Bockhege im Frühjahr

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Die Flinte kracht, die Ente fällt und der Hund apportiert. Die letzte Kreatur in diesem Jagdjahr. Aber das Jägerhirn schläft nie, und auch meins stürzt sich gleich auf den nächsten Dopamin-Garanten: die Bockjagd. Direkt vor mir ist aber die Bockhege.

Denn besonders im Frühjahr können wir dem Rehwild helfen, Kraft für die Anstrengungen des neuen Jahres zu sammeln. Fokko Kleihauer hat sich bei dem Berufsjäger seines Vertrauens informiert, was jetzt zu tun ist.

Masse und Klasse in der Bockhege

Wer den braven Bock jagen will, muss Zeit und Aufwand in die Bockhege stecken. Wir zeigen, was dem Rehwild im Frühjahr zu einem guten Start verhilft.

© Eirik Olsen

Oberstes Ziel muss es sein, das Wildbretgewicht des Bestands zu steigern. Umso kräftiger das Reh, umso mehr Energie kann der Bock für den Aufbau einer starken Trophäe oder die Ricke zur Entwicklung kräftiger Kitze nutzen.

Kräftiges Rehwild ist widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Parasiten, und auch ein harter Winter lässt sich sehr viel besser aushalten, wenn die Winterdecke einen starken Körper bedeckt.

Viel Zeit bleibt uns dafür nicht. Ab April bis zur Blattzeit muss viel Masse aufgebaut werden. Während der Brunft verliert der Bock wieder zwei bis drei Kilogramm. Das Spiel beginnt danach von neuem, bis Ende September versuchen die Rehe wieder, Gewicht zuzulegen.

Es ist also wichtig, schon im Frühjahr dem Rehwild die Möglichkeit zu bieten, ihr Gewicht zu erhöhen. Im Frühjahr dienen vor allem Knospen dem Rehwild zum Aufbau von Körpergewicht. Während Förster um jedes Buchenbäumchen bangen und Kilometer an Zaun durch ihren Wald ziehen, sollten wir Jäger das Gegenteil tun.

Gourmetküche für das Rehwild

Wer den braven Bock jagen will, muss Zeit und Aufwand in die Bockhege stecken. Wir zeigen, was dem Rehwild im Frühjahr zu einem guten Start verhilft.

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Rasch wachsende Bäume wie Weide oder Pappel nehmen wir oft nur am Rand wahr. Zu Unrecht! Aus beiden lässt sich ohne viel Arbeit ein Steckling fertigen. Einfach einen dünnen Ast abtrennen und an einer feuchten Stelle im Revier in den Boden stecken. Das Gleiche gilt für Besenginster, Holunder oder für Weißdorn. Am sinnvollsten ist es natürlich, gleich mehrere Stecklinge zu pflanzen.

So entsteht ein regelrechter Verbiss-Garten. Die dichten, buschartigen Bäume bilden gleichzeitig einen Einstand und liefern wertvolles Protein im Überfluss. Alle zwei Jahre kappt man den Busch bis kurz vor den Boden runter. Sonst wachsen die Bäume über die Häupter der Rehe hinweg und werden uninteressant.

Besonders in Revieren mit hohem Waldanteil und/oder wenig buschigen Einständen ist solch ein Verbiss-Garten interessant. Forscher konnten nachweisen, dass Rehböcke in Waldrevieren geringere Wildbret- und Gehörngewichte aufweisen als solche in Mischrevieren (Janiszewski et al. 2009). Hochwälder mit dichten Baumkronen unterliegen dem intensiven Management des Forstes und bieten nur wenig Unterwuchs, also auch wenig gute Äsung. 

Territorien fürs Rehwild schaffen

Wer den braven Bock jagen will, muss Zeit und Aufwand in die Bockhege stecken. Wir zeigen, was dem Rehwild im Frühjahr zu einem guten Start verhilft.

© Pixabay. Jetzt im Sommer ist es schon zu spät. Der Bock schreckt – wahrscheinlich weil er ohne Sichtschutz schon von weither den Fotografen eräugt hat.

An den Randbereichen bietet es sich also an, eine Übergangszone mit Stecklingen anzulegen. Neben der Äsung entsteht so eine Sichtschutzwand. Als stressempfindliches Wild sind weite, einsehbare Flächen ein weiterer Faktor, der Rehwild Kraft kostet.

Der neue Sichtschutz verkleinert das Gebiet, über das das Rehwild den Überblick behalten muss. Dafür eignen sich neben zuvor genannten Pflanzen auch Weidenhütchen, Holunder, Hasel, Wildbirne und -apfel. Das hilft ferner auch dem angrenzenden Wald. Vögel, die in der neuen Buschreihe ihr Zuhause finden, bekämpfen lästige Rindenschädlinge wie den Kupferstecher oder Borkenkäfer.

Vorbereitungen des Wildackers

Wer den braven Bock jagen will, muss Zeit und Aufwand in die Bockhege stecken. Wir zeigen, was dem Rehwild im Frühjahr zu einem guten Start verhilft.

© Niklas Scharffetter

Weniger ist manchmal mehr in der Bockhege – auch bei Wildäckern. Rehwild braucht keine riesigen Schläge, sie müssen nur sinnvoll verteilt sein. Ein 500-Quadratmeter-Acker pro Rehwildeinstand reicht völlig aus. Nun einfach eine Wildackermischung einzudrillen, ist allerdings nicht zielführend.

Je nach der Beschaffenheit des Bodens kann man so mehrere hundert Euro in den Sand setzen, wenn die Äsungspflanzen nicht sprießen. Also auf zum nächsten Landhandel und eine Bodenanalyse in Auftrag geben!

Bereits für nicht mehr als 20 Euro erfährt man alles wichtige über sein Flurstück. Bodenbeschaffenheit, pH-Wert, Kalium- oder Phosphorversorgung. Die meisten Analysen geben sogar eine Düngerempfehlung speziell für Wildackermischungen.

Je nach Ergebnis kann nun der pH-Wert mit Kalk erhöht und wichtige Nährstoffe dem Boden hinzugefügt werden. Für das Rehwild sind zum Beispiel  Buchweizen, Luzerne, Platterbse, Rotklee und Perserklee interessant. Sobald die Bodentemperatur um die acht Grad Celsius liegt und es nachts keinen Frost mehr gibt, kann gesät werden. Wichtig für ein Gelingen des Ackers ist das sorgfältige Anwalzen nach dem Drillen. So wird ein guter Bodenschluss für die Samen garantiert.