99 Pkt. und Gold ab 22,00 Pkt.. Ein guter Grund, bei der nächsten Trophäenschau seine stärksten Raubwildschädel vorzulegen.
9. Penisknochen: Trophäe, Glücksbringer und Schnapsbrenner-Utensil
Die kleinste Trophäe des Waschbären ist der Penisknochen (Baculum). In Deutschland fristet er in der Regel sein Dasein im Jagdzimmer. Abgekocht, entfettet und gebleicht erinnert das dünne, bis zu 10 Zentimeter lange Knöchelchen an vergangene Jagden. In Nordamerika genießt er ungleich mehr Ansehen. So wird der Penisknochen in der Hoodo-Tradition (Südstaaten) als Glücksbringer getragen.

In Nordamerika werden die Penisknochen der Kleinbären als Talisman geschätzt und oft zu Schmuckstücken und Zahnstochern verarbeitet. © Dr. Markus Laukel
Er soll dem Träger zu Liebe, Erfolg und Fruchtbarkeit verhelfen, heißt es. Illegale Schnapsbrenner („Moonshiner“) nutzen ihn wegen seiner gebogenen Form als Ableiter bei der Destillieranlage. Die Form soll dafür sorgen, dass Tropfen für Tropfen in den Auffangbehälter geleitet wird. Wegen seiner Festigkeit wird er in den USA auch als Zahnstocher geschätzt („Texas Toothpick“). Weitere Verwendungszwecke sind als Rührstab und Schmuckstücke.











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