Unter dem Motto „Wild auf Dauerwald“ treffen sich vom 18. bis 20. Juni 2026 rund 450 Teilnehmende zur Bundestagung der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Deutschland (ANW). Beim Auftakt in der Bitburger Stadthalle diskutierten Fachleute und Praktiker aus Forstbetrieben, Jagd, Politik, Verbänden und Wissenschaft über Strategien zum Management von Wildbeständen, die helfen, Wälder besser für den Klimawandel aufzustellen.
„Der entscheidende Faktor für Stabilität und Resilienz von Wäldern ist die Baumartenmischung“, erklärte Hans von der Goltz, Bundesvorsitzender der ANW, in seiner Begrüßungsrede. Seit zehn Jahren untersucht die ANW deutschlandweit im Verbund mit Wissenschaftlern, ob der angestrebte Waldumbau im Klimawandel durch Schalenwild wie Rehe und Hirsche maßgeblich behindert ist. „Die Projektergebnisse sprechen eine deutliche Sprache“, so von der Goltz. „Unter Ausschluss von Schalenwild nimmt die Anzahl verschiedener Gehölze rasch und signifikant zu. So finden sich auf eingezäunten Flächen schon nach sieben Jahren durchschnittlich ca. 50 Prozent mehr Gehölzarten als außerhalb der Zäune. Wenn rund die Hälfte der möglichen und nötigen Baumarten fehlen, wird das Ziel eines stabilen und resilienten Mischwaldes kaum erreichbar sein!“
Waldbau und Jagd müssen in dieselbe Richtung arbeiten
Bei seinem Vortrag erläuterte Dr. Franz Straubinger, langjähriger Geschäftsführer der Hatzfeldt-Wildenburg’schen Verwaltung, dass zu hohe Wildbestände das größte Hemmnis auf dem Weg zu stabilen, resilienten Wäldern sind. „Die Überweidung der Wälder durch Rehe und Hirsche führt nicht nur zur ökologischen Verarmung, sondern ist auch finanziell ein Fass ohne Boden. Die Verselbstständigung dieses ungeheuerlichen Defizits muss aufgezeigt und verändert werden. Mit dem jetzigen Jagdregime und der unkritischen Einstellung der Waldeigentümer ist der Zukunftswald nicht erreichbar.“ Uli Osterheld, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Pro Jagdkonzept GmbH, forderte in seinem Vortrag, Politik und Verwaltung stärker in die Verantwortung zu nehmen: „Es gilt, den Wildbestand so zu regulieren, dass die Vegetationsentwicklung nicht maßgeblich beeinträchtigt wird und sich alle auf einem Standort vorkommenden Baumarten ohne Schutzmaßnahmen etablieren und entwickeln können.“ Dafür sei es elementar, die Jägerschaft zu motivieren und fortzubilden. „Wenn Vegetationsgutachten wiederholt ‚rot‘ ausfallen, müssen seitens der Jagdbehörden auch Konsequenzen vollzogen werden“, so Osterheld.
„Nicht aufgefressene gemischte Wälder“ benötigt
Bemühungen um notwendige Gesetzesänderungen und ein breites Umdenken in der Jägerschaft stoßen seit Jahren auf massiven Widerstand der traditionellen Jagdverbände. Wie damit angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise umzugehen ist, haben die Teilnehmenden während der ANW-Bundestagung diskutiert. „Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir brauchen jetzt auf über 2 Millionen Hektar Waldfläche nicht aufgefressene gemischte Wälder“, erklärte Hans von der Goltz. „Daher arbeiten wir inzwischen Bottom-up. Waldbesitzenden und Jagenden, die an einer Neuausrichtung interessiert sind, bieten wir zeitgemäße Fortbildungsmöglichkeiten und stellen ihnen Instrumente für die professionelle Verfolgung ihrer Waldziele zur Verfügung“ – u.a. im Rahmen des Projekts „Wild – Wald – Innovation (WiWaldI)“. „Der Waldumbau wird nur durch eine enge Zusammenarbeit von Waldbesitz und Jagd gelingen“, so der ANW-Bundesvorsitzende.
Bei Exkursionen in fünf Dauerwaldreviere in Rheinland-Pfalz und im Saarland haben die Teilnehmenden am 19. und 20. Juni Gelegenheit, Zielsetzungen, Strategien und Praxis von naturgemäßem Waldbau und erfolgreicher Jagd anhand konkreter Waldbilder zu diskutieren.
Über die ANW
Die ANW Deutschland e.V. ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Waldbesitzenden, Forstleuten, Wissenschaftlern und Waldinteressierten. Ziel ist es, gemischte, struktur- und baumartenreiche Dauerwälder zu entwickeln, die naturnah bewirtschaftet werden. 1950 gegründet, ist die ANW Mitglied im Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) und im europäischen Netzwerk Pro Silva. Über 13 eigenständige Landesgruppen sind ihr insgesamt rund 3.300 Mitglieder verbunden. Die ANW-Bundestagung findet alle zwei Jahre an wechselnden Orten statt. Sie wird in diesem Jahr von den Landesgruppen Rheinland-Pfalz und Saar ausgerichtet. (ANW Deutschland e.V.)





