Das Städtchen Westerburg im Westerwaldkreis war am 24. April Schauplatz des Wahlkampfes um die Präsidentschaft des Landesjagdverbandes (LJV) Rheinland-Pfalz. Gegen 10 Uhr hatten sich neben 213 Delegierten aus 24 Kreisgruppen, den haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter des LJV auch Gäste aus der Politik in der Stadthalle eingefunden.
Ruhiger Beginn mit mahnenden Worten
Die Veranstaltung begann mit der Begrüßung durch amtierenden Präsidenten Dieter Mahr, der an den Bürgermeister von Westerburg, Janik Pape (CDU, MdL) übergab. Gefolgt wurde dessen Gruß vom Landrat Schwickert (CDU) und einer Videobotschaft von Spitzenkandidat Gordon Schneider (CDU), der aufgrund dringender Koalitionsverhandlungen in Mainz nicht vor Ort sein konnte.
Abgerundet wurde die Grußwortrunde vom DJV-Präsidenten Helmut Dammann-Tamke. In seiner Rede betonte er den Erfolg, den Wolf ins Jagdrecht gebracht zu haben und zog Parallelen zwischen seinem Heimatverband in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. In beiden Bundesländern hätte man von einem grünen Ministerium ein inakzeptables Jagdgesetz vorgesetzt bekommen. Wichtige Worte richte er an alle Beteiligten der Wahl. Er stellte den demokratischen Wahlprozess in den Vordergrund und bat persönliche Befindlichkeiten hintenanzustellen. Der Verband müsse als Ganzes geschlossen bleiben.
LJV-Jahresbericht als Beginn des Schlagabtausches
Im Jahresbericht ging es zunächst um Rück- und Ausblick. Mahr und sein Vize Bartmann schilderten den Delegierten was der LJV in ihren Augen in der vergangenen Legislatur erreicht hatte. Wesentlicher Punkt dabei war die Verzögerung des grünen Jagdgesetzes. Aber auch was man in Zukunft besser machen wolle, wurde nicht ausgespart. Großprojekte wie die Landesjagdschule sollen eher mit der Basis beraten werden, der Vorstand des LJV müsse in den Kreisgruppen präsenter sein und der Außenauftritt müsse modernisiert werden. Mahr schloss mit der Ankündigung, dass für den Fall, dass er die Wahl gewinne, die kommende Amtszeit seine letzte sein werde. Sein Hauptziel sei in den kommenden vier Jahren ein gutes Jagdgesetz mit entsprechender Verordnung sowie ein modern umgebauter Verband zu übergeben.
Turbulenter Auftakt der Fragerunde
Die erste Wortmeldung kam umgehend. Delegierter Marcus Schuck (Kreisgruppe Mayen-Koblenz) näherte sich dem Fragenmikro und ignorierte es. Sein Weg führte direkt zum Rednerpult auf der Bühne. Seine Antwort auf die Hinweise auf das andere Mirko: „Da sehen mich die Leute doch gar nicht.“ Wichtig ist dabei zu wissen, dass Schuck für das Amt des Vizepräsidenten im Team Greif-Werner aufgestellt war und auch deren Bruder ist. Man ahnte, was kommen sollte …

