Waffenpflege im Winter

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Worin unterscheidet sich die Waffenpflege im Winter gegenüber der im Sommer? Wodurch zeichnen sich Teflon- und Nanoprodukte aus? Und wie begegnen wir dem waffenschädigenden Schwitzwasser?

Dies und mehr zum Thema „Waffenpflege im Winter“ beantwortet Ihnen Frank Heil.

Warum ist die Waffenpflege im Winters wichtig?

Grundsätzlich unterscheidet sich die Waffenpflege im warmen Sommer kaum von der im kalten Winter. Die heutigen nicht harzenden Waffenöle, Entfetter und chemischen Reiniger funktionieren weitgehend unabhängig von den Temperaturen, wenn auch Minusgrade die Reaktionszeit etwas verlängern können. Als Beispiel für auch bei extremer Kälte hervorragend wirkende Pflegemittel sei das Brunox Turbo-Spray genannt. Es erhöht die Gleitfähigkeit sämtlicher beweglichen Teile bis zu einer Temperatur von minus 55 Grad Celsius.

Teflon- und Nanoprodukte
Indes, es gibt mittlerweile weitere Waffenpflegemittel, die sich als Oberflächenschutz bei Minusgraden besonders empfehlen. Dazu gehören die Teflon- und Nanoprodukte. Ein Beispiel aus der Jagdpraxis: Steigt der Jäger an besonders kalten Tagen mit der Büchse aus dem Auto, ist deren Oberfläche warm. Muss er einige Meter weiter durch eine schneeverhangene Dickung, rieselt ständig viel Pulverschnee herunter und wandelt sich auf der warmen Oberfläche zu Wasser. Doch bald kühlt die Waffe auf Umgebungstemperatur ab. Das Wasser gefriert. Der entstehende, mehr oder weniger dicke Eispanzer ist durchaus in der Lage, zum Beispiel den Verschluss oder den Sicherungsschieber zu blockieren mir schon passiert.
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©Pauline von Hardenberg

Ein Hauch Ballistol vor dem Jagdgang beugt dem weitgehend vor. Noch besser wirken an den kritischen Stellen das bis minus 270 Grad Celsius beständige Teflon sowie Nanoprodukte. Teflon (PTFE) zählt durch seine geringe Reibung zu den Trockenschmierstoffen (Festschmierstoffen), kann jedoch auch mit Ölen oder Fetten zu bestimmten Zwecken kombiniert werden. Zum Beispiel gelangt das Teflon-Waffenöl von Lupus dank seiner enormen Kriechfähigkeit auch an versteckte Stellen und schützt dort unter anderem vor Korrosion und negativen Wirkungen durch Feuchtigkeit, die bei extremen Temperaturen zum Einfrieren mechanischer Elemente führen kann.

Teflon für die Waffenpflege

Teflon schützt auch Holzschäfte zuverlässig vor Feuchtigkeit und Verschmutzung. Ins Innere des Laufs sollte allerdings kein Teflon gelangen, denn bei Temperaturen über 400 Grad Celsius die Treibgase entwickeln wesentlich höhere Temperaturen werden hochtoxische Pyrolyseprodukte wie zum Beispiel Fluorphosgen (COF2) freigesetzt. Das Waffenpflegemittel Tetra Gun (Importeur: AKAH) arbeitet mit Nano-Partikeln, die 500mal kleiner sind als Teflon-Partikel. Tetra Gun glättet die behandelten Oberflächen, indem es sich in den mikroskopisch kleinen Rissen und Riefen des Metalls (auch Holz oder Kunststoff) ansammelt und eine elektrostatische Verbindung eingeht. Es lässt sich nicht mehr lösen. Auch wenn kein Schmier- oder Fettfilm mehr sichtbar ist, bleibt die Wirkung voll erhalten. Tetra Gun hält so selbst bei Feuchtigkeit und sehr niedrigen Temperaturen die Waffen gängig und weist an der Oberfläche Schmutz, Feuchtigkeit oder Eis ab.
Edele Hölzer verlangen nach sorgsamer Pflege und guten Ölen. ©Pauline von Hardenberg

Edle Hölzer verlangen nach sorgsamer Pflege und guten Ölen. ©Pauline von Hardenberg

Schwitzwasser – Der Feind jeder Waffe

Im Winter ist der Hauptfeind der Waffe das Schwitzwasser. Es entsteht, kommt man mit einer eiskalten Waffe in einen geheizten Raum oder in den durch eine Standheizung warm gehaltenen Innenraum des Autos. Tau schlägt sich auf alle Oberflächen nieder, gleichgültig, aus welchem Material sie bestehen. Gemindert wird die Wirkung dieser physikalischen Gesetzmäßigkeit dadurch, dass die Waffe beim Übergang von kalt zu warm im Futteral bleibt und erst nach ein, zwei Stunden wenn sich die Temperaturen ausgeglichen haben entnommen wird. Besonders bewährt haben sich wasserfeste Futterale mit dicht schließenden Reißverschlüssen. Im Prinzip geschieht bei einer nicht ummantelten Waffe der Niederschlag des Taues auch im System oder im Laufinneren, sofern die warme Luft dorthin gelangen kann.
©Pixabay

