Die Drückjagd gehört zu den anspruchsvollsten Jagdarten überhaupt. An keinem anderen Jagdtag treffen so viele Beteiligte, Hunde, Fahrzeuge und organisatorische Abläufe aufeinander. Der Erfolg einer Bewegungsjagd bemisst sich dabei nicht allein an der Strecke. Entscheidend sind eine unfallfreie Durchführung, waidgerechtes Handeln, tierschutzgerechte Nachsuchen und eine professionelle Organisation. Eine gelungene Drückjagd beginnt deshalb nicht am Jagdmorgen – sie beginnt bereits Monate zuvor.
Drückjagd planen: Revier frühzeitig analysieren
Bereits im Sommer sollten Revierinhaber und Jagdleiter mit den Vorbereitungen beginnen. Wildbestände werden geschätzt, Einstände beobachtet und bekannte Wechsel dokumentiert. Moderne Wildkameratechnik sowie regelmäßige Reviergänge liefern wertvolle Erkenntnisse darüber, welche Bereiche vom Wild aktuell tatsächlich genutzt werden.

Auch die Sperrung von Straßen und Wegen muss bereits im Vorfeld geplant werden. © Frederic Norheimer
Gerade Schwarzwild verändert seine Wechsel häufig in Abhängigkeit von Mastjahren, landwirtschaftlichen Kulturen oder forstlichen Maßnahmen. Wer ausschließlich auf die Erfahrungen vergangener Jahre vertraut, verschenkt wertvolle Chancen. Auch geplante Drückjagdstände sollten bereits im Sommer mehrfach kontrolliert werden, um zu beurteilen, ob der Standort tatsächlich noch den gewünschten Überblick bietet oder umgestellt werden muss.
Stände für die Drückjagd: Sicherheit und Erfolg richtig planen
Beim Bau neuer Drückjagdstände gilt ein Grundsatz: Nicht der bequemste Standort ist der beste. Drückjagdstände gehören dorthin, wo Wildwechsel zusammenlaufen und gleichzeitig ein sicherer Kugelfang gewährleistet ist. Besonders geeignet sind Hanglagen oder natürliche Geländekanten. Standorte unmittelbar an Wegen oder Forststraßen sollten dagegen kritisch hinterfragt werden, da sie erhöhte Risiken durch querende Personen oder Fahrzeuge bergen.

Hier sollte was gehen: Regelmäßige Kontrolle lohnt sich, denn die Wechsel ändern sich teils von Jahr zu Jahr. © Frederic Norheimer
Vor jeder Jagd müssen sämtliche Ansitze nach den geltenden Unfallverhütungsvorschriften kontrolliert werden. Geländer, Leitersprossen, Podeste und Auflagen müssen stabil, rutschfest und sicher benutzbar sein. Mängel dürfen niemals improvisiert, sondern müssen frühzeitig fachgerecht beseitigt werden. Ein sorgfaltspflichtwidrig nicht instand gehaltener Hochsitz kann zudem zum Entzug des Jagdscheins führen, sollte einer der Gäste verunfallen.
Schussschneisen für die Drückjagd richtig vorbereiten
Ein häufiger Fehler vieler Bewegungsjagden sind unzureichend vorbereitete Schussschneisen. Freie Schussfelder dienen nicht dazu, möglichst viele Schussmöglichkeiten zu schaffen, sondern der sicheren Wildansprache und einem verantwortungsvollen Schuss. Bereits Wochen vor der Jagd sollten Schneisen freigeschnitten und auf ausreichenden Kugelfang geprüft werden.
Hier gilt: Mehr ist mehr! Lieber großzügig freischneiden, als dass später im entscheidenden Moment wegen eines Astes nicht geschossen werden kann oder ein Stück nicht sauber getroffen wird.

