Jagdmesse Grünau 2026: ein Rückblick

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Im Live-Studio waren hochrangige Gäste wie Jagdminister Hubert Aiwanger zu Gast. © Telletic

Volle Zelthallen, prominente Gäste und Veranstalter, die bewusst auf weiteres Wachstum verzichten: Die 12. Internationalen Jagd- und Schützentage auf Schloss Grünau haben vom 9. bis 11. Oktober 2026 gezeigt, warum sich die Jagdmesse Grünau in wenigen Jahren zum Fixpunkt im Süden entwickelt hat. und der JÄGER war mit einem eigenen Live-Studio mittendrin.

Ein Überblick über Programm, Gespräche und Erkenntnisse

Wer am Messefreitag durch den Schlosshof bei Neuburg an der Donau ging, merkte schnell: Hier wird nicht nur Ware gezeigt, hier wird Jagd gelebt. Jagdhornbläser, Hundegeläut aus dem Hundedorf, Fachgespräche an den Ständen. Und mittendrin das JÄGER Live-Studio, in dem die Redaktion drei Tage lang mit Entscheidern aus Politik, Verbänden, Industrie und Praxis sprach.

Im Gespräch mit dem JÄGER erzählen die Veranstalter Hans-Joachim und Hubertus Reich, welche Rolle Handwerk, Tradition und Brauchtum auf der Messe spielen. © Telletic

Von 150 auf 550 Aussteller: Die Entwicklung der Jagdmesse Grünau

Mit über 35.000 Besuchern war die Messe in diesem Jahr ein voller Erfolg. Die Stimmung bei Besuchern, Ausstellern und Veranstaltern war ausgelassen, und auch die kurzen Schauer zwischendurch konnten daran an keinem der drei Messetage etwas ändern. Angefangen hat alles 2014 in Ellingen mit 150 Ausstellern. Heute präsentieren sich rund 550 Aussteller aus dem In- und Ausland rund um das ehemalige Jagdschloss der Wittelsbacher. Wie es dazu kam, hat Veranstalter Hans-Joachim Reich gemeinsam mit Hubertus Reich im Interview mit dem JÄGER ausführlich erzählt.

Eröffnet hat die Messe wie in den Vorjahren Bayerns Jagdminister Hubert Aiwanger als Schirmherr. Zum Auftakt kamen außerdem DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke und die Präsidenten von sieben Landesjagdverbänden.

Jagdhornbläser, Albhörner und Kapellen, auf den Jagd- und Schützentagen wird Jagdkultur gelebt. © Telletic

Eine Messe mit Tradition und Werten

Statt auf immer mehr Aussteller und Besucher setzt Veranstalter Hans-Joachim Reich auf Qualität und Ethik, dazu Jahr für Jahr auf neue Ideen. Das hat mit dem begrenzten Platz am Schloss zu tun, vor allem aber mit Haltung. Im Gespräch im JÄGER Live-Studio erklärten Hans-Joachim und Hubertus Reich, dass sie ihre Aussteller bewusst auswählen. Gerade hochwertige Marken habe dieser Anspruch überzeugt.

Die Idee dahinter stammt von Hans-Joachim Reich, der früher die Messe in Erding organisierte. Seine Überzeugung: Eine Jagdmesse gehört in die Natur und nicht in Betonhallen. Zelthallen statt Messehallen waren anfangs schwer zu vermitteln. Heute sind sie Teil des Konzepts.

Das JÄGER Live-Studio: Klartext direkt auf der Messe

Herzstück des JÄGER-Auftritts war das Live-Studio am Messestand, gestaltet und begleitet von Telletic. Die Moderation übernahm die JÄGER-Redaktion aus Hamburg: Madeline Lindhorst, Christian Schätze, Dr. Stefan Birka und Kim Trautmann. An allen drei Messetagen liefen dort Live-Talks, die Themen reichten von Jagdpolitik über Wildbiologie bis zu Ausrüstung und Handwerk.

Bei den Abschussplänen setzt Hubert Aiwanger (Freie Wähler) auf mehr Eigenverantwortung der Waldbesitzer und Jäger vor Ort. © Telletic

Hubert Aiwanger: Eigenverantwortung statt Vorgaben

Direkt zum Messeauftakt war Bayerns Jagdminister zu Gast im Studio. Im Talk mit Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ging es zunächst um das reformierte bayerische Jagdgesetz, das seit April gilt. Aiwangers Linie: Jagdgenossenschaften und Jäger vor Ort sollen die Rehwildbejagung künftig ohne starren Abschussplan selbst regeln. Das Verhältnis zu den Bayerischen Staatsforsten beschrieb er als früher verhärtet, inzwischen deutlich entspannt.

