Es ist Drückjagd und die Frischlinge sind los

Woran eine späte Rausche liegt, die zu späten Streifenhörnchen zur Drückjagd führt, erklärt unser Wildbiologe Burkhard Stöcker.

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Frischlinge zur Drückjagd können durchaus vorkommen. (Foto: Pixabay)

Endlich ist es soweit: Die erste Drückjagd ist in erreichbarer Nähe. Doch auf der Kamera befinden sich Frischlinge. Haben wir viele spät gesetzte Frischlinge im Revier, müssen wir uns ein paar Gedanken zum Ablauf der Rauschzeit machen – denn dieses Geschehen ist ja nun zwangsläufig entscheidend für den Zeitpunkt des Frischens…

So kommt es zu gestreiften Frischlingen auf der Drückjagd

Grundsätzlich gilt: ältere weibliche Stücke kommen früher in die Rausche. Während bei alten Bachen die Hauptrauschzeit in Mitteleuropa zu Zeiten der Drückjagd im November und der ersten Dezemberhälfte liegt, rauschen Überläuferbachen von November bis Mitte Januar und Frischlingsbachen mit einem Schwerpunkt im Januar. Viele spät gesetzte Frischlinge in einem Jahr können daher auf einen hohen Anteil an „Jungmüttern“ hinweisen. Dies resultiert aus einem stark und nur schwach bejagtem Frischlings- oder Überläuferjahrgang aus dem Vorjahr. Kommt also ein üppiger Frischlingsjahrgang in diese späte Rausche, haben wir aufgrund dessen im folgenden Frühjahr späte Würfe – also lange Zeit „Streifenhörnchen“ im Revier. Späte Würfe können also Zeiger für einen sehr hohen Jugendanteil in der Population sein!

Abweichungen erklären

Abweichungen von der Hauptrauschzeit zur Saison der Drückjagd sind aber auch noch aus folgenden Gründen möglich. Sobald eine Bache aus irgendwelchen Gründen ihren ersten Wurf verloren hat rauschen diese nach. Hierzu kann es aufgrund von Erkrankung oder Verletzung kommen. Die Verletzung rührt aus Schuss- oder Verkehrsverletzungen oder ähnlichem. Nach der Genesung sind die Schweine wieder rauschig.

Aufgrund einer entrückten Rottenstruktur können auch Frischlinge zur Drückjagd Nachwuchs bekommen. Hierbei orientiert sich der Geburtstermin an ihrer körperlichen Entwicklung, was durchaus zu Unzeiten sein kann.

Die Rauschzeit korreliert grundsätzlich über alle Altersklassen mit der Körperkondition der weiblichen Tiere: nach Mastjahren oder günstigen Witterungsbedingungen kommen die Bachen grundsätzlich früher in die Rausche. Bleibt die Mast aus, ist der Sommer zu trocken und nahrungsarm, kommen die Bachen später in die Rausche.
Im Falle des letzten milden Winters ist folgende Konstellation denkbar: in Normaljahren gehen wir davon aus, daß vielleicht circa 50 Prozent der Frischlingsbachen im Alter von acht bis neun Monaten rauschig werden. Ist der Winter relativ mild, können innerhalb der zweiten Winterhälfte aber auch bis zu 85 Prozent der Frischlingsbachen rauschig werden – mit den entsprechenden Folgen für einen hohen Anteil spätgeborener Frischlinge zur Drückjagd.

Die Zeit nach der Drückjagd

Wirklich geringe Frischlinge zur Drückjagd sind immer möglich. Falls dies bekannt ist, gibt der Jagdleiter diese wertvolle Information selbstverständlich an seine Gäste weiter. Der ein oder andere Jäger lässt dann in gefährlichen Situationen den Finger gerade. Drum heißt es nach der Drückjagd wieder Kirrung bestücken! Wie das geht, lesen Sie hier.