Gute Büchsen für Jungjäger

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©Anna Kaufmann

Kein Führerscheinneuling würde sich als erstes Auto einen Ferrari kaufen, viel zu teuer, zu schwierig zu fahren und katastrophal einzuparken. Warum sollte das bei Jungjägern und ihren ersten Waffen anders sein?

Kein Neuling greift gleich nach dem Meisterstück mit feiner Gravur und edlem Wurzelholzschaft. Genauso wenig macht es Sinn, sich mit einer Fülle an Funktionen (Drilling) oder unangenehm zu schießenden Kalibern (8 x 68 S) zu belasten. Jeder Anfänger sollte sich bei der Jagd auf das Wesentliche konzentrieren: das Wild. Es wird schon haarig genug, den ersten Bock oder Überläufer sicher anzusprechen und das Jagdfieber zu bekämpfen. Also muss sich die Erstausrüstung intuitiv bedienen lassen, zuverlässig funktionieren und die gewünschte Wirkung zeigen.

 

Keine Experimente

Wer in Deutschland anfängt zu jagen, sollte sich für ein angenehm zu schießendes Kaliber entscheiden, das universell vom Fuchs bis zur Sau einsetzbar ist. Das wären 7 x 57, .308 Winchester, 8 x 57 IS und die entsprechenden Randversionen. Schon die weit verbreitete .30-06 mit ihrem stärkeren Rückstoß und lauteren Mündungsknall kann zarte Gemüter belasten. Für eine gute Büchse müssen nicht viel mehr als tausend Euro investiert werden. Wer es ganz puristisch und noch dazu absolut sicher im Umgang mag, der findet mit der Kipplaufbüchse SKL 98 von Sabatti eine ideale Jungjägerwaffe: trocken stehender Direktabzug, Handspannung und eine Schiene für preiswerte Zielfernrohrmontagen. Die Sabatti gibt es in der schlichten Ausstattung Eco bei Frankonia schon für 999 Euro. Für 500 Euro mehr bekommt man eine Kipplaufbüchse made in Germany die Haenel Jaeger.9 aus dem Hause Merkel. Die Suhler liegen auch mit ihrem Jaeger.10 gut im Rennen: Diesen klassischen Repetierer (949 Euro) mit kaltgehämmertem Lauf verkauft AKAH als Jungjäger-Set inklusive hauseigenem Zielfernrohr 3 – 12×56 mit Leuchtpunkt und Montage für 1399 Euro. Leider gibt es unterhalb der 2000-Euro-Marke keinen als Handspanner konstruierten Repetierer. Lediglich die 98er von Voere lassen sich derart umrüsten. Sonst sind Dreistellungssicherungen üblich. Das Sicherungsrad von Steyr Mannlicher macht dabei eine Fehlbedienung quasi unmöglich. Wichtig ist ein trocken stehender, vielleicht sogar einstellbarer Direktabzug (Abzugsgewichte zwischen 750 und 1000 Gramm sind ideal). Am besten vor dem Kauf probeschießen. Stecher gehören ins Museum.

 

Das Zielfernrohr

Hier sind variable Gläser mit 50er oder 56er Objektiven samt Leuchtabsehen erste Wahl und recht universell einsetzbar. Aber auch feste Vergrößerungen (6×42, 7×50, 7×56) kommen infrage und verlocken erst gar nicht dazu, den viel zu weit entfernt stehenden Jährling mit dem 12-fach-Zoom heranzuholen. Überhaupt sollten Jungjäger nicht über achtfach schießen, da sich sonst der kleinste Wackler fatal auswirken kann. Markenzielfernrohre starten um die tausend Euro. Für eine stabile Montage muss mit mindestens 200 Euro gerechnet werden. rok