Bejagung von Ricken – Folgen der Vernachlässigung

Mehrere schwache Stücke erlegen

Das ging manchmal so vonstatten, dass ich aus dem äsenden Sprung mit der Erlegung des schwächsten Kitzes begann und dann die nächstschwächeren Stücke erlegte, so dass ich nicht selten aus einem Sprung vier bis fünf schwache Stücke erlegen konnte. Man musste das letzte Stück oft auf weite Entfernung schießen, da sich die Stücke natürlich immer weiter entfernten. In einem strengen Schneewinter – ich weiß gar nicht mehr, welcher – passierte es mir nun mehrfach, dass ich statt der vermeintlich schwachen Kitze uralte Ricken schoss, die ich vorher als diese überhaupt nicht angesprochen hatte.

Die Gewichte lagen jedenfalls nicht viel höher als die der Kitze, und das Alter sah man ihnen nicht an. Seitdem widerspreche ich einem Jagd- gast nicht mehr, wenn er versucht, mir Ricke oder Schmalreh zu erklären. Er weiß es sicherlich besser.

Strake Ricken, strake Böcke: Gut im Woldbret und gut im Gebäude - so wollen wir unseren Rehwildbestand sehen. ©Flickr/Sprit1955 Ricke weibliches Rehwild Schmalreh Rehwild Reh

Starke Ricken, starke Böcke: Gut im Wildbret und gut im Gebäude – so wollen wir unseren Rehwildbestand sehen. ©Flickr/Sprit1955

Abschusswürdige Ricken lassen sich also schwer ansprechen, und um sie zu erlegen, müssen zuerst ihre Kitze erlegt werden. Eine Rickenbejagung für sich allein genommen gibt es folglich eigentlich gar nicht: Wenn die zugehörigen Kitze liegen, ist die Ricke oft schon über alle Berge. Eine Möglichkeit ist es in der Praxis sicherlich, in einem Revierteil mit auffällig vielen Knopfböcken und schwachem weiblichen Rehwild einen weitestgehenden Totalabschuss durchzuführen.

Auf Drückjagden in diesem Teil des Reviers wird eben nach Möglichkeit alles Rehwild gestreckt, dessen man habhaft werden kann. Um eine Neubesiedelung braucht man sich meistens keine Sorge zu machen: Ein Vakuum existiert in der Natur nur selten, und das Rehwild wird sich nach und nach wieder einstellen.