Mit dem Bundesjägertag 2026 in Suhl ist Thüringen zum Mittelpunkt der organisierten Jägerschaft in Deutschland geworden. Am 3. und 4. Juli kamen mehr als 400 Delegierte, Gäste und Vertreter aus Politik, Jagd und Gesellschaft in der Waffen- und Jagdstadt zusammen. Unter dem Motto „Kompetenz im Revier – Ethik im Handeln“ standen der Waldumbau, das Wolfsmanagement, die Evaluierung des Waffenrechts sowie die gesellschaftliche Vermittlung jagdlicher Leistungen im Mittelpunkt.
Eingestimmt wurden die Delegierten bereits am Freitagabend mit einer Hubertusmesse in der Suhler Kreuzkirche, bevor am Samstag die politische Prominenz die Bühne betrat.
Bundesjägertag 2026: Ein starkes Signal aus Thüringen
Der Bundesjägertag setzte ein wichtiges Zeichen für Dialog und Miteinander – zwischen den Landesjagdverbänden, zwischen Politik und Jägerschaft und zwischen Tradition und moderner, verantwortungsvoller Jagd. DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke konnte bei der Eröffnung ein besonderes Ereignis hervorheben: Erstmals seit 16 Jahren nahm mit Hubert Stärker wieder der amtierende Präsident des Bayerischen Jagdverbandes an einem Bundesjägertag teil.

Hubert Stärker ist der erste BJV-Präsident seit 16 Jahren, der bei einem Bundesjägertag dabei ist. © Stefan Birka
Stärker, der rund 52.000 Jägerinnen und Jäger in Bayern vertritt, warb eindringlich für Geschlossenheit und Glaubwürdigkeit innerhalb der organisierten Jägerschaft. Nur wer mit einer Stimme spreche und Leistungen selbstbewusst vermittle, finde in Politik und Gesellschaft Gehör. Seine Botschaft fand große Zustimmung und unterstrich den Willen zum Miteinander, der den Bundesjägertag insgesamt prägte.
Politik bekennt sich zur Jagd
Der Suhler Oberbürgermeister André Knapp betonte die enge historische Verbindung seiner Stadt zur Jagd. So wurde z.B. im Jahr 1751 mit Sauer&Sohn die erste deutsche Waffenschmiede in Suhl gegründet. Aber auch wichtige Namen der Branche wie Krieghoff, Merkel und Hänel haben ihre Wurzeln in der Waffenstadt. Der Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt begrüßte die Delegierten ebenfalls im grünen Herzen Deutschlands. Er fand klare Worte: „Die Jagd gehört zu Deutschland.“ und hob die Bedeutung der Jagd für den Waldumbau hervor. Voigt sprach sich für ein kluges Wolfsmanagement aus, das Weidetierhalter ebenso berücksichtigt wie Natur- und Artenschutz.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer würdigte in seinen Grußworten die Leistungen bei Hege und Pflege sowie bei der Kitzrettung und warb für den Abbau bürokratischer Hürden. Bundeskanzler Friedrich Merz übersandte eine Videobotschaft, in der er ebenfalls die Bedeutung der Jagd würdigte und auf die schnelle Umsetzung der Wolfsbejagung durch die Bundesregierung verwies. Der Parlamentarische Staatssekretär Christoph de Vries (Bundesministerium des Inneren) informierte über den Stand der Waffenrechts-Evaluierung, bedankte sich explizit beim DJV für die qualifizierte Zuarbeit und sicherte die Einbeziehung der Verbandsstellungnahmen zu.
Bundesjägertag 2026: Ethik und Verantwortung bleiben Kern der Jagd
Dammann-Tamke stellte in seiner Rede die jagdethischen Grundlagen in den Mittelpunkt: Respekt vor dem Wild, Verantwortung für Natur und Lebensräume sowie die Weitergabe jagdlicher Werte an kommende Jägergenerationen. Pauschale Verdächtigungen gegenüber legalen Waffenbesitzern lehnte er entschieden ab und forderte eine sachliche, an tatsächlichen Problemen orientierte Debatte.