Das reicht nicht: Schlecht gekennzeichnete Gefahrenbereiche führen zu vermeidbaren Unfällen. © Frederic Norheimer
Am besten positioniert sich dazu einer auf dem Hochsitz, während ein Mitjäger sich einweisen lässt und störende Äste entfernt. Straßen, Wanderwege, Gebäude, Hochsitze oder benachbarte Stände dürfen niemals im Gefahrenbereich liegen. Ebenso wichtig ist die eindeutige Kennzeichnung von Verbotszonen. Jeder Schütze muss bereits während der Einweisung genau wissen, in welche Richtungen grundsätzlich nicht geschossen werden darf.
Wildversorgung bei der Drückjagd frühzeitig organisieren
Bereits vor Jagdbeginn sollten Bergungstrupps, Aufbrechteams und Transportfahrzeuge eingeteilt werden, ebenso geeignete Wildkammern für eine hygienische Wildversorgung. Wer bereits vorab Absatzwege organisiert, verhindert Lagerzeiten und sichert die Qualität des Wildbrets. Regionale Vermarktung stärkt zugleich die Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung.
Digitale Jagd-Apps erleichtern die Organisation
Die klassische Papierkarte wird zunehmend durch digitale Revierkarten ersetzt. Moderne Jagd-Apps ermöglichen eine präzise Planung sämtlicher Drückjagdstände, Schussschneisen, Rettungspunkte und Sammelplätze. Auch Gefahrenbereiche, Nachsuchenschwerpunkte, Parkflächen oder Wildbergungswege lassen sich so dokumentieren und allen Beteiligten zur Verfügung stellen – besonders bei großen oder revierübergreifenden Jagden ein klarer Vorteil bei der Abstimmung.

Machen das Leben leichter: Revier-Apps helfen beim Einmessen der Stände, aber auch später bei der Bergung und der Nachsuche. © Frederic Norheimer
Man kann zum Beispiel im Überblick über die vergangenen Jahre exakt nachvollziehen, wer in welchem Bereich welchen Anlauf hatte und was zur Strecke kam. So werden die einzelnen Jagden dokumentiert und lassen sich auch nach Jahren noch miteinander vergleichen. Einige Apps, wie beispielsweise DIWIMA, ermöglichen auch ein Anmelden der einzelnen Stände über Geomarken. Es werden nicht nur Erleger, Erlegeort und Wildart erfasst, sondern auch, wo sich das Stück gerade befindet. Das zeigt dann nach Ende der Jagd den einzelnen Teams, wo Stücke geborgen werden müssen.
Geeignete Schützen für die Drückjagd auswählen
Nicht jeder gute Ansitzjäger ist automatisch ein geeigneter Drückjagdschütze. Eingeladen werden sollten ausschließlich Schützen, die mit Bewegungsjagden vertraut sind, ihre Waffe sicher beherrschen und sich konsequent an die Vorgaben der Jagdleitung halten.
Disziplin, Schusszurückhaltung und eine sichere Wildansprache sind wichtiger als Ehrgeiz oder Streckenstärke. Eine ausführliche Sicherheitsbelehrung vor Jagdbeginn ist deshalb unverzichtbar. Dabei müssen Schussbereiche, Verbotszonen, Wildarten, Nachsucheregeln und das Verhalten nach dem Schuss verständlich erläutert werden.
Jagdhunde bei der Drückjagd frühzeitig einplanen
Ohne leistungsfähige Jagdhunde wäre eine moderne Drückjagd kaum denkbar. Zum Einsatz kommen ausschließlich jagdlich brauchbare Hunde mit entsprechender Ausbildung und Fitness. Standschnaller müssen ruhig arbeiten, den Stand nicht unnötig verlassen und Wild sicher in Bewegung bringen – Hunde, die das nicht leisten, sollten anders eingesetzt werden. Ebenso wichtig sind erfahrene Stöberhunde, die weiträumig arbeiten, ohne Wild dauerhaft aus dem Revier zu drücken.
Wichtig dabei ist: Frühzeitig einladen! Das gilt für die Meuteführer genauso wie für Nachsuchengespanne. Viele Hundeführer planen bereits im Frühjahr und Sommer, wann sie welche Jagden besuchen. Wer erst im Oktober anfängt, die Hunde für seine Jagd einzuplanen und zu organisieren, der geht am Ende leer aus.
Nachsuche: wichtiger Bestandteil des Tierschutzes
Auch die beste Vorbereitung kann Fehlschüsse nicht vollständig verhindern. Deshalb gehört mindestens ein erfahrener Nachsuchenführer mit geprüftem Gespann fest zur Organisation jeder Drückjagd.
Die wichtigsten Akteure einer Jagd sollten auch frühzeitig informiert werden. Anschüsse sind unmittelbar nach dem Schuss sorgfältig zu markieren und der Jagdleitung zu melden. Eigenmächtige Nachsuchen durch Schützen zerstören häufig wertvolle Fährten und erschweren die Arbeit des Gespanns erheblich.
Revierübergreifende Drückjagden gemeinsam planen
Wild kennt keine Reviergrenzen – gerade Schwarz- und Rotwild nutzen großräumige Lebensräume. Revierübergreifende Bewegungsjagden ermöglichen ruhigere Abläufe, verhindern ein Ausweichen des Wildes in Nachbarreviere und fördern die Zusammenarbeit benachbarter Jäger. Wo gemeinsam geplant wird, entstehen häufig bessere Strecken.











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