Konkret wurde es bei der Energiewende. Für Freiflächen-Photovoltaik fordert Aiwanger wilddurchlässige Zäune mit Schlupfen von 20 mal 70 Zentimetern. Rodungsflächen für Windräder im Staatswald sollen als Blühwiesen und Äsungsflächen angelegt werden. Beim Wolf setzt Bayern auf eine Bejagung in der Jagdzeit von Juli bis Ende Oktober, erlegt wurde bislang aber kein Tier. Den Goldschakal hat der Freistaat vorsorglich ins Jagdrecht aufgenommen. Ein Riss an Rehwild in unmittelbarer Nähe der Messe ist per Gentest bestätigt.

Zum Schluss bezog Aiwanger Position zur Debatte um Waffenbesitz und Parteizugehörigkeit. Eine pauschale Entwaffnung von AfD-Mitgliedern hält er für überzogen. Verfassungsfeindliches Verhalten müsse im Einzelfall nachgewiesen werden. Zugleich forderte er, auch linksextreme Kräfte stärker in den Blick zu nehmen.

Helmut Dammann-Tamke erläuterte, welchen Stellenwert Ethik und Waidgerechtigkeit für die Jägerschaft haben und wie diese Werte auch künftig transportiert werden können. © Telletic

Helmut Dammann-Tamke: Ethik, Nachwuchs und Wolf

Ebenfalls im Studio zu Gast war der DJV-Präsident. Im Interview mit Helmut Dammann-Tamke ging es darum, wie Verbände junge Jäger überhaupt noch erreichen. Die Landesjägerschaft Niedersachsen setzt dafür auf eine eigene App mit kurzen Meldungen, die zum Jahresende allen Mitgliedern offenstehen soll.

Beim Thema Waidgerechtigkeit plädierte Dammann-Tamke für einen gemeinsamen ethischen Grundkonsens, der in Ausbildung und Jägerprüfung mehr Gewicht bekommen müsse. Weil immer mehr Jungjäger ohne jagdliches Umfeld einsteigen, wünscht er sich ein Mentorensystem. Beim Wolf fällt seine Bilanz für Niedersachsen gemischt aus: Das Schnellabschussverfahren funktioniere bei der Freigabe, doch bei knapp 20 Verfahren wurden nur zwei Wölfe erlegt. Ein echtes Bestandsmanagement werde früher oder später kommen müssen.

Veranstalter, Wissenschaft und Industrie

Auch Veranstalter Hans-Joachim Reich und Hubertus Reich kamen im Live-Studio zu Wort und zogen nach dem Auftakt eine durchweg positive Bilanz. Am Sonntag folgten Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel zum Wald-Wild-Konflikt, Bergjäger Kai Bullion zur Bergjagd, Mauser-Geschäftsführer Thore Wolf zu Made in Germany und Gerhard Grande vom Donaumoos-Team zum Zusammenspiel von Arten- und Klimaschutz mit Jagd und Landwirtschaft im Donaumoos. Mitschnitte der Talks gibt es auf dem JÄGER-YouTube-Kanal.

Im Hundedorf, aber auch auf dem Messegelände waren unzählige Jagdhunderassen vertreten. © Telletic

Das Hundedorf: rund 40 Jagdhunderassen an einem Ort

Als Alleinstellungsmerkmal nennt Veranstalter Hans-Joachim Reich das Hundedorf, bei dem Grünau Vorreiter war. Rund 40 Jagdhunderassen und Haararten waren 2026 vertreten, vom Vorstehhund über Teckel und Terrier bis zu Stöber-, Lauf-, Schweiß- und Apportierhunden. In den Pagoden standen Züchter und Vereinsvertreter für Fragen zu Haltung, Ausbildung und Einsatz bereit. Auch Nachsuchengespanne waren vor Ort. Für alle, die über einen Jagdhund nachdenken, gibt es kaum eine bessere Gelegenheit, Rassen direkt zu vergleichen.