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Das Laufinnere lässt sich vor Schwitzwasser weitgehend schützen, indem beim Wechsel von kalt zu warm die Jagdwaffe geschlossen bleibt und man den möglichst dicht schließenden Mündungsschutz auf der Mündung belässt. Mauser bietet für seine Repetierbüchse M 03 das Muzzle Safe System an. Hierbei übernimmt der dazugehörige passgenaue Pfropfen die Aufgabe des aufsteckbaren Mündungsschutzes. Doch trotz allen Vorbeugens empfiehlt es sich, die Waffe nebst Laufinnerem nach dem Temperaturausgleich auf Schwitzwasser zu kontrollieren und es sofern vorhanden zu entfernen. Außen eignet sich dafür Küchenpapier oder ein feiner, saugfähiger Lappen. Innen erledigen zum Beispiel VFG Reinigungsfilze diese Aufgabe. Danach folgt ein leichtes Einölen der Metallteile (Lauf außen und innen) und bei Holzschäften das Auftragens eines Hauchs von Wachs oder anderer geeigneter Pflegemittel.

Pflegeleichte Materialien

Moderne Kunststoffschäfte benötigen keinerlei Pflege. Auch die in größeren Zeitabständen mit einer Teflon- oder Nano-Versiegelung versorgten Holzschäfte bedürfen selten einer speziellen Behandlung nach winterlichen Jagdeinsätzen. Eine ganze Reihe führender Waffenhersteller verzichtet mittlerweile auf das klassische Brünieren der metallischen Außenflächen und beschichtet diese mit speziellen Belägen. Es entstehen kratzfeste, vor Rost schützende Überzüge, die kaum noch Pflege brauchen. Auch die bei Markenwaffen eingesetzten, nach neuesten Erkenntnissen legierten Laufstähle zeigen sich in Verbindung mit den das Material hochverdichtenden und glatte Oberflächen schaffenden Fertigungsmethoden in den Standardkalibern Korrosion gegenüber ziemlich widerstandsfähig. Das Kaliber .22 Hornet bildet eine der wenigen Ausnahmen.
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Im schwitzwasserarmen Sommer verkraften diese Läufe auch nach einigen Schüssen ohne erkennbare Korrosionsansätze und ohne Präzisionsverluste zwei, drei pflegefreie Wochen. Damit ist für diesen Zeitraum auch der vermaledeite „Ölschuss“ mit seinen möglichen Treffpunktlageänderungen vom Tisch, die beim Vergessen des Entölens drohen. Klar, dass diese Beschichtungen auch im schwitzwasserreichen Winter beträchtliche Vorteile bringen. Noch widerstandsfähiger gegen Korrosion sind Läufe (und andere Waffenteile) aus“rostfreiem“ Stahl. Der Jäger entscheidet daher bereits beim Kauf seiner Waffe über deren künftige Wintereignung und den zu erwartenden Pflegeaufwand.

Laufablagerungen

Weitgehend unabhängig vom Laufmaterial und von der Jahreszeit bleiben die Ablagerungen im Laufinnern, hervorgerufen durch Treibmittelreste und besonders den Abrieb der den Lauf durcheilenden Geschosse. Namentlich die Geschosse bzw. Geschossmantel aus Kupferlegierungen hinterlassen an der Laufwand ihre oft mit bloßem Auge sichtbaren Spuren. Ob die bei großer Kälte um eine Winzigkeit enger werdenden Läufe das Ablagern der Buntmetallpartikel fördern, mag ich nicht entscheiden. Jedenfalls haben sie keinen wesentlichen Einfluss auf die Intervalle der chemischen Reinigung.
Während der Jagd
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Winterliche Eis- und Schneeglätte erhöht die Gefahr des Stürzens. Dann kommt es gelegentlich vor, dass der Lauf der jagdfertigen Waffe in den Erdboden oder den Schnee rammt und verstopft wird. Auch wenn beim Streifen durch das hochverschneite Gelände die Gräben und Vertiefungen nicht mehr erkennbar sind und der Jäger plötzlich nach unten wegsackt, dringt manchmal Schnee in den Lauf bzw. das Laufbündel ein. Steht jetzt kein geeignetes Laufreinigungsgerät zur Verfügung, ist die Jagd für den unglücklichen Waidmann vorüber. Deshalb empfiehlt es sich, ein zweckmäßiges Reinigungsgerät am Mann zu haben, zum Beispiel das lediglich nur streichholzschachtelgroße „Firearm Pocket Set“ von VFG. Es ist für alle Kugelkaliber ab .22 brauchbar und ebenfalls für sämtliche Schrotkaliber bis 12. Selbst laufbündelverstopfte Bockdrillinge lassen sich damit im Handumdrehen wieder jagdfertig herrichten.

Schlussbemerkung zur Waffenpflege 

Etwas höher ist der Aufwand für die Pflege der Jagdwaffe im Winter allerdings schon. Er lässt sich jedoch durch vorbeugende und zweckdienliche Maßnahmen auf ein Minimum reduzieren.