Damwild richtig bejagen: Auf diese Strategie kommt es an

Damwild richtig und nachhaltig zu bejagen, ist keine einfache Sache. Wie es funktionieren kann, erklärt Patrik Bollrath.

Damtier mit Kalb

Ein einzelnes Kalb mit Alttier bietet die besten Chancen für eine Dublette. © Sven-Erik Arndt

Damwild ist in deutlich mehr Revieren vorzufinden als Rotwild, daher bejagen es in Deutschland deutlich mehr Jäger. Dadurch, dass es viel sichtbarer ist als Rotwild, hat es meist den Ruf, etwas naiv zu sein.

Damwild ist jedoch genau wie Rotwild extrem lernfähig und stellt sich schnell auf Gefahren ein. Zur Vermeidung dieser meidet es Flächen, auf welchen es schlechte Erfahrungen gemacht hat, oder verlagert seine Aktivität in die Dunkelheit.

Wie lässt sich Damwild richtig bejagen?

Mit Kahlwildbejagung meine ich die Bejagung von Kälbern beiderlei Geschlechts, Schmaltieren sowie Alttieren. Den Alttieren kommt eine Schlüsselrolle zu, da über die Anzahl der Alttiere, die erlegt werden, der Bestand maßgeblich beeinflusst bzw. reguliert wird oder eben nicht. Die Bejagung der Hirsche und Spießer hat auf den Bestand keinen maßgeblichen Einfluss. Wir erlegen Schmaltiere zu über 80 % im Mai. Zu dieser Zeit sind sie am besten und sichersten anzusprechen. Je weiter das Jahr voranschreitet, desto schwieriger wird es und die Verwechslung mit einem jungen, führenden Tier wird tendenziell immer größer.

Der entscheidende Punkt ist die Bejagung der Alttiere und der Kälber. Dies ist wohl auch der schwierigste Part. In vielen Damwildrevieren steht man Jahr für Jahr vor dem Problem, dass der Abschuss der Schmaltiere und Kälber relativ schnell erfüllt ist oder erfüllt werden kann, jedoch am Ende des Jahres nur 10 % der auf dem Abschussplan stehenden Alttiere erlegt wurden. Geschieht dies über mehrere Jahre, vergrößert sich der Bestand immer weiter, da die Zuwachsträger, sprich Alttiere, nicht angerührt werden.

Jaeger und Damwild auf der Drückjagd

Große Rudel auf der Drückjagd machen die Erlegung von Kalb und zugehörigem Tier nahezu unmöglich! © Sven-Erik Arndt

Wie gelingt die Bejagung von Alttieren?

Ein Alttier kann nur geschossen werden, wenn zuvor das Kalb erlegt wurde. Derjenige, der nur ein Alttier schießt, begeht in den meisten Fällen eine Straftat, da es sich in der Regel um ein führendes Stück handelt. Insbesondere zu Beginn der Jagdzeit im September.

Der Anteil der Alttiere, die aus Altersgründen kein Kalb mehr führen, ist in gesunden Beständen verschwindend gering. Auch zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr ist die Erlegung einzelner Alttiere kritisch zu betrachten. Wirklich sicher sein, ob das Stück führt oder nicht, kann man nur, wenn man zuvor das Kalb erlegt hat.

Warum der September entscheidend ist

Gerade zu Beginn der Jagdzeit sind die Kälber noch klein und viele Jäger scheuen sich, ein solches Kalb zu erlegen. Wenn man sich jedoch bewusst macht, dass es in erster Linie um das Alttier geht, welches erlegt werden soll, so ist das Kalb nur der saubere Weg dorthin. Das Kalb ist, auch wenn es nur 13–14 kg wiegt, genauso verwertbar. Ein Schmalreh ist ebenso schwer und wird auch bedenkenlos verwertet.

Die Dublette gelingt im September so einfach wie sonst im ganzen Jagdjahr nicht mehr. Die Bindung zwischen Tier und Kalb ist zu diesem Zeitpunkt noch am größten. Auch wenn das Alttier nicht unmittelbar nach dem Schuss auf das Kalb erlegt werden kann, wird es zurückkommen, um das Kalb zu suchen, und kann dann auch einige Zeit später erlegt werden.

Lässt sich eine Dublette gezielt planen?

In gewisser Weise schon. Es gibt Sitze, auf welchen sich eine Dublette von vornherein ausschließt. Enge Schneisen oder Sitze mit wenig Übersicht und Schussfeld machen die Dublette meist von vornherein zu einem aussichtslosen Unterfangen. Im Feld sowie im Wald ist ein ausreichendes Schussfeld vonnöten, um überhaupt eine realistische Chance zu haben.

