Große Resonanz bei der Podiumsdiskussion „Wieviel Wildnis mit Wölfen verträgt das Land?“

Große Resonanz bei der Podiumsdiskussion „Wieviel Wildnis mit Wölfen verträgt das Land?“ Rund 350 Zuhörer waren der Einladung von Graf Schulenburg gefolgt.

Dr. Gero Hocker als engagierter Diskutant.

Dr. Gero Hocker als engagierter Diskutant. ©Andreas Greiner-Napp

Podiumsdiskussion zum Thema Wolf in Bisdorf

„Ich habe den Wolf in meinem Wald, ich trage den Wolf in meinem Namen, ich habe einen Wolf im Wappen meiner Vorfahren und als Wetterfahne auf dem Dach.“ So begann Graf Günther von der Schulenburg seine Begrüßung zu der großen Diskussionsrunde im Schafstall Bisdorf am 31. August und begründete damit die Wahl des Themas der Veranstaltung. Auf dem Podium diskutierten wichtige Vertreter aus Naturschutz, Jägerschaft und Politik über die Möglichkeiten der Regulierung der Wolfspopulation in Deutschland und der Region. Rund 350 Zuhörer waren der Einladung von Graf Schulenburg gefolgt und beteiligten sich aktiv mit Fragen und Anregungen.

Das Podium bei der Begrüßung durch Graf Günther von der Schulenburg.

Das Podium bei der Begrüßung durch Graf Günther von der Schulenburg.©Andreas Greiner-Napp

„Wieviel Wölfe verträgt das Land?“

Dass das Thema große Brisanz hat, wurde schon durch die große Anzahl derer deutlich, die zum Teil weite Wege an diesem Abend auf sich genommen hatten, um nach Bisdorf zu kommen. „Mit so vielen Gästen hatte ich nicht gerechnet“, gab Graf Schulenburg zu und bat gleichzeitig um Versachlichung bei der derzeitig sehr emotional geführten Debatte über die Berechtigung des Wolfes als Bestandteil der Biodiversität in unserer Kulturlandschaft.

Aufmerksam verfolgten alle zu Beginn den Impulsvortrag von Dr. Gero Hocker, MdL und Generalsekretär der FDP Niedersachsen, der vor allem zu bedenken gab, dass der Wolf, anders als gedacht, inzwischen häufig in Niedersachsen anzutreffen ist und sich somit die Politik in den letzten Jahren hinsichtlich der Wolfsmigration gewaltig verschätzt hat. Er forderte sogleich als Konsequenz, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, anstatt, wie bisher geschehen, sehr zögerlich und hinhaltend durch das Umweltministerium mit der Entnahme einzelner Problemwölfe zu agieren.

Forsteigentümer Nikolaus von Veltheim brachte sich wie viele andere leidenschaftlich in die Diskussion ein.

Forsteigentümer Nikolaus von Veltheim brachte sich wie viele andere leidenschaftlich in die Diskussion ein.©Andreas Greiner-Napp

Dr. Lucas von Bothmer leitet Diskussionsrunde

Die anschließende Diskussion unter Leitung des Chefredakteurs der Zeitschrift „Jäger“ Dr. Lucas von Bothmer wurde schnell leidenschaftlich, vor allem wenn es um das zögerliche Analyseverhalten des Senkenberg-Instituts in Frankfurt ging. Auch die Genetik der einzelnen Wolfspopulationen und die daraus abzuleitende Artengefährdung der Spezies Wolf wurde sehr unterschiedlich von dem Podiumsdiskutanten beurteilt.

Der Wildbiologe Dr. Daniel Hoffmann von Game Conservancy Deutschland lieferte dazu einige aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Man war sich einig, dass die Population in Deutschland stetig wächst, aber Dr. Holger Buschmann, der Vorsitzende des NABU Niedersachsen, wollte sich auf keine Zahl festlegen lassen, ab der eine Bestandsregulierung erforderlich würde. Der Landtagsabgeordnete Dr. Gero Hocker und der niedersächsische LJV- Präsident und MdL Helmut Dammann-Tamke sehen die Notwendigkeit einer Regulierung bereits gekommen, wobei der Journalist und Autor Eckhard Fuhr lediglich für die Entnahme einzelner Problemwölfe durch geschultes Personal plädierte.

Offene Gesprächsrunde zum Thema Wolf

Bei der anschließend offen geführten Diskussion wurde die fehlende Toleranz für den Wolf im ländlichen Raum schnell deutlich. Leidenschaftlich argumentierten mehrere Vertreter der Schaf- und Weidehalter, dass die Umsetzung weitreichender Schutzzaunmaßnahmen vor allem in der Deichwirtschaft trotz Landeszuschüssen nicht zu leisten ist.

Graf Schulenburg als Gastgeber machte zum Ende der Diskussion noch einmal deutlich, dass aus Sicht der Grundbesitzer eine Bejagung des Wolfes ausschließlich durch die Revierinhaber und deren Jagdausübungsberechtigte erfolgen dürfte. Nach seiner Einschätzung darf Regiejagd oder der Einsatz von „bewaffneten Wolfsberatern“ keinesfalls zu einer Aushöhlung des Eigentumsrechtes führen.

Der mit 350 Zuhörern voll besetzte Schafstall Bisdorf.

Der mit 350 Zuhörern voll besetzte Schafstall Bisdorf.©Andreas Greiner-Napp

Spontan Schlusswort des ehemaligen Umweltministers

Das Schlusswort übernahm spontan der ehemalige niedersächsische Umweltminister Dr. Stefan Birkner, FDP-Landesvorsitzender und stellvertretender Fraktionsvorsitzender im niedersächsischen Landtag. Er warb dafür, die Regulierung des Wolfes nicht zu lange herauszuzögern, um die Akzeptanz dieser Spezies bei der Bevölkerung nicht grundsätzlich zu gefährden. Anschließend bedankte er sich beim Podium und beim Gastgeber für die engagierte Diskussion im Rahmen dieser hervorragend angenommenen Veranstaltung. Bei Wildbratwurst und Bier gab es im Anschluss für alle noch reichlich Gelegenheit, die Diskussion in kleineren Runden fortzuführen.

Podium:

Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender NABU Niedersachsen
Helmut Dammann-Tamke, MdL, Präsident Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
Eckhard Fuhr, Journalist und Korrespondent für Kultur und Gesellschaft (Welt), sowie Buchautor (Jagdlust 2012, Rückkehr der Wölfe 2014, Schafe 2017) und Jäger
Dr. Gero Hocker, MdL, Generalsekretär der FDP Niedersachsen
Dr. Daniel Hoffmann, Wildbiologe, Geschäftsführer Game Conservancy Deutschland e. V.

Moderation:
Dr. Lucas von Bothmer, Chefredakteur der Zeitschrift „Jäger“

©PM Graf von der Schulenburg