Delegierter M. Schuck wedelt am Rednerpult mit dem in der Mittagspause ausgeteilten Wahlflyer des Team Mahr. © Dr. Stefan Birka
Es folgte eine scharf vorgetragene Grundsatzkritik. Schuck stellte die Wertschätzung des Präsidiums, speziell Mahrs, für die Basis in Frage. In der Rede wurde auch nicht mit Kritik an LJV-Vize Gundolf Bartmann gespart. Schuck warf dem Forstbeamten bei dem stark forstlich gefärbten Jagdgesetz vor befangen zu sein. Auch kreidete er dem Verband eine laue Verzögerungstaktik bei dem Gesetz an. Mahr hätte aus seiner Sicht das Thema Wolfsbejagung in RLP ebenfalls aufgeweicht. Schuck agierte sehr engagiert auf dem Podium, jedoch geriet er mehrmals mit einem über 80-jährigen Ehrengast in der ersten Reihe aneinander. Dieser fand das Auftreten Schucks offensichtlich nicht salonfähig und äußerte dies mit Zwischenrufen. Schuck antwortete teils harsch z.B. mit „Halt die Klappe!“. Da stand jemand deutlich unter Strom.
Es folgte eine zünftige Debatte und weitere Fragen aus dem Kreise der Delegierten. Ein Video Mahrs, in dem er sich gegen die Frühjahrsbejagung aussprach war genauso Thema wie die vernachlässigten Beschlüsse vom Sondertreffen in Bretzenheim und ein in der Mittagspause verteilter Wahlwerbeflyer des Team Mahr.
Am Ende hinterließ vor allem Schucks Rede Spuren. Einerseits merkte man, dass ein unbedingter Wille zur Veränderung da war. Der teilweise recht starke Applaus bei einigen Ausführungen zeigte das Wählerpotenzial. Andererseits war der Auftritt teilweise so vehement, dass einige Delegierten ihr innerliches Votum für Greif-Werner überdachten. Denn eine solche Vorstellung des zukünftigen Vizes im politischen Mainz wäre bedenklich.
LJV mit soliden Finanzen
Schatzmeister Scharding führte anschließend versiert durch die Bilanzen. Wichtigster Zulauf waren die Mitgliedsbeiträge von 2 Mio. €. Die im letzten Jahr mehr als deutlich ausgefallene Beitragserhöhung ergab dabei Mehreinnahmen von 769.000 €. Das Personal des LJV schlägt mit 1 Mio. € zu Buche. Es folgte die geschlossene Entlastung von Vorstand, Geschäftsführung und Rechnungsprüfern.
LJV Rheinland-Pfalz– ein Verband am Scheideweg
Dann ging es um das Präsidentenamt. Nach Wahlreden von Greif-Werner und Mahr war es an den Delegierten zu entscheiden. Als das Ergebnis auf der Leinwand sichtbar wurde, teilte sich der Saal in aufbrausenden Jubel und Resignation. Mit 124 von 219 abgegebenen Stimmen wurde Dr. Gitta Greif-Werner zur Präsidentin gewählt. 95 Stimmen entfielen auf Dieter Mahr. Erste Delegierte verließen umgehend die Veranstaltung.
29 Stimmen Unterschied sind nicht viel, jedoch muss berücksichtigt werden, dass der „alte“ Vorstand ebenfalls über 11 Stimmen verfügte. Man wird wohl kaum gegen sich selbst gestimmt haben. Der alte Vorstand gratulierte Greif-Werner zu ihrem Wahlsieg. Man zeigte Sportsgeist. Die Kandidaturen des Mahr-Teams für die Ämter wurden zurückgezogen und Marcus Schuck, Heiko Mades und Bernd Bahr wurden mit 130 von 202 Stimmen als Vize gewählt.
Es geht ums Geld des LJV – Schatzmeister im Fokus
Eine wichtige Szene spielte sich in einer Unterbrechung etwas Abseits ab: als Bernward Scharding der neuen Präsidentin gratulierte, fragte diese ihn unverblümt, ob er wieder für das Amt des Schatzmeisters zur Verfügung stehen würde. Scharding wirkte verblüfft und fragte nur, warum sie nicht eher etwas gesagt hätte.

Erst Gratulation, dann ging es darum, wer zukünftig das Amt des Schatzmeisters führt. © Dr. Stefan Birka
Wichtig ist zu wissen ist, dass DJV-Schatzmeister Klaus Nieding seine Kandidatur als Schatzmeister in Aussicht gestellt hatte, wenn Scharding nicht mehr kandidiere. Nieding hielt Wort. Scharding betrat zur Wahl die Bühne und stellte sich leicht humorvoll in der Art eines Neubewerbers vor. Er erwähnte inzwischen erfolgte ermunternde Gespräche und schloss mit den von Applaus begleiteten Worten: „Ich machs kurz: Wenn se mich wollen, stehe ich zur Verfügung!“. Der alte Schatzmeister wurde mit starken 182 von 204 Stimmen bestätigt. Als Vize wurde ihm im Anschluss übrigens Klaus Nieding zur Seite gewählt.
Nach dem turbulenten Verlauf der Wahl fühlte man sich an die Worte Dammann-Tamkes erinnert, dass es um die demokratische Sache gehe. Für das Team von Greif-Werner ist Scharding definitiv ein Gewinn, da er bereits seit 2014 über die Finanzen wacht und dem neuen Präsidium den Start in eine arbeitsreiche Wahlperiode erleichtern wird.
Versöhnliche Abschlussworte der neuen Präsidentin Greif-Werner
Die letzten Worte der Veranstaltung gehörten gegen 20 Uhr der neuen Präsidentin. Sie danke dem alten Präsidium für ihre Arbeitskraft und ihr Engagement im Dienste der Jagd. Sie rief allen zu, die ihre Wahlvorstellungen nicht erfüllt sahen, die Differenzen zurückzustellen und gab allen einen Wunsch mit auf den Weg nach Hause: „Lassen Sie uns gemeinsam für das Ziel kämpfen, dass wir eine waidgerechte, sich immer wieder vor das Wild stellende Jagd, auch in den Köpfen der Gesetzgeber, durchsetzen können.“
In diesem Sinne: Auf geht’s LJV Rheinland-Pfalz.

Das neue Präsidium des LJV Rheinland Pfalz: (v.l.): Klaus Nieding (stellver. Schatzmeister), Marcus Schuck (Vizepräsident), Gitta Greif-Werner (Präsidentin), Bernd Bahr (Vizepräsident), Heiko Mades (Vizepräsident), Bernward Scharding (Schatzmeister) © Dr. Stefan Birka





