Genau 20 Jahre ist es her, dass ich meine erste Nilgans in Deutschland als „Beifang“ bei der Krähenlockjagd erlegt habe. Dies war direkt nachdem Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland für die Nilgans eine Jagdzeit festgelegt hatte. Seitdem habe ich dieser besonderen Gänseart in vielen Bundesländern mit allen gängigen Jagdmethoden nachgestellt. Dabei habe ich schnell gelernt, wer Nilgänse effektiv bejagen will, kommt an der Lockjagd nicht vorbei. Sie sind im Vergleich zu den anderen Gänsearten mithilfe eines Lockbildes viel leichter zu überlisten und die Strecken fallen oft deutlich größer aus.
Meine jagdliche Erfolgsquote liegt mit 50 Prozent so hoch wie bei keiner anderen Gänseart. Das heißt, wenn ich am Vortag auf der bejagten Fläche 100 Nilgänse gezählt habe, erlegen wir durchschnittlich 50 Tiere am Jagdtag. Dies liegt neben der im Mittel geringen Individuenzahl im anfliegenden Schof insbesondere daran, dass sie viel niedriger aufs Lockbild zustehen als es beispielsweise Graugänse tun. Somit sind sie bereits beim ersten Anflug oft auf Schrotschussentfernung und der ganze Schof kann sicher erlegt werden.

Je mehr Gänse auf der Fläche bestätigt wurden, desto mehr Lockvögel sollte man einsetzen. © Sven Lübbers
So finden Sie den besten Platz für die Nilgansjagd
Der wichtigste Schritt ist es, den Hauptäsungsplatz im Revier zu finden. Nilgänse lassen sich manchmal auch an Flugrouten mit Lockbild erfolgreich bejagen, aber die größten Strecken sind am Äsungsplatz zu erzielen. Es gilt die Regel: „Je mehr Nilgänse an einer Stelle anzutreffen sind, desto größer sind die Erfolgschancen am Jagdtag“.
Im Sommer und Herbst sind meist Getreide- und Maisstoppel die bevorzugten Aufenthaltsorte. Später im Jahr wechseln sie auf Raps, Grünland, frisch eingedrillte Flächen oder auch an Offensilos. Wo erlaubt, lassen sich Nilgänse auch sehr gut ankirren. Wenn nur sehr wenige Vögel auf dem Feld äsen und sich der Aufwand für die Lockjagd kaum lohnt, ist deshalb das Kirren mit Mais einen Versuch wert. Grundsätzlich achte ich bei der Standplatzwahl auch darauf, dass ich nicht zu nah am Schlafgewässer jage. Hier kommen oft nur wenige gute Anflüge, weil die auf dem Wasser sitzenden Gänse durch die ersten Schüsse gewarnt werden.

Bei solchen Mengen bringt der Einzelabschuss nichts. Die Lockjagd ist das Mittel der Wahl. © Sven Lübbers
Wo ist man in der Nilgans-Jagdzeit am erfolgreichsten?
Wenn die richtige Stelle gefunden wurde, warte ich noch mit der Jagd, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Am Tag nach der Erkundungstour durchs Revier fahre ich frühmorgens an die ausgesuchte Fläche und warte versteckt auf die ersten Gänse. Dabei achte ich auf die Hauptanflugrichtung, die Ankunftszeiten und insbesondere die Stelle, wo die ersten Gänse einfallen. Genau dort wird am nächsten Morgen das Lockbild aufgebaut.
Nach meiner Erfahrung kommen nur hier die meisten Schofe perfekt aufs Lockbild. Im Sommer lohnt auch ein Blick abends auf den Hauptäsungsplatz, weil die Nilgänse dann meist nochmals Nahrung aufnehmen. Wenn die Schofe im Vergleich zu morgens über einen längeren Zeitraum zustehen und die Anzahl der Gänse nicht geringer ist, jage ich lieber am Abend. Bei Stoppelflächen erfolgt noch eine Absprache mit den Landwirten, um ein mögliches Umbrechen der Fläche vor der Jagd zu verhindern.

