Wie alt wird der Fuchs? Ein Überlebenskünstler im Porträt

Kaum ein heimisches Wildtier ist so anpassungsfähig wie der Rotfuchs. Er lebt in Wäldern und offenen Landschaften, hat aber längst auch Dörfer und Großstädte für sich entdeckt. Dabei kommt ihm vor allem zugute, dass er weder bei seinem Lebensraum noch bei seiner Nahrung besonders wählerisch ist.

Drei Rotfuchs Junge

Wie alt ein Rotfuchs wird, hängt stark von seinen Lebensbedingungen und den Einflüssen seiner Umwelt ab. © Sven-Erik Arndt

Doch wie alt wird unser Fuchs eigentlich? Was frisst er, wie groß ist sein Streifgebiet und wie lebt er? In freier Wildbahn werden Füchse im Durchschnitt etwa zwei bis drei Jahre alt. Unter günstigen Bedingungen können einzelne Rotfüchse jedoch ein Alter von zehn bis zwölf Jahren erreichen. Dabei muss zwischen der durchschnittlichen Lebenserwartung einer Population und dem möglichen Höchstalter einzelner Tiere unterschieden werden.

Wie alt der Fuchs tatsächlich wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Neben genetischen Voraussetzungen beeinflussen vor allem Nahrungsverfügbarkeit, Krankheiten und Parasiten sowie Konkurrenz und menschliche Einflüsse seine Lebensdauer. Besonders für Jungfüchse ist die Sterblichkeit hoch. Ein Alter von zehn Jahren oder mehr bleibt in freier Wildbahn deshalb die Ausnahme.

Wo lebt der Rotfuchs?

Der Rotfuchs besiedelt sehr unterschiedliche Lebensräume. Er kommt sowohl in Wäldern und offenen Landschaften als auch in landwirtschaftlich geprägten Gebieten vor. Selbst vom Menschen stark veränderte Landschaften bieten ihm geeigneten Lebensraum. Als Kulturfolger hat er zudem Dörfer und Städte für sich erschlossen.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in Europa: Während Füchse in Londoner Vororten bereits in den 1930er-Jahren beschrieben wurden, wurde das Phänomen der Stadtfüchse auf dem europäischen Festland insbesondere seit den 1980er-Jahren beobachtet. Mittlerweile kommen Rotfüchse in zahlreichen europäischen Großstädten vor.

Warum fühlt sich der Fuchs auch in Städten wohl?

Städtische Lebensräume können Füchsen auf vergleichsweise kleinem Raum Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten bieten. Entsprechend können dort hohe Populationsdichten entstehen. Untersuchungen aus britischen Städten beschrieben beispielsweise Dichten von zehn und mehr erwachsenen Füchsen pro Quadratkilometer. Solche Werte liegen deutlich über den Dichten, die aus vielen Kultur- und Naturlandschaften bekannt sind.

Dabei können sich eigenständige Stadtfuchspopulationen entwickeln, die kaum Kontakt zu Füchsen aus der freien Landschaft haben. Die Fähigkeit, auch stark vom Menschen geprägte Lebensräume zu nutzen, trägt wesentlich zum Erfolg des Rotfuchses bei.

Fuchs in Stadt

Der Rotfuchs ist in Wäldern, offenen Landschaften und sogar mitten in Städten zu Hause. © Sven-Erik Arndt

Wie groß ist das Revier eines Fuchses?

Wie groß das Revier beziehungsweise Streifgebiet eines Rotfuchses ist, hängt stark vom Lebensraum und den dort verfügbaren Ressourcen ab. Die Unterschiede können enorm sein. In Untersuchungen reichten die Streifgebiete von weniger als 20 Hektar bei Stadtfüchsen bis zu rund 2.000 Hektar in naturnahen Wäldern Kanadas. Für Mitteleuropa werden außerhalb von Städten Größenordnungen von etwa 50 bis 500 Hektar als realistisch beschrieben.

Grundsätzlich gilt: In vom Menschen beeinflussten Lebensräumen mit einem guten Nahrungsangebot können Füchse häufig auf kleineren Flächen leben. In naturnäheren und nahrungsärmeren Gebieten müssen sie dagegen größere Gebiete nutzen.

Lebt der Fuchs allein oder in Gruppen?

Der Rotfuchs gilt nicht als klassisches Rudeltier. Sein Sozialverhalten ist allerdings komplexer, als die einfache Bezeichnung „Einzelgänger“ vermuten lässt. So gibt es Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Tieren. Rüden können gegenüber anderen männlichen Füchsen Territorialverhalten zeigen, während innerhalb ihres Gebietes mehrere weibliche Tiere geduldet werden können. Bei Fähen können sich die genutzten Gebiete zudem deutlich überschneiden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Tiere dauerhaft gemeinsam unterwegs sind. Außerhalb der Fortpflanzungszeit nutzen Füchse überlappende Gebiete häufig zeitlich getrennt. Gemeinsames Beutemachen oder das gemeinsame Aufsuchen von Tagesruheplätzen ist daher nicht charakteristisch.