Hier wird Brauchtum gelebt: Die zahlreichen Schützenabordnungen sorgten für eine stimmungsvolle Atmosphäre. © Telletic

Tradition, die zum Ort passt

Das Schloss ließ Pfalzgraf Ottheinrich einst mitten im Donau-Auwald errichten, in Sichtweite der Neuburger Residenz. Brauchtum wirkt hier deshalb nicht aufgesetzt. Jagdhornbläser, Blaskapellen und schottische Piper gehören zum Bild, ebenso die Lesungen aus der Jagdliteratur im Gewölbekeller, die nach Erfahrung der Familie Reich gerade bei jungen Jägern gut ankommen. Höhepunkte am Sonntag waren die Hubertusmesse und der Sternmarsch, bei dem Blaskapellen aus fünf Richtungen in den Schlosshof einziehen. Zum Abschluss spielten rund 300 Jagdhornbläser.

Neuheiten aus Waffen- und Optikbranche

Immer mehr Hersteller sehen Grünau als Anlaufstelle, um ihre Produkte erstmals dem Publikum zu präsentieren. Einige Neuheiten bei Waffen und Optik waren vorab nicht einmal angekündigt. Damit gewinnt die Messe auch für Fachbesucher an Gewicht, die bislang vor allem auf die großen Hallenmessen geschaut haben.

Live-Studio und JÄGER-Stand waren an allen Tagen sehr gut besucht. © Telletic

Rund um den JÄGER-Stand

Wer am Stand vorbeischaute, konnte einen robusten Kirreimer im JÄGER-Design mit nach Hause nehmen, der ab sofort in so manchem Revier an der Kirrung seinen Dienst tun dürfte. Auf dem Gelände war zudem wieder Heinrich unterwegs, der goldene Hirsch. Wer ihn fand und ein Selfie auf Instagram postete, konnte eine Jagd mit Chefredakteur Christian Schätze gewinnen.

Fazit: Grünau setzt auf Profil statt Größe

Die Jagdmesse Grünau 2026 hat gezeigt, dass eine Messe nicht immer größer werden muss, um wichtiger zu werden. Veranstalter Hans-Joachim Reich zieht bewusst eine Grenze und investiert lieber in Qualität, Atmosphäre und neue Ideen. Das kommt an: bei Ausstellern, die hier Neuheiten präsentieren, und bei Besuchern, die Jagd nicht nur einkaufen, sondern erleben wollen.

Inhaltlich lieferten die Talks im JÄGER Live-Studio ein klares Stimmungsbild. Politik und Verbände setzen auf Eigenverantwortung im Revier, beim Wolf auf mehr Handlungsspielraum und bei der Jagdethik auf einen gemeinsamen Nenner, der gerade Quereinsteiger einbindet. Fest steht: Wer wissen will, worüber die Jägerschaft gerade spricht, kommt an Grünau nicht vorbei.

Ausblick: Grünau 2027

Die 13. Internationalen Jagd- und Schützentage finden vom 08. Oktober bis 10. Oktober 2027 auf Schloss Grünau statt.
Wer sich den Termin jetzt schon vormerkt, ist im nächsten Herbst wieder mittendrin. Auch im kommenden Jahr warten wieder spannende Neuheiten und kulturelle Höhepunkte auf die Gäste.

Wir wollen’s wissen!

Wie hat Ihnen die Jagdmesse Grünau 2026 gefallen? Was war Ihr persönliches Highlight, und welche Anregungen haben Sie für 2027?
Schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected].

Häufige Fragen zur Jagdmesse Grünau

Wann fand die Jagdmesse Grünau 2026 statt?
Die 12. Internationalen Jagd- und Schützentage liefen vom 9. bis 11. Oktober 2026, täglich von 9:30 bis 18:00 Uhr.

Wann findet die Jagdmesse Grünau 2027 statt?
Die 13. Internationalen Jagd- und Schützentage finden vom 08.10. bis 10.10.2027, erneut auf dem Gelände von Jagdschloss Grünau statt.

Wo liegt die Jagdmesse Grünau?
Auf dem Gelände von Jagdschloss Grünau bei Neuburg an der Donau in Oberbayern.

Wie groß ist die Messe?
Rund 550 Aussteller und mehr als 35.000 Besucher.

Was ist das Hundedorf?
Ein eigener Messebereich mit rund 40 Jagdhunderassen und Haararten, Vorführungen und Ansprechpartnern aus Zucht und Vereinen.

Wo kann ich die JÄGER-Talks nachschauen?
Die Gespräche aus dem JÄGER Live-Studio sind auf dem JÄGER YouTube-Kanal abrufbar, die Zusammenfassungen auf jaegermagazin.de.