Jack Russell, der Working Terrier: ein vielseitiger Jagdhund

Jack Russell oder auch Parson Russell Terrier sind Arbeitstiere mit Eigensinn. Doch welche Geschichte haben die unermüdlichen Baujäger und Stöberer?

Jack Russell am Buddeln

Bei der Baujagd sind die kleinen englischen Terrier in ihrem Element! © Sebastian Grell

Die Ursprünge der englischen Terrier gehen auf einen Kleriker zurück. Genauer gesagt, auf den englischen Pfarrer John Jack Russell aus der Grafschaft Devon. Er lebte, wirkte und jagte vor allem in Swimbridge, Devon. Seiner großen Passion für das Waidwerk und die Reiterei wegen begann er bereits in jungem Alter mit der Hundezucht. Die Terrier hatten es ihm angetan. So kaufte der angehende Pastor bereits während seines Studiums in Oxford seinen ersten Terrier. Das war „eine weiße, rauhaarige Hündin mit Abzeichen am Kopf“. Diese brachte bereits viele der Merkmale mit, die für die Rasse heute so charakteristisch sind.

Das Tier, welches auf den Namen „Trump“ hörte, gilt als Begründerin der Rasse. Ein Bild des kleinen Terriers hängt in der Sattelkammer von Schloss Sandringham und befindet sich im Besitz des englischen Königshauses. John Jack Russell genoss Zeit seines Lebens höchstes Ansehen. Er war Mitbegründer des British „Kennel Clubs“ und Richter auf Ausstellungen und Schauen für Rassen wie den Foxterrier. Als der „Erfinder“ der Jack Russell im Jahr 1883 starb, kondolierte selbst das englische Königshaus.

Wie sah der erste Jack Russell Terrier aus?

Die Beschreibung der Merkmale, die John Jack Russells erste Terrierhündin mitbrachte, klingt schon stark nach dem rauhaarigen Typ der Arbeitsterrier, wie wir sie heute kennen.

„Zuerst einmal ist ihre Farbe weiß, mit nur einem braunen Fleck über jedem Auge und Ohr und einem Fleck, nicht größer als ein Penny, auf der Schwanzwurzel. Das Fell ist dicht anliegend und eine geringfügige Rauheit schützt ihren Körper vor Nässe und Kälte. Dieses Fell hat aber keinerlei Ähnlichkeit mit dem langen rauhaarigen Fell eines Scotchterriers. Die Beine sind pfeilgerade, die Pfoten perfekt. Die Lenden und die Gestalt des ganzen Rahmens weisen auf Unerschrockenheit und Ausdauer hin, während die Größe und das Gewicht ungefähr denen einer ausgewachsenen Füchsin entsprechen.“

Doch John Jack Russell gab sich allein mit diesen Merkmalen noch nicht zufrieden. Denn im Laufe seiner züchterischen Tätigkeit nahm er weite Wege auf sich und scheute keine Mühen, um Hunde mit den für ihn perfekten Eigenschaften zu züchten.

Mann hat Hund auf dem Arm

Nur wer seine jagdlichen Fähigkeiten unter Beweis stellt, wird zur Zucht zugelassen. © Sebastiann Grell

Working Terrier: Jagdliche Leistung an erster Stelle

Russell kreuzte seine erste Hündin sowie deren Nachkommen mit verschiedenen „Working Terriers“, Arbeitsterriern. Diese unterschieden sich sowohl in der Farbe als auch in Gebäude und Größe oft deutlich voneinander. Seine oberste Maxime war dabei stets die Arbeitstauglichkeit und jagdliche Leistung. Ein bestimmtes Aussehen oder Rassebild waren für den jagdbegeisterten Pastor zweitrangig.

