Der Landesjägertag NRW in Salzkotten lieferte die wohl konkreteste Ansage des Jahres zum Wolf: DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke skizzierte, wie es in Niedersachsen ab dem 1. Juli mit der Entnahme losgehen soll. Daneben prägten die Afrikanische Schweinepest und die ehrenamtlichen Leistungen der Jägerschaft den Tag.
Ab 1. Juli: Dammann-Tamke kündigt scharfes Wolfsmanagement an
Zum 1. Juli soll in Niedersachsen der Managementplan stehen, so Dammann-Tamke. Bei Nutztierrissen sei künftig innerhalb von 24 Stunden ein Sofortabschuss auch unter Einsatz von Technik vorgesehen, dazu definierte Interventionsgebiete, um Nutztiere zu schützen. Seine klare Forderung: Die sieben Rudel, die in Niedersachsen für den Großteil aller Risse verantwortlich seien, müssten entnommen werden. Gerade am Anfang rechne er mit einer guten Erfolgsquote – schlicht, weil die Wölfe bislang kaum scheu seien.
Dabei geht es nicht darum, den Wolf auszurotten. Im Gegenteil, es sollen vor allem Tierhalter und Bevölkerung entlastet und geschützt werden. Auch Fälle wie die des Wolfs, der plötzlich am Jungfernstieg mitten in Hamburg auftauchte, gehörten damit der Vergangenheit an.
Und auch der Eingriff in die Jungendklasse soll beim Wolf, wie übrigens auch bei allen Schalenwildarten, bald möglich werden.
Podiumsdiskussion zum Wolf in NRW

LJV-Präsidentin Nicole Heitzig sprach sich für eine bessere Kommunikation mit Freizeitnutzern in den ASP-Kerngebieten sowie die konsequente Umsetzung des Schutzmaßnahmen aus. Foto: Kim Trautmann
Wie aktuell das Thema auch westlich der Landesgrenze ist, zeigte eine eigene Podiumsdiskussion zum Wolf in NRW. Dass die Diskussion bei Themen des ländlichen Raums in der urbanen Bevölkerung mehr als emotional aufgeladen ist, hatte LJV-Präsidentin Nicole Heitzig zuvor am eigenen Leib erfahren: Nach kritischen Äußerungen gegenüber der Westfalenpost, wonach die ASP-Sperrzonen auch bei der Freizeitnutzung eingeschränkt werden müssten, erhielt sie Morddrohungen.
ASP: Heitzigs eindringlicher Appell
Den Schwerpunkt vieler Wortbeiträge bildete die Afrikanische Schweinepest. Heitzig lobte die hohe ehrenamtliche Bereitschaft der Jäger, die neben dem Beruf teils fünf- oder sechsmal die Woche nachts Schwarzwild bejagen – und kritisierte scharf, wer dies als „Hobby“ abtue. Ebenso deutlich monierte sie, dass die ASP-Bestimmungen in der Kernzone nahezu nur von der Jägerschaft eingehalten würden, während Freizeitaktivitäten und sogar ein Musikfestival mit 50.000 Besuchern weiterliefen.
Ihr Dank galt der Suchhundestaffel, den Zaunbauern, dem Haus Sayn-Wittgenstein und Wald und Holz NRW. Die ASP lasse sich weder durch Zäune allein aufhalten noch vom Ehrenamt allein schultern – gefragt sei das Zusammenspiel von Veterinärbehörden und Jägerschaft. Niedrige Bestände seien auch aus Tierschutzgründen nötig, um die Infektionskette zu durchbrechen. Ihr Appell: „Schießen Sie jedes Wildschwein, dessen Sie habhaft werden können – unter Beachtung des Muttertierschutzes natürlich.“ Zugleich forderte sie deutlich mehr Aufklärung durch die Politik: Es sei kein Problem der Jägerschaft allein, Politik und Gesellschaft seien gefordert.
Streit um Drohnen und ASP-Instrumente
Kontrovers wurde es bei den Mitteln. Dr. André Brandt, Dezernent des Kreises Paderborn, bezweifelte, dass die derzeitigen Instrumente zur Reduktion des Schwarzwilds ausreichen: Abschussprämie und Kadaver-Sammeltonnen seien nicht hinreichend, auch die Scheinwerfertaxation stellte er infrage. So sehr er die Leistung der Jägerschaft schätze – es brauche vom Gesetzgeber andere Befugnisse, etwa Drohnen. Auch invasiver Arten werde man so nicht Herr; die Abwägung zwischen Tier- und Naturschutz könne die Jägerschaft nicht allein stemmen.
Dem widersprach Dammann-Tamke in der Drohnenfrage. Man führe derzeit vor allem eine tierethische Diskussion. Mit der Technik seien Risiken verbunden: Sie müsse beherrschbar und vor allem ethisch vertretbar sein. Erfreulich sei dagegen die Entwicklung im Verband – 30 Prozent Frauen im DJV-Präsidium, inzwischen 28 Prozent weibliche Absolventinnen der Jägerprüfung und ein regelrechter Run auf die Jagd.
Dank aus Kommune und Landwirtschaft
Salzkottens Bürgermeister Ulrich Berger dankte der Jägerschaft für ihren ehrenamtlichen Naturschutz und ihre Rolle bei der Wiederbewaldung. Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, lobte das gute Miteinander: Die ASP sei eine Gefahr für die Tierhaltung, man sei auf die Jägerschaft angewiesen. Für die Kitzrettung sprach er großen Dank aus – verband dies aber mit der Kritik, es gebe nach wie vor zu viel Rehwild. Mehrfach fiel zudem die Forderung, den LJV NRW endlich als Naturschutzverband anzuerkennen – denn Jagd ohne Naturschutz sei nicht möglich.

Der erste Platz beim Lernort-Natur-Preis ging an die Junior Guides der Kreisjägerschaft Aachen, die trotz ihres jungen Alters bereits als Museumsführer im Eisatz sind. Foto: Kim Trautmann




