So beeinflusst der Vollmond den Erfolg der Blattjagd

Der Mond übt auf zahlreiche Organismen eine geheimnisvolle Kraft aus. Auch Rehböcke reagieren auf den Erdtrabanten, was die Blattzeit ganz schön durcheinanderbringen kann. Christian Schätze erklärt, wann die Böcke bei Vollmond springen.

Vollmond

Der Mond kann großen Einfluss auf die Rehbrunft haben. © Christian Schätze

Haben Sie schon einmal vom Palolowurm gehört? Der bis zu 40 Zentimeter lange Ringler lebt zwischen Korallen im westlichen Pazifik und gilt bei den Einheimischen auf Samoa als echter Leckerbissen. Das Besondere an diesem grünlichen Meereswurm ist, dass er sich nur einmal im Jahr paart … und zwar genau ein bis drei Nächte vor Neumond. Wie das genau geschieht, wäre eine eigene Geschichte wert.

Als Mondanbeter gelten hingegen zahlreiche australische Korallen. Im Gegensatz zum Palolowurm kommen die Bewohner des Great Barrier Reefs im Frühjahr nur bei Vollmond richtig auf Touren. Unzählige Korallen schicken dann wie auf ein geheimes Kommando ihre Geschlechtszellen auf Reisen – ein Naturspektakel, das Jahr für Jahr Taucher aus aller Welt anzieht.

Vollmond und Blattjagd: Wie hängen sie zusammen?

Auch unser Rehwild reagiert auf die verschiedenen Mondphasen. Fällt die Blattzeit beispielsweise mit dem Neumond zusammen, treiben die Rehböcke tagsüber und lassen sich gut bejagen. Fallen jedoch Vollmond und der Höhepunkt der Rehbrunft (Blattzeit) zusammen, sieht die Sache ganz anders aus: Die Trughirsche verlagern ihr Treiben dann in die Nacht.

Ich erinnere mich an eine Blattjagdsaison, in der Rehbrunft und Vollmond auf dasselbe Wochenende fielen. Damals jagte ich in einem Niederwildrevier, das vom damaligen Pächter sehr schonend bewirtschaftet wurde. Die Böcke waren nicht nur stark, sondern auch in großer Zahl vorhanden. Da ich meinen Jagdfreund beim Fuchsabschuss und der Schwarzwildjagd unterstützte, gab er mir jedes Jahr zur Blattzeit als Zeichen seiner Wertschätzung einen reifen Sechser frei.

Blattjagd plötzlich ohne Erfolg

Dank des ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses sprangen die Böcke in der ersten Augustwoche meistens wie die Teufel aufs Blatt. Nur in besagtem Jahr nicht. So intensiv ich auch mit dem Rottumtaler Rehwildblatter lockte, die Bühne blieb leer. Dass genügend alte Böcke im Revier ihre Fährten zogen, wussten wir. Warum sie nicht trieben oder sprangen, war uns zunächst jedoch ein Rätsel.

Statt weiter den „Gehörnten“ hinterherzuhecheln, setzte ich mich schließlich frustriert an einem Erbsenfeld an, in dem die Schwarzkittel Schäden verursacht hatten. Aufgrund der Hitze tat sich zunächst nicht viel. Als jedoch der Mond den Horizont hinaufgeklettert war, den Schlag erhellte und es etwas kühler wurde, setzte plötzlich „die große Wanderung“ ein.

Die Rehböcke übernehmen das Erbsenfeld

Doch statt der gefräßigen Wildsauen nahm Rehwild die etwa 30 Hektar Fläche in Beschlag. Schon bald tobten fünf Böcke gleichzeitig und noch deutlich mehr Ricken und Schmalrehe durch die Erbsen! Bis weit nach Mitternacht beobachtete ich das wilde Treiben und konnte nur ungläubig den Kopf schütteln. Am nächsten Morgen verrieten allein die Hexenringe, was sich in der Nacht zugetragen hatte.

Gut gelaunt setzte ich mich am nächsten Abend an der Fläche an, um endlich „meinen“ Erntebock zu strecken. Doch wie an den Tagen zuvor wurde mein Flehen mit dem Blatter wieder nicht erhört. Hatten die Sauen das Rehwild vergrämt? Oder war die Blattzeit etwa schon vorüber? Ich hatte keine Antworten auf die Fragen. Da half nur eins: dranbleiben!

Was rät ein Blattjagd-Experte bei Vollmond?

Auch an diesem Abend läutete erst der Mond das Treiben ein. Kaum war er über die Kirschbäume der Allee geklettert, erschien eine Hochzeitsgesellschaft nach der anderen auf der Fläche. Von kleinen Pausen abgesehen, trieben sie auch in dieser Nacht bis in die frühen Morgenstunden.

Blattjagdexperte Klaus Demmel gab mir schließlich den entscheidenden Tipp, es in den frühen Morgenstunden zu versuchen. Auch er hatte die Erfahrung gemacht, dass Böcke bei Vollmond vor allem nachts treiben würden. Verstärkt würde der Effekt von hohen Tagestemperaturen. „Die Brunft ist ein anstrengendes Geschäft. Da müssen Böcke mit ihren Kräften haushalten“, brachte es der Praktiker auf den Punkt.

Versuch es mal im ersten Licht! Da hast Du die größten Chancen.

Bei Vollmond: Christian mit Moorbock

Autor mit starkem Moorbock: Der alte Sechser sprang im ersten Licht aufs Blatt. © Christian Schätze

Erfolgreiche Blattjagd bei Vollmond: Das erste Licht entscheidet

Am nächsten Morgen saß ich noch vor dem ersten Sonnenstrahl auf der Leiter. Als es endlich hell wurde, griff ich zum Blatter und ließ die ersten Piääh-Laute erklingen. Innerhalb weniger Sekunden sprang ein gut vereckter Sechser aus dem angrenzenden Maisfeld und stand sofort zu. Es war einer der Alten, die ich bei Vollmond beim Treiben beobachtet hatte. In den folgenden Tagen gelang es mir noch oft, Böcke vor den Hochsitz zu locken – jedoch immer nur am frühen Morgen!

Mittags kamen lediglich Jährlinge oder maximal Zweijährige in Anblick, weil die jede Chance nutzen mussten, um ein weibliches Stück beschlagen zu können. Wundern Sie sich also nicht, wenn in einer solchen Vollmondphase anscheinend kein Bock springen will. Blatten Sie einfach mal im ersten Büchsenlicht. Der Erfolg lässt dann nicht lange auf sich warten.