Der Schnee ist verharscht und die Temperaturen liegen um den Nullpunkt. Zudem weht ein kräftiger Wind, als sich meine Gruppe an diesem Morgen auf den Weg zu den Sitzen macht. Wir jagen heute in einer herrlichen Mittelgebirgslandschaft im Weserbergland, genauer gesagt im Solling. Die Doppelbüchse im Futteral, stapfe ich eine lange Schneise hinunter.
Überall ist der Waldboden aufgebrochen. Neben Rotwildfährten stolpere ich vor allem überall über die Trittsiegel der Schwarzkittel. „Das geht ja gut los“, denke ich, während ich meine Gasse weiter hinuntergehe. Nach ein paar Hundert Metern gabelt sich der Weg und ich stelle fest, dass ich quasi mitten auf der „Kreuzung“ sitze.
Vielversprechender Stand mitten im Wildwechsel
Hinter mir befinden sich Buchenrauschen, vor mir Buchenrauschen und drei Rückegassen, die aufeinandertreffen. Der Wald am Sollingrand sieht an diesem Tag ausgesprochen vielversprechend aus. Zwei Patronen wandern in die Lager der Doppelbüchse. Die Vergrößerung des Zielfernrohrs drehe ich herunter. Zum starken Wind kommt nun auch noch Graupel hinzu.
Wer viele Schusskorridore hat, sollte diese auch einsehen können. Und da beginnt auch schon das Dilemma. Da ich kein Uhu bin und meinen Kopf nicht ständig in alle Richtungen drehen kann, entscheide ich mich, die beiden „Hauptgassen“ vor mir im Blick zu behalten. So vergehen die Minuten, bis ich mir überlege, wo ich als Schwarzkittel wohl am liebsten das Treiben unbeschossen verlassen würde.
„Unten rechts durch die Buchenrauschen oder in meinem Rücken wäre gut“, denke ich mir. Ich habe den Gedanken noch nicht beendet, da sehe ich über die rechte Schulter, wie sich das Haupt einer Bache langsam durchs Schneegestöber in Richtung Gasse schiebt.
Drückjagd im Schnee: Die Rotte kommt
Langsam wandert der Schaft der Doppelbüchse an die Wange. Und als der zweite Frischling die Schneise überfällt, bricht der Schuss. Die Wutz zeichnet gut, geht aber flüchtig ab. Die Rotte stiebt auseinander und erhöht das Tempo, sodass ich erst den vierten Schwarzkittel wieder ins Absehen bekomme. Diesmal fahre ich weiter vor. Die Sau liegt im Feuer!
Obwohl ich schnell nachgeladen hatte, schieben sich die Schwarzkittel vor mir ein. So schnell wie die Rotte gekommen war, so sehr drückt sie sich nun vor mir in den Buchenrauschen. Immer wieder höre ich, wie die Bache bläst. So lange ich auch ausharre, sie tut mir nicht mehr den Gefallen, eine meiner zahlreichen Rückegassen anzunehmen.
Ein abnormes Reh bei der Drückjagd im Schnee
Der Graupel wird stärker und geht schließlich in Schneeregen über. Es ist schon um die Mittagszeit, und die Temperaturen sind merklich gestiegen. Dennoch weht ein unangenehmer Wind aus Osten. Gedanklich habe ich die Waffe bereits entladen und frage mich, ob die erste Sau wohl liegt und wie ich sie aus dem Hang geborgen bekomme.
Doch da reißt mich plötzlich ein leises Knacken aus meinen Tagträumen. Irgendwas zieht oberhalb von mir durch die Buchenrauschen. Ob es wohl Rotwild ist?
Diesmal fliegt die Waffe etwas unsanfter an die Wange, denn ich kann das Wild zwar deutlich näherkommen hören, sehen kann ich es jedoch noch nicht. Ich bin schon fast soweit, die Waffe abzusetzen, da zieht vorsichtig ein Reh über die Kuppe.
Im Ziehen erkenne ich, dass es einen der Vorderläufe schont. Zunächst denke ich, dass das Stück krank ist, kann es durch die Stämme aber immer nur für kurze Momente sehen. Also warte ich ab, bis es auf etwa 70 Meter herangezogen ist. Ein kurzes Schrecken, anvisieren – Schuss. Im Knall bricht es in sich zusammen.
Schnabelschuh beim Rehwild entdeckt
Am Stück erkenne ich, dass eine Schale des rechten Vorderlaufes eigenartig verformt ist. Vielleicht hatte das Stück als Kitz eine Verletzung, aus der dieses ungebremste Wachstum resultierte. Beim Rehwild nicht ungewöhnlich, sieht man Schnabelschuhe auch nicht jeden Tag.
Ich freue mich über das außergewöhnliche Waidmannsheil bei unserer Drückjagd im Schnee und mache mich auf den Weg zu meinen beiden Sauen. Der zweite Frischling liegt an Ort und Stelle, der erste keine 100 Meter weiter mit gutem Kammertreffer. Für mich ein toller Tag mit nicht alltäglicher Beute. Und das zudem mit klassischer Doppelbüchse. Ja, es muss nicht immer der Repetierer sein …











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