Meist springt das Alttier nach dem Schuss ab und verharrt nach einigen Metern oder vor der Waldkante noch einmal. Dann gilt es zu handeln. Springt es von der Schneise jedoch sofort in die nächste Dickung und verhofft dort für uns unerreichbar, haben wir wenig gewonnen. Es macht also durchaus Sinn, die Sitze vorher zu klassifizieren und sich gezielt auf die zu setzen, von denen eine Dublette überhaupt möglich ist.

Damwild bejagen und gezielt von Schadflächen fernhalten

Auch macht es wenig Sinn, aus einem größeren Rudel ein Kalb zu erlegen. Das Rudel wird in der Regel sofort abspringen und das Alttier mitnehmen. Auch ist es kaum möglich und eher fahrlässig, das vermeintliche Alttier aus dem Rudel zu erlegen. Die einzige Situation, in der es sinnvoll ist, ein Kalb oder Schmaltier aus einem Rudel zu erlegen, ist auf Flächen, die als Schadflächen eingestuft sind. Auf landwirtschaftlichen Kulturen oder Verjüngungsflächen im Wald kann die Erlegung aus dem Rudel gezielt zur Vergrämung eingesetzt werden.

In der Wissenschaft wird dies als „Landscape of Fear“ betitelt. Auf Deutsch bedeutet dies „Landschaft der Angst“, welche nicht nur durch eine oder mehrere Erlegungen entsteht, sondern auch durch die ständige Präsenz des Jägers, wenn dieser oft an einer solchen Fläche sitzt. Durch die Lernfähigkeit des Damwildes kann man dieses so gezielt von Flächen fernhalten, auf welchen es zu Schaden geht. Rehe beispielsweise haben auch aufgrund der nicht vorhandenen Rudelstruktur ein weniger ausgeprägtes Lernverhalten und müssen daher tatsächlich überwiegend auf solchen Flächen erlegt werden.

Damwilddublette

Klappt es mit der Dublette, so ist dies die störungsärmste Form der Kahlwildbejagung. © Patrik Bollrath

Was entscheidet über eine erfolgreiche Dublette?

Soll die Dublette klappen, ist die beste Kombination, wenn tatsächlich nur Alttier und Kalb auftauchen bzw. Alttier, Schmaltier und Kalb. Alle größeren Verbände erschweren eine Dublette unnötig. Weiter ist es wichtig, dass das Kalb an Ort und Stelle liegt und nicht im direkten Sichtbereich des Alttieres zusammenbricht. Das bedeutet: Im besten Falle steht das Kalb einige Meter hinter dem Alttier und bricht im Schuss sofort zusammen.

Das Alttier braucht dann einige Sekunden, um die Situation zu verstehen, welche wir für den zweiten Schuss nutzen können. Fängt das Kalb jedoch nach 5 bis 10 Sekunden an zu schlegeln, wird das Alttier „verstehen“, was passiert ist, und zunächst abspringen. Es gilt also schnell, aber nicht überhastet zu handeln. Ist ein Schmaltier in dem Verbund anwesend, sollte dies als Letztes erlegt werden. Meist wird dies nach dem zweiten Schuss jedoch flüchten. Eine Triplette gelingt meist nur durch Zufall.

Damwild bejagen, ohne es nachtaktiv zu machen

Zum Schluss gilt es noch einmal hervorzuheben, dass dies nicht die schönste, jedoch die sauberste und somit weidmännischste Art ist, das Kahlwild zu bejagen. Man hinterlässt keine Zeugen, trauernde Alttiere oder verwaiste Kälber (Straftat). Ziel muss es also sein, sich vorher genügend Gedanken zu machen, wie dies am besten geschehen kann. Schießt man einfach fleißig die Kälber aus den Rudeln, hat man nach kurzer Zeit sehr schlaues und nachtaktives Damwild und hat den Alttierabschuss in unerreichbare Ferne geschoben.

Es ist nicht immer der einfachste Weg, aber sicherlich der wildbiologisch beste. Die Zurückhaltung wird mit tagaktivem Wild und einem gesunden Alttier-Kalb-Verhältnis gedankt. Dass diese Jagd nicht für jeden Jäger die jagdliche Erfüllung bietet, ist nachvollziehbar. Jedoch ist sie zwingend notwendig, wenn es um die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Damwildbestände geht.