Wolf und Politik – Interview mit Gero Hocker

Wolfsriss reiht sich an Wolfsriss und nur wenige Politiker nehmen eine klare Haltung zum Umgang mit dem Wolf ein. Doch es gibt Ausnahmen, wie Gero Hocker von der FDP. Er ist vielen durch seine flammenden Reden im Niedersächsichen Landtag bekannt. Ihr JÄGER hat den FDP- Politiker zum Wolf befragt.

Zur Person: Gero Hocker

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Seit 2009 ist Gero Clemens Hocker Mitglied des Niedersächsischen Landtags. Er ist umweltpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Im Mai 2015 wurde er auf dem Bundesparteitag in Berlin als Beisitzer in den FDP-Bundesvorstand gewählt.

Herr Hocker, Niedersachsen hat als Wolfseinwanderungsland Nummer eins im letzten Jahr immer wieder Schlagzeilen gemacht. Wie sehen Sie die Entwicklung der Population in Niedersachsen?

Viele behaupten, der Wolf migriere gegenwärtig nach Niedersachsen. Das ist falsch. Der Wolf ist schon lange da, und für die kommenden Jahre ist mit steigenden Populationszahlen zu rechnen. Derjenige, der glaubt, dass diese Migration problemlos oder gar konfliktfrei erfolgen würde, hat in den vergangenen Monaten erkennen müssen, dass die Konflikte, die durch die Migration eines seit über hundert Jahren in Deutschland ausgestorbenen Wildtieres in unsere Kulturlandschaft entstehen, immens und teilweise existenzgefährdend sind.

Nutztierhalter und Wölfe

Wo der Wolf jagt, müssen Nutztiere besonders geschützt werden. Werden die Nutztierhalter in Niedersachsen dabei ausreichend unterstützt?

Es gab in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe an Nutztierrissen durch den Wolf. Dies hat die Landesregierung im November 2014 dazu bewogen, eine Förderrichtlinie Wolf zu erlassen. So wurde allerdings zunächst nur ein kleiner Teil Niedersachsens in die Gebietskulisse Herdenschutz aufgenommen. Lediglich in den Gebieten innerhalb dieser Gebietskulisse werden Präventionsmaßnahmen gefördert. Der Wolf ist allerdings extrem anpassungsfähig und findet quasi überall in Niedersachsen – von der Küste bis in den Harz oder die Lüneburger Heide oder das Emsland – hinreichend Nahrung und potentielle Lebensräume. Deswegen ist es nicht nachvollziehbar, warum nicht alle Landkreise Niedersachsens Teil dieser Gebietskulisse sind.