Die Hunde für seine Leistungszucht stammten aus den anderen Jagdzwingern der Umgebung, aus Devon oder New Forest. Allerdings reiste er auch weit, um Tiere aus anderen Zwingern einzukreuzen, die die gewünschten Eigenschaften für die Jagd mitbrachten. Man kann durchaus sagen, dass er mit diesem Vorgehen seiner Zeit weit voraus war. Für die meisten Züchter war es eher unüblich, so weit zu reisen, um an geeignete Hunde für die Zucht zu kommen. Damit hat er die Entwicklung der furchtlosen kleinen Hunde stark beschleunigt und maßgeblich dafür gesorgt, dass die Arbeitsterrier in ihrer Leistungsfähigkeit und ihren vielseitigen Eigenschaften immer weiter gezüchtet wurden.

Vom Working Terrier zum Typ Jack Russell

Auch nach dem Tod John Jack Russells bestanden die arbeitsfreudigen Terrier weiter. Sie firmierten ohne spezifische Rassebezeichnung weiter unter dem Namen „Working Terriers“. Erst in den dreißiger Jahren wurde es dann geläufig, diejenigen Arbeitsterrier als Jack Russell zu bezeichnen, die dem Terriertyp des Pfarrers John Jack Russell entsprachen. Und so gab es danach immer Züchter, die Terrier nach dem Vorbild des englischen Waidmanns züchteten, weiter andere Arbeitsterrier einkreuzten und sich dabei immer an der hohen Leistungsfähigkeit der Hunde auf der Jagd orientierten.

Ein Wermutstropfen ist, dass auch andere Rassen in die Linie der Arbeitsterrier mit eingekreuzt wurden. So zum Beispiel Corgis, Beagles oder Bullterrier. Dadurch litt lediglich der Ruf der Arbeitsterrier, deren Qualitäten im Sinne von Arbeitsleistung ließen sich dadurch nicht steigern. Mittlerweile sind derartige Kreuzungen eher die Ausnahme. Wenn sie vorkommen, dann eher im Bereich der Hobbylinie und nicht bei den jagdlich geführten Arbeitshunden.

Vom Baujäger zum vielseitigen Jagdhund

Der Jack Russell Terrier wurde auf dem gesamten europäischen Kontinent, aber auch in Übersee immer beliebter. Neben seiner ausgezeichneten Eignung für die Baujagd auf Fuchs und Dachs wurde er auch zur Rattenbekämpfung vielfach eingesetzt. Zudem arbeitet er als Stöberhund in der Meute ausgezeichnet und bringt gerade Rot-, Reh- oder Damwild auf die Läufe, ohne es zu hetzen oder unnötig schnell zu machen. Und auch etliche Saumeuten greifen mittlerweile auf die wendigen bunten Terrier von der Insel zurück.

Ob mit rauem Haarkleid oder als glatter, kurzhaariger Schlag, die Jack Russell sind in verschiedenen Erscheinungsbildern vertreten. Die Rasse Jack Russell ist seit dem 22. Januar 1990 vom englischen Kennel Club anerkannt. Zudem firmiert seitdem ein Interim-Standard unter dem Namen „Parson Jack Russell Terrier“. Von der FCI ist seit 2001 die Anerkennung des Parson Russell Terriers als eigene Rasse beschlossen worden.

Jack Russell Terrier im Feld

Der Jack Russell Terrier: Charakterstark, vielseitig und aufgeweckt. © Unsplash / Valeria Dubych

Charakter-Check: So tickt der Jack Russell

Jack Russell Terrier sind ausgesprochen lebhafte und temperamentvolle Hunde. Da sie ursprünglich für die Baujagd gezüchtet wurden, besitzen sie auch eine wohl dosierte Portion an Schärfe gegenüber Raubwild und Sauen. Diese Unnachgiebigkeit bei der Arbeit macht sie vor allem zu sehr zuverlässigen Begleitern auf der Jagd.

Was die Arbeitsweise im Bau anbelangt, so ist das Verhalten gegenüber Raubwild allerdings etwas anders als vielleicht beim Deutschen Jagdterrier und anderen Bauhunden. Denn die englischen Arbeitsterrier wurden nicht dafür gezüchtet, den Fuchs zu greifen oder gar abzutun. Der Fuchs sollte bei der Baujagd stets unversehrt geborgen werden.