Ein konkretes Ergebnis: Die Delegierten verabschiedeten am Freitag ein Grundsatzpapier zu ethischen Standards bei der Jagd. Das Papier soll als eine verbindliche Leitlinie für alle Jägerinnen und Jäger dienen.
Delegiertenversammlung setzt Zeichen der Geschlossenheit
Die Delegiertenversammlung fand leider unter Ausschluss von Gästen und Jagdpresse statt. Hintergrund für diesen Wunsch des DJV- Präsidiums könnte die zu befürchtenden Diskussionen um die am 30.Mai vom brandenburgischen LJV-Präsidenten Wellershoff geäußerte harsche Kritik am DJV sein. Auch hatte der LJV Präsident die Idee die Tätigkeit des LJV BRB auch auf die Nachbarbundesländer auszuweiten formuliert.
Doch der Reihe nach: Zuerst folgten der Jahresabschluss, der Haushaltsplan 2027, die Entlastung des Präsidiums und der Geschäftsführung sowie die Verabschiedung des Positionspapiers Jagdliche Ethik. Alles Beschlüsse würden mit hohen Mehrheiten angenommen.
Danach ging es ans Eingemachte. Der Landesverbände Sachsen und Berlin brachten als unmittelbar „bedrohte“ Verbände einen Beschluss als deutliche Reaktion auf die brandenburgischen Expansionswünsche ein. Unterstützt wurde der Antrag aus Baden-Württemberg.
Kern des Beschlusses ist die Aufforderung des DJV-Präsidiums an den Präsidenten des LJV Brandenburg „spalterische Aktionen zu unterlassen und seine Boykotthaltung aufzugeben.“ Das Angebot eines gemeinsamen Gedanken- und Meinungsaustausches und die Betonung der Einheit der Jäger in Deutschland waren ebenfalls Bestandteil des Beschlusses. In der Diskussion um denn Antrag konnte einem die Delegation aus Brandenburg fast leidtun. Präsident Wellershoff war dem Bundesjägertag fern geblieben und so musste der brandenburgische LJV Geschäftsführer Kai Hahmann sich „rechtfertigen“.
Am Ende sprachen einige Delegierte von einem reinigenden Gewitter. Der Beschluss wurde mit 87,69% Ja-Stimmen und 12,31% Nein-Stimmen angenommen.
Hartwig Fischer im Fokus
Im Kontext mit den Angriffen aus Brandenburg war auch der ehemalige DJV-Präsident Hartwig Fischer von Wellershoff als „absolute Katastrophe“ tituliert und sein Wirken um die Fellwechsel GmbH als massive Geldverschwendung gebrandmarkt worden. Fischer ergriff während der Delegiertenversammlung die Möglichkeit und schilderte die komplizierte Lage in Zeiten von Corona und Exportrestriktionen. Die Delegiertenversammlung würdigte seinen Redebeitrag mit stehenden Ovationen und man hätte meinen können, dass Fischer kurzzeitig von einer gewissen Emotionalität übermannt wurde.
Fazit des Bundesjägertages
Die große Mehrheit der organisierten Jägerschaft hält an einem solidarischen, konstruktiven Miteinander fest. Die Delegierten bekräftigten mit großer Mehrheit die Bedeutung der Einheit des Deutschen Jagdverbandes – ein klares Signal für Zusammenhalt und gegen Bestrebungen, die Geschlossenheit der organisierten Jägerschaft zu schwächen. Auch moderne Kommunikation um das Wesen der Jagd und ethische Aspekte kamen klar zur Sprache. Insgesamt ist der Bundesjägertag in Suhl ein Erfolg in Hinblick auf Geschlossenheit, aber auch die Verständigung der Jäger innerhalb Deutschlands. Dies war nicht nur in den Versammlungen, sondern auch in den Pausen und bei den Abendveranstaltungen zu spüren.










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