Halbschalen, FUDs, Vollkörper von Nil- und Graugans – für das Lockbild ist alles möglich. © Sven Lübbers
Darauf kommt es bei der Tarnung an
Nilgänse fallen zum Äsen morgens meist erst in der Feldmitte ein, wo sie freie Sicht haben. Hier muss das Versteck möglichst flach sein, um wie ein Teil des Feldes zu wirken. An solchen Stellen hat sich die Gänseliege (ab 170 € im Handel erhältlich) als beste Tarnoption bewährt. In die Liegen muss unbedingt, angepasst an die Umgebung, noch natürliches Tarnmaterial, wie Stroh eingearbeitet werden. Diese Arbeit sollte schon am Vortag erledigt sein. Als zusätzliche Tarnung nutzen alle Jäger noch eine Maske, um ihr helles Gesicht optimal zu tarnen.
Im Handel gibt es zahlreiche speziell für die Nilgans entwickelte Lockvogelmodelle in verschiedenen Varianten. Von den faltbaren FUDs (Fold Up Decoys) über Silhouetten und Windsocks, bis hin zu Vollkörperplastikgänsen ist fast alles erhältlich. Was fehlt, sind realistisch beflockte Nilgansattrappen, die sich bei der Grau- und Kanadagansjagd als das Nonplusultra erwiesen haben. Außerdem sind oft zu viele weiße Farbanteile auf den angebotenen Nilganslockvögeln.
So ist die Jagdzeit auf die Nilgans erfolgreich
Wenn Nilgänse auf dem Feld sitzen, ähneln sie äsenden Graugänsen. Die großen weißen Spiegel auf den Schwingen sind dann nämlich oft eingeklappt und kaum zu erkennen. Deshalb verwende ich auch bei der Nilgansjagd die hochwertig beflockten Graugansattrappen der dänischen Firma DK Wai (6er-Set ab 230 €). Sie sind zwar teurer, funktionieren aber deutlich besser und langfristiger als andere Lockgansmodelle. Wer sich für andere Lockvögel entscheidet, kauft meist zweimal.
Über die Anzahl der Lockvögel entscheidet bei mir die Regel: Je schlechter die Tarnmöglichkeiten, je mehr Jäger mitmachen und je mehr Gänse am Vortag auf der Fläche waren, desto größer muss das Lockbild sein. Man muss nämlich wissen, dass die Gänseattrappen nicht nur zum Anlocken dienen, sondern auch zum Ablenken von den Verstecken der Jäger.
Wie steht das Nilgans-Lockbild richtig?
Im Durchschnitt arbeite ich bei Nilgänsen je nach Ausgangssituation mit 10-50 Lockvögeln. Bei kleineren Lockvogelanzahlen sind die Attrappen wolkenartig vor den Gänseliegen aufgebaut. Bei großen Lockbildern bevorzuge ich den Aufbau in U-Form, weil Neuankömmlinge gerne freie Bereiche des Feldes neben bereits eingefallenen Artgenossen nutzen. Die Gänseliegen sind im unteren Bereich versteckt, um unter Ausnutzung des Rückenwindes, die gegen den Wind langsam einfallenden Vögel von vorne beschießen zu können.
Der Aufbau des Lockbildes und das Wegfahren der Transportfahrzeuge muss entsprechend der Beobachtungen des Vortages rechtzeitig beendet sein, damit die Gänse nicht gewarnt werden. Nichts ist schlimmer, als wenn die Jäger noch mit den Vorbereitungen beschäftigt sind und die ersten Vögel bereits heranstreichen. Nilgänse streichen zum Teil sehr früh zu ihren Äsungsplätzen, deutlich vor allen anderen Gänsearten.
Während der Jagdzeit auf die Nilgans jede Chance nutzen
Häufig hat man schon im ersten Dämmerlicht hervorragende Anflüge. Das sich hartnäckig haltende Gerücht, die ersten Gänse seien Späher und sollten nicht erlegt werden, kann ich nicht bestätigen. Jede Chance sollte genutzt werden. Bei der Jagd am Hauptäsungsplatz verzichte ich meist auf den Einsatz eines Lockers, weil Nilgänse bei der Nahrungsaufnahme wenig ruffreudig sind.
Zurzeit gibt es im Handel auch nur einen Nilganslocker, der unter dem Begriff „Egyptian Hammer“ ab ca. 45 Euro angeboten wird. Mit diesem Locker lassen sich nach einiger Übung zumindest die schrill schnatternden Rufe der weiblichen Nilgans nachmachen. Das heisere Zischen der Ganter lässt sich hiermit nicht imitieren.

Die junge Nilgans (links) mit bräunlichem Scheitel hat keine dunklen Flecken auf der Brust und um die Augen. Die ältere Nilgans (rechts) hat einen weißlich-hellen Scheitel und dunkle Flecken auf der Brust und um die Augen. © Sven Lübbers
Darauf müssen Gänsejäger achten
- Ich bevorzuge eine Selbstladeflinte bei der Gänselockjagd, weil ein schneller dritter Schuss gewährleistet ist und das Nachladen in den Gänseliegen deutlich erleichtert wird. Grundsätzlich ist aber jede Flinte geeignet.
- Die Vögel kommen bei der Lockjagd häufig sehr dicht auf unter 30 Meter an die Jäger heran. Ich verwende aus diesen Gründen Schrotstärken zwischen 2,7 bis 3,5 Millimeter und offenere Chokebohrungen (Viertel- bis Halbchoke).
- Wer im 100 Meter Umkreis von Feuchtgebieten jagt, muss die REACH-Verordnung (EU 2021/57) beachten und darf nur bleifreie Munition verwenden.
- Beim Einsatz von Stahl (Weicheisen) sollte man daran denken, ein bis zwei Schrotstärken größer zu schießen.
Ich jage im Durchschnitt mit drei bis sechs Jägern, weil der Auf- und Abbau deutlich schneller geht und die Ausbeute beim Anflug von größeren Schofen steigt. Im Vorfeld werden die genauen Schusskorridore abgesprochen und Sicherheitsregeln festgelegt. Niemals darf in Richtung des Mitjägers angeschlagen werden. Der erfahrenste Lockjäger gibt das Kommando zur Schussabgabe.

Beide zufrieden: Spannende Jagd, reiche Beute, gutes Wildbret und etwas für den Artenschutz getan. © Sven Lübbers
Nilgans-Jagdzeit: So wird das Federwild verwertet
Wurde ein Schof beschossen, werden die erlegten Tiere so schnell wie möglich von den beteiligten Jägern geborgen und versteckt. Geflügelte Gänse müssen umgehend von den mitgeführten Hunden nachgesucht, und ggf. mit einer Genickzange erlöst werden. Um die empfindlichen Hundeohren vor dem Schussknall zu schützen, kommen entweder spezielle Hundeschirme oder ein Hundegehörschutz zum Einsatz.
Die wichtigste Motivation zur Nilgansjagd ist für mich die Nutzung der schmackhaften Vögel in der eigenen Küche. Nilgänse lassen sich entgegen manchmal geäußerter Vorurteile hervorragend verwerten. Sie können aber ein hohes Alter erreichen. Für die Verwendung als Bratengans sollte man daher vorher das Alter ermitteln und nur jüngere Exemplare verwenden.












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