Daraus resultiert auch häufig das Verhalten der kleinen Arbeitsmaschinen im Bau. Im Gegensatz zu einigen anderen Hunderassen bedrängt und stellt der Jack Russell Terrier das Raubwild zwar im Bau, liegt allerdings meist vor, anstatt es zu binden. Das wiederum hat zur Folge, dass häufig gegraben werden muss, sofern das Raubwild nicht springt.

Bauspezialist oder Stöberhund?

Werden die Terrier zum Stöbern eingesetzt, so jagen sie in der Regel eher kurz und dabei sehr führerbezogen. Die Schärfe der kleinen Hunde ist dabei wohl dosiert. Gerade an Schwarzwild ein unschätzbarer Vorteil, wenn man nicht nach jeder Jagd direkt zum Tierarzt muss. Ein wichtiger Faktor ist, dass die Hunde gemäß ihrer Hauptarbeit in England nie anhand von Spurlaut selektiert wurden. Einige Jack Russell jagen auch spurlaut, manche lediglich sichtlaut.

Viele Klubs und Vereine, wie der „Jack Russell Terrier Club of Great Britain“, züchten noch heute nach den Rassestandards, die auch der Begründer der Hunderasse seinerzeit verfolgte. Dazu zählen eine Widerristhöhe von 9 bis 15 Inches (23 bis 37 cm), ein kompaktes, ausbalanciertes Erscheinungsbild sowie kräftige Kondition.

Wie sieht ein typischer Jack Russell aus?

Der Schädel soll flach und von mäßiger Breite sein und zu den Augen hin schmäler werden. Dort schließt sich ein nicht überbetonter Stopp an. Die Nase vom Fang bis zum Stopp sollte kürzer sein als der Abstand zwischen Stopp und Hinterhauptbein. Die Nase der Terrier soll schwarz sein, die Kiefer mit kraftvoll bemuskelten Backen. Die Augen des Jack Russell sollen nach dem Rassestandard mandelförmig, voll Leben und Intelligenz sein, die Ohren klein, v-förmig und nach vorn fallend. Sie sollen eng am Kopf anliegen.

Der Hals der Terrier soll klar umrissen und muskulös sein, zur Schulter hin breiter werdend. Die Brust sollte flach sein und nicht zu weit auseinandergehen. Maßgabe ist hierbei die Möglichkeit, gut einzuschliefen und im Bau arbeiten zu können. Die Brust sollte dabei schmal genug sein, dass sie von zwei normalen Händen hinter den Schultern leicht zu umspannen ist.

Jack Russell Terrrier

Auch der glatthaarige Schlag des Jack Russell Terriers kommt häufig vor. © Sebastian Grell

Verschiedene Farbvarianten möglich

Die Pfoten sind rund, kräftig gepolstert und weder nach innen noch nach außen drehend. Die Rute ist ziemlich hoch angesetzt und fröhlich getragen. Das Haarkleid der Terrier sollte nicht zu dünn sein, um einen guten Schutz vor Witterung und Dickung zu bieten. Es kann entweder Glatthaar oder broken sein. Die Farbe der Hunde sollte vorwiegend weiß, mit schwarzen oder braunen Abzeichen sein.

Da die Rasse in der Arbeitslinie nie unter dem Gesichtspunkt der Optik oder ihrer Fellfarbe gezüchtet wurde, treten unterschiedliche Farbvariationen auf. Auch das unterstreicht den stets fröhlich aufgeweckten Charakter der kleinen Gesellen noch einmal zusätzlich.

Herausforderungen im Umgang mit dem kleinen Terrier

Die Hunde brauchen viel Bewegung und Erziehung, sie profitieren von klaren Grenzen und ausreichender Auslastung. Wer seinen Jack Russell Terrier nicht genug beschäftigt, läuft Gefahr, ein Tier mit eindeutigen Verhaltensauffälligkeiten im Hause zu haben. Wer sich das aktive Tier zutraut, hat allerdings nicht nur einen kompetenten Partner um Revier, sondern auch ein Familienmitglied, das alle Mitbewohner auf Trab hält.


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