Elf Experten haben auf der Fachtagung „Jagd und Artenschutz“ in Jena eine wegweisende Erklärung unterzeichnet. Ihre Kernbotschaft: Wer Schalenwild zur falschen Zeit bejagt, richtet mehr Schaden an als er verhindert. Anlässlich des thüringischen Landesjägertages am 30.5 in Niederorschel wurde dem zuständigen Fachminister Tilo Kummer (BSW) die Erklärung durch Matthias Neumann überreicht. Des Weiteren ist die Erklärung Basis für eine Petition, die aktuell im Petitionsausschuss des Thüringer Landtages eingereicht wurde.
Winterruhe statt Jagddruck: Was die Wissenschaft belegt
Wildwiederkäuer wie Reh und Hirsch fahren ihren Stoffwechsel im Winter massiv herunter – Herzschlag und Körpertemperatur sinken deutlich, die Aktivität reduziert sich auf ein Minimum. Jede Störung in dieser Phase zwingt die Tiere zu energieaufwendigen Fluchten, schwächt ihre Kondition und erhöht paradoxerweise den Verbissdruck auf Wald und Feld. Es entseht ein verzerrtes Spannungsfeld aus Tierschutz und Wirtschaftlichkeit. Die Forschung ist dabei eindeutig: Jagdruhe im Winter schützt nicht nur das Wild, sondern auch Forstkulturen und Äcker.
Jagdzeiten, Wildruhezonen, Raumplanung: Die fünf Kernforderungen
Die Unterzeichner der Jenaer Erklärung fordern konkret:
Jagd zur richtigen Zeit: Der Schwerpunkt der Bejagung soll auf die Monate August bis Weihnachten fallen. Ab Januar braucht das Wild weitgehende Ruhe – Ausnahmen in begründeten Fällen bleiben möglich.
Verbindliche Wildruhezonen: Mindestens fünf Prozent der Fläche sollen in der Kernwinterzeit absolut störungsfrei bleiben – kein Freizeitsport, keine Jagd.
Feldschäden systemisch lösen: Nicht mehr Jagddruck, sondern klügere Fruchtfolgen, räumliche Lenkungsmaßnahmen und weniger Störung in sensiblen Jahreszeiten reduzieren Wildschäden nachhaltig.
Wildökologische Raumplanung: Jagd- und Wegeplanung sollen sich an Wanderkorridoren und funktionalen Lebensräumen orientieren – nicht an administrativen Reviergrenzen.
Koordiniertes Monitoring: Jagd-, Agrar- und Naturschutzverwaltung müssen enger zusammenarbeiten und gemeinsame Datengrundlagen schaffen.
Kein Angriff auf die Jagd – sondern ein Plädoyer für ihre Wirksamkeit
Die Jenaer Erklärung richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Jagd. Im Gegenteil: Elf Fachleute aus Wissenschaft und Praxis plädieren für eine Jagd, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ansetzt – konzentriert im Herbst, evidenzbasiert und mit klarem Fokus auf Biodiversität und Wildtierwohl. Mehr Wald, weniger Feldschäden, mehr Wildtierwohl: durch Ruhe statt Aktionismus.
Die Erklärung finden Sie hier: Jenaer_Erklärung