Was frisst der Fuchs?

Der Rotfuchs ist ein ausgeprägter Nahrungsgeneralist. Was auf seinem Speiseplan steht, hängt stark davon ab, welche Nahrung in seinem Lebensraum und zur jeweiligen Jahreszeit verfügbar ist. Zum Nahrungsspektrum können unter anderem gehören:

  • Mäuse und andere Nagetiere
  • Hasenartige
  • Vögel und deren Gelege
  • Jungtiere verschiedener Säugetiere
  • Insekten und andere Wirbellose
  • Aas
  • Früchte und Beeren

Die Zusammensetzung seiner Nahrung kann sich im Jahresverlauf deutlich verändern. Während Zeiten mit hoher Mäusedichte können beispielsweise Nagetiere einen großen Anteil ausmachen. Zu anderen Zeiten gewinnen andere Nahrungsquellen an Bedeutung. Eine pauschale Aussage wie „Füchse ernähren sich hauptsächlich von Mäusen“ greift deshalb zu kurz.

Ist der Fuchs ein Allesfresser?

Der Fuchs nimmt sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung zu sich. Biologisch gehört er jedoch zu den Raubtieren. Tierische Nahrung spielt in seinem Nahrungsspektrum eine zentrale Rolle, während Früchte und Beeren vor allem saisonal genutzt werden.

Bei der Nahrungssuche verhält sich der Rotfuchs opportunistisch. Er nutzt also das Angebot, das ihm sein jeweiliger Lebensraum bietet. Dieses breite Nahrungsspektrum ermöglicht es ihm, auf jahreszeitliche Veränderungen und ein wechselndes Nahrungsangebot zu reagieren.

Wie vermehrt sich der Fuchs?

Während der Fortpflanzung und insbesondere bei der Aufzucht der Welpen verändert sich das Verhalten des Rotfuchses. Die Fähe sucht dann verstärkt im Umfeld des Aufzuchtbaus nach Nahrung. Ihr Energiebedarf steigt in dieser Zeit deutlich, sodass das Gebiet rund um den Bau intensiv nach geeigneter Beute abgesucht wird.

Auch die Zahl der Welpen kann von den Lebensbedingungen und der Fuchsdichte beeinflusst werden. Für Kulturlandschaften werden durchschnittlich etwa 4,2 bis 4,7 Welpen je Fähe beschrieben. Wie viele Jungfüchse tatsächlich heranwachsen, hängt wiederum von zahlreichen Umweltfaktoren ab.

Welche natürlichen Feinde hat der Fuchs?

Auch der Rotfuchs steht nicht an der Spitze der Nahrungskette. Größere Beutegreifer wie Wolf und Luchs können ihm gefährlich werden und zugleich mit ihm um Nahrung konkurrieren. Wo solche Arten vorkommen, können sie deshalb auch Einfluss auf die Fuchsdichte nehmen.

Wie stark dieser Einfluss ausfällt, hängt vom jeweiligen Ökosystem ab. Neben direkten Verlusten durch größere Beutegreifer kann auch die Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum eine Rolle spielen.

Welche Krankheiten und Parasiten kommen beim Fuchs vor?

Wie andere Wildtiere können auch Rotfüchse von verschiedenen Krankheiten und Parasiten betroffen sein. Besonders bekannt sind Tollwut, Fuchsbandwurm und Räude. Die Tollwut hatte historisch einen erheblichen Einfluss auf Fuchspopulationen. Durch die flächendeckende orale Immunisierung der Füchse verlor die Krankheit in Mitteleuropa jedoch stark an Bedeutung.

Beim Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) fungiert der Rotfuchs als Endwirt. Auch andere Tiere können an der Verbreitung des Parasiten beteiligt sein. Die Räude ist ebenfalls eine bekannte Erkrankung des Rotfuchses. Sie kann deutliche Veränderungen von Haut und Fell verursachen und betroffene Tiere erheblich schwächen.

Warum ist der Rotfuchs so anpassungsfähig?

Der Erfolg des Rotfuchses beruht vor allem auf seiner großen Flexibilität. Er ist weder auf einen bestimmten Lebensraum noch auf eine einzelne Beuteart angewiesen. Verändert sich das Nahrungsangebot, kann er auf andere Ressourcen ausweichen. Auch vom Menschen umgestaltete Landschaften kann er für sich nutzen.

Sein flexibles Nahrungs-, Raum- und Sozialverhalten macht ihn zu einem erfolgreichen Kulturfolger. Vom ländlichen Raum bis mitten in die Großstadt findet der Rotfuchs Lebensräume, in denen er Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten findet.