Jagdhund: Verschiedene Arten und Einsatzgebiete

Jagdhund ist nicht gleich Jagdhund: Vielseitig sind die Rassen, aber auch ihre Einsatzgebiete. JÄGER hat die verschiedenen Kategorien von Jagdhunden zusammengefasst.

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Der Jagdhund wird für jeden Hundeführer zum treusten Begleiter. © Unsplash/Josiah Ness

Wer sich damit beschäftigt, sich einen Jagdhund zu holen, muss sich auch die Frage stellen, welche Aufgaben das Tier im Revier übernehmen soll. Denn die verschiedenen Kategorien und Rassen sind vielseitig. Wir haben die verschiedenen Kategorien von Jagdhunden und ihre jeweiligen Einsatzgebiete zusammengefasst.

Jagdhund für die Nieder- und Wasserwildjagd: Apportierhunde

Apportierhunde gelten für Experten für die „Arbeit nach dem Schuss“. Dieser Jagdhund ist vor allem bei der Nieder- und besonders Wasserwildjagd im Einsatz. Enten und andere Wildtiere können diese Jagdhunde mit ihrem charakteristischen weichen Maul aufnehmen und ohne weitere Schäden zu ihrem Hundeführer bringen, auch „apportieren“ genannt. Apportierhunde sind vergleichsweise große Jagdhunde, die meist kräftig sind und gut schwimmen können. Dazu kommt die charakteristische Wasserfreude, was die Jagd auf Wasserwild mit einem Apportierhund maßgeblich vereinfacht.

Zu den Apportierhunden gehören der Labrador Retriever, der Golden Retriever sowie Flat-Coated und Curly-Coated Retriever. Wenn es sich bei einem Jagdhund um einen Retriever handelt, ist diese Bezeichnung auf die Arbeit als Apportierhund zurückzuführen.

Erdhunde: Jagdhund unter Tage

Im Gegensatz zu den Apportierhunden sind die Erdhunde eher die kleinen Hundearten im Revier. Diese Art von Jagdhund kann sich wegen seiner Körpergröße und Wendigkeit in jeden Fuchs- und Dachsbau begeben. Manchmal ist sogar die Arbeit am Kaninchenbau möglich. Ein Erdhund versucht, Fuchs oder Dachs durch leichte Angriffe oder Verbellen aus ihren Bau zu locken und dadurch die Entnahme durch die zuständigen Jäger zu ermöglichen.
Aufgrund der geringen Körpergröße ist ein solcher Jagdhund besonderen Gefahren ausgesetzt, denn Fuchse und Dachse können die kleinen Tiere ernsthaft verletzen. Deshalb ist eine gute Ausbildung, die nicht zu viel Aggression bei der Arbeit im Revier lehrt, unabdingbar.
Zu den Erdhunden gehören die Dackel oder Teckel in den drei Größen, also Zwergteckel, Kaninchenteckel und Normalschlag. Aber auch die Terrier, egal ob Foxterrier, Deutscher Jagdterrier, Westfalenterrier oder der beliebte Jack Russel Terrier, gehören zu dieser Kategorie. Wer also ein Jagdhund für die Arbeit am Bau sucht, ist mit einem Erdhund bestens aufgestellt.

Schweißhunde: Arbeit nach dem Schuss

Wer einen Jagdhund für die Arbeit an größerem Wild sucht, könnte mit einem Schweißhund glücklich werden. Schweißhunde sind auf die Nachsuche auf Schalenwild spezialisiert. Mit ihrem besonders ausgeprägten Geruchssinn nehmen diese Jagdhunde die Wundfährte anhand des Schweißes, also des Blutes von verletztem Wild, auf. Dieses können sie dann über weite Strecken verfolgen. Aufgabe der Schweißhunde ist es, zu dem verletzten oder nach der Flucht verendeten Wildtier zu führen.

Auch diese Jagdhund-Kategorie ist mit Gefahren konfrontiert. Besonders verletzte Wildschweine können aggressiv sein, durch ihre Größe können sie für Hunde schnell gefährlich sein. Neben einem gut ausgebildeten Jagdhund ist also auch die kompetente Nachsuche durch den Menschen Pflicht.

Zu den Schweißhunden zählen der Bayerische Gebirgsschweißhund sowie der Hannoversche Schweißhund. Die Rassen dieser Kategorie sind tendenziell groß, mit hoher Ausdauer und dem charakteristisch stark ausgeprägten Geruchsinn.

Vorstehhunde: Der Jagdhund-Allrounder

Wer einen Jagdhund fürs Revier sucht, der vielseitig einsetzbar ist, der wird vermutlich mit einem Vorstehhund glücklich. Diese „Vollgebrauchshunde“ können in Wald und Feld zum Einsatz kommen, auch Wasserarbeit ist möglich. Einzig für die Bauarbeit sind diese Hunde nicht geeignet. Namensgebend für Vorstehhunde ist das sogenannte Vorstehen, wobei sie bei der Suche auf Wild plötzlich stehenbleiben. Während der Vorstehphase heben die Tiere eines ihrer Vorderbeine und richten ihren Kopf in Richtung des gewitterten Wildes – viele Menschen haben, wenn sie an einen Jagdhund denken, genau diese Pose im Kopf.
Neben dem Großen und dem Kleinen Münsterländer zählen auch der Weimaraner, der Deutsch- Kurz-, Lang– und Drahthaar sowie der Magyar Vizsla zu den Vorstehhunden. Die Auswahl ist bei dieser Kategorie also fast so groß wie die Einsatzmöglichkeiten.

Stöberhunde: Vielseitig einsetzbar

Auch die Stöberhunde gelten als vielseitig im Revier einsetzbar. Sie übernehmen heutzutage ähnliche Aufgaben wie Vorstehhunde – das Vorstehen ausgenommen. Ursprünglich handelte es sich um Jagdhunde, die Niederwild aus dichtem Gestrüpp oder Schild aufstöbern sollten. Als Jagdhund ist der Stöberhund dadurch meist kräftig gebaut. Unabdingbar ist bei dem Stöberhund der Stöberlaut, der bei der Jagd außer Sicht zum Einsatz kommt.
Zu den Stöberhunden gehören neben dem Deutschen Wachtelhund verschiedene Spaniel-Rassen. So ist neben dem beliebten Cockerspaniel auch der English Springer Spaniel ein geschätzter Jagdhund für die Stöberjagd.

Laufhunde / jagende Hunde (Bracken)

Bei Bracken handelt es sich um eine besondere Jagdhund-Kategorie. Sie arbeiten vor dem Schuss und verfolgen Haarwild fährenlaut. Deshalb werden sie auch als Laufhunde oder jagende Hunde bezeichnet. Aber auch nach dem Schuss gelten Bracken als geeignete Helfer, sie können mit ihrer guten Nase die Schweißfährte hervorragend aufnehmen und verfolgen. Bracken gelten alt älteste aller Jagdhunde. Laut DJV ist die markante Jagdweise der Bracke als jagender Hund schon in Schriften der Römer auffindbar.

Beispiele für diese Art von Jagdhund sind die Deutsche Bracke, die Brandlbracke, die Tiroler Bracke, aber auch die Schwarzwildbracke, die westfälische Dachsbracke und